Das Management des wachsenden Genfer Flughafens reibt sich die Hände. Nachdem der britische Billigflieger Easyjet heute ein Drittel aller Passagiere befördert, dürfte Europas zweite grosse Low-cost-Airline auch bald andocken. In Basel ist die irische Ryanair bereits gelandet und will 2008 von dort aus 250000 Passagiere nach Spanien, Irland und Schweden befördern. Nun hat sie Pläne für eine Schweizer Basis mit bis zu acht stationierten Flugzeugen. Genf, der wichtigste Schweizer Low-cost-Flughafen, ist in der Pole Position.

Auch in Basel bald dominant

Dort weiss man, was man an den zurzeit elf Billigfluggesellschaften hat. Sie machen einen Anteil von 38% am Gesamtverkehr aus. «Die Quote dürfte mittelfristig bis 45% weiterwachsen», sagt Marketing-Manager Stéphane Goeke. Der Flughafen Genf stehe neben Ryanair mit diversen weiteren interessierten Billigfliegern in Verhandlungen.

Das gilt auch für die anderen Schweizer Airports. In Zürich hat der Low-cost-Verkehr im letzten Jahr um fast 30% zugenommen, liegt aber noch bei verhältnismässig bescheidenen 8,5% des Gesamtaufkommens. Das kann sich bald ändern. Die zurzeit acht in Zürich stationierten Billigairlines – Helvetic Airways gehört seit 2007 nicht mehr dazu – verfolgen überwiegend Expansionspläne. Etwa die deutsche Germanwings, welche mit dem aktuellen Winterflugplan ihre Frequenzen nach Köln von täglich drei auf vier Flüge erhöht hat. «Ferner sind wir laufend im Gespräch mit potenziellen Neukunden, darunter diverse Billigflieger», sagt Unique-Sprecherin Sonja Zöchling. Insider vermuten, dass auch Ryanair früher oder später trotz der hohen Kosten des Flughafens vom wirtschaftlichen Potenzial Zürichs angezogen wird.

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Vom Euroairport in Basel könnten neben Ryanair, Easyjet, Tuifly und Air Berlin bald auch die britischen Flybe und Jet 2 sowie die deutsche Germanwings starten. «Wir pflegen seit Jahren gute Kontakte und Gespräche mit diesen Gesellschaften», sagt Sprecherin Sabrina Walter. Verstärkte Bemühungen unternimmt der Euroairport auch zur Erschliessung von Märkten, die im Streckennetz bislang fehlen. Dazu gehören Osteuropa, Skandinavien oder der Norden Grossbritanniens. Alles Destinationen, die von Billigfliegern abgedeckt werden. Low-cost-Flüge decken in Basel bereits heute 45% des Verkehrs ab und dürften trotz der Ausbaubemühungen von Swiss bald die Mehrheit übernehmen.

Für steigende Frequenzen der Billigflieger ab Schweizer Flughäfen sorgen neben dem wichtigsten Neuankömmling Ryanair und anderen Interessenten vor allem Easyjet und Air Berlin. Die Briten, mit einem Marktanteil von rund 16% die Nummer zwei am Schweizer Himmel nach Swiss, wachsen zurzeit um 15% pro Jahr und wollen ihre Passagierfrequenzen gemäss Sprecher Oliver Aust in den kommenden fünf Jahren nicht weniger als verdoppeln. «Dabei gilt die Schweiz als einer unserer wichtigsten Wachstumsmärkte.» In Zürich hat Easyjet im letzten Herbst nach längerer Abstinenz wieder Flüge nach London aufgenommen. Konzentrieren wolle man sich aber vorerst auf Genf und Basel, so Aust, wo sich Easyjet neben Swiss künftig auch gegen den Low-cost-Mitbewerber Ryanair behaupten muss.

Zum grossen Expansionsschritt in der Schweiz holt in diesem Jahr auch Air Berlin aus. Nachdem die Deutschen im letzten Jahr vor allem ab Zürich und neu ab Basel insgesamt gegen 1,2 Mio Passagiere befördert haben, wird das Schweizer Streckenportfolio im Sommerflugplan 2008 von 30 auf 55 Ziele beinahe verdoppelt.

Swiss muss sich wappnen

Gewarnt ist die Swiss, welche sich trotz solider Auslastung und satten Gewinnen gegen den Angriff der Low-cost-Konkurrenz wappnen muss, zumal für 2008 eine Abkühlung der Konjunktur vorausgesagt und das Geld der Passagiere vielleicht bald nicht mehr so locker im Beutel sitzen wird.