Trotz weniger Einsätzen und mehr Freizeit aufgrund von Kapazitätsreduktionen steht dem fliegenden Personal der Swiss ein anstrengendes Frühjahr bevor: Am 31. Januar 2009 läuft für einen Grossteil der Flugbegleiterinnen und -begleiter der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) aus. Betroffen sind über 1200 Festangestellte sowie das Aushilfspersonal. Nicht tangiert sind die Neueintritte seit Ende 2006. Gleiches gilt für die Piloten, deren GAV noch bis Ende 2009 gültig ist. Total beschäftigt die Swiss derzeit rund 3250 Flight Attendants und 1070 Piloten.

Auf Anfrage der «Handelszeitung» erklärt Urs Eicher, Präsident von Kapers (Vereinigung des Kabinenpersonals der Swiss): «Die Verhandlungen laufen bereits.» Über den Inhalt der Gespräche haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Eicher fügt hinzu: «Die Verhandlungen sind nicht einfach. Aber trotzdem wollen wir zuerst die Resultate abwarten.» Ihm zufolge arbeiten beide Seiten lösungsorientiert am Problem. Nebst den Arbeitszeiten geht es vor allem um die Saläre und die Vorsorge, wobei die äusseren Rahmenbedingungen - Stichworte Finanzkrise und Konjunktur - laut Eicher die Sache natürlich nicht leichter machen.

Zwei Monate ohne GAV denkbar

Man sei aber noch nicht unter Zeitdruck. Sollte bis Ende Januar keine Lösung gefunden sein, könne man schon noch ein, zwei Monate ohne neuen GAV auskommen - länger wohl nicht. «Wir hoffen, dass wir vorher zu einer einvernehmlichen Lösung kommen», sagt Eicher. «Letztlich wollen wir keine zusätzliche Unruhe in den Betrieb bringen.» Es gehe primär um eine Annäherung der Verhältnisse an das deutsche Mutterhaus: Obwohl die Swiss-Besatzungsmitglieder in Europa zu den effizientesten gehörten, lägen ihre Anstellungsbedingungen noch deutlich unter denjenigen der Lufthansa-Besatzungsmitglieder - diese arbeiten weniger und verdienen mehr.

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Die Kapazitätsanpassungen im 1. Quartal 2009 bezeichnen sowohl Kapers-Präsident Urs Eicher wie auch Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel als im Rahmen des Üblichen. Die ersten drei Monate eines Jahres seien tendenziell immer schwächer gebucht. Aus diesem Grund dünne die Swiss vom 1. Januar bis 31. März 2009 ihr Angebot saisonal aus, wobei nur einzelne Verbindungen und nicht ganze Destinationen gestrichen würden. Auf der Kurz- und Mittelstrecke reduziere man das Angebot im Vergleich zur Vorjahresperiode um 2,6%, auf der Langstrecke um 2,1%.

Der positive Nebeneffekt für das oft überbelastete fliegende Personal der Swiss: Es kann Überzeiten abbauen oder Ferientage beziehen. Dies führt indes nicht zu finanziellen Einbussen.