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Grübel - Der ewige Händler

Im Herzen ein Händler - Grübel, der Mann mit dem untrüglichen Blick fürs gute Geschäft. (Bild: Keystone)

Oswald Grübels Rücktritt vom Chefposten bei der UBS markiert das Ende von über 40 Jahren Arbeit in der Schweizer Finanzwelt. Dem knorrigen Top-Banker steht der Verdienst zu, beide Schweizer Grossbanke

Veröffentlicht am 24.09.2011

Sein Abgang ist begleitet vom Riesenknall, den ein Händler in London mit einem Milliardenverlust im Handel ausgelöst hat. Dass die UBS auch nach der Finanzkrise eine an Risiken gewöhnte Investmentbank im grossen Stil führt, geht auch auf den Chef zurück. Grübel, selbst ein ehemaliger Händler, hielt immer an der Sparte fest.

Als er im Februar 2009 das Ruder der schlingernden UBS übernahm, war Grübel bereits pensionierter Chef der Credit Suisse (CS). Er habe in einen Abgrund geblickt, sagte Grübel, als er damals die Bücher der UBS anschaute. Diese hatte soeben 21 Milliarden Franken Verlust bekannt gegeben und war nur dank Staatshilfe am Leben geblieben.

Grübel griff mit harter Hand durch und strich tausende Stellen. Gebetsmühlenartig wiederholte er nach jedem Quartal, dass er den dramatischen Kundengeldabfluss stoppen wolle. Ende 2010, nach zehn Quartalen, gelang dies. Auch die Gewinne sprudelten wieder, aber bald nicht mehr so üppig wie noch vor der Krise.

Kritik an neuen Bankenregulierungen

Grübel, ein Kriegswaise aus Ostdeutschland, der seine Laufbahn mit einer Banklehre begonnen hatte, wurde anfänglich gelobt für seinen Kampf, die UBS wieder auf Kurs zu bringen. Als die Regulatoren das Korsett um die Grossbanken enger zu schnüren begannen, eckte Grübel mit seiner unverblümten Art aber an.

Der Top-Banker träumte davon, dass die UBS pro Jahr bald wieder 15 Milliarden Franken Gewinn schreibt, zumindest vor Steuern. Mit einem strengen Regulierungsregime, eine für Banken ungeliebte Folge der Finanzkrise, wird der Spielraum für Banken aber enger. Die Politik «demontiere» den Finanzplatz Schweiz, rief er den Gesetzgebern in Bern zu. Goutiert wurde das nicht, denn noch war die Staatsrettung des UBS im Jahr 2008 in bester Erinnerung.

Grübel, der immer an die Märkte glaubte und wohl im Herzen ein Händler geblieben war, sprach laut und mehrfach vom möglichen Wegzug zumindest von Teilen der UBS, als die neuen und viel strengeren Kapitalvorschriften für die Schweizer Grossbanken Anfang dieses Jahres langsam Gestalt annahmen.
Sanierung der Credit Suisse

Auch wenn die Finanzkrise 2008/2009 ganz neue Herausforderungen geschaffen hatte, für Grübel war das Sanieren nicht neu. Nachdem die CS wegen der Versicherungstochter Winterthur und wegen der Investmentsparte First Boston 2002 einen Milliardenverlust eingefahren hatte, brachte Grübel die Bank wieder auf Erfolgskurs.

Er verkaufte 2006 die Winterthur Versicherungen, die heute profitabel unter französischem Dach arbeitet. Was man Grübel auch zugute halten kann, ist, dass er nicht wie UBS-Chef Marcel Ospel die CS so tief in den US-Hypothekensumpf hineingeritten hatte, dass sie danach beinahe kollabierte.

Trockener Humor

Grübels Aura hat massgeblich seine direkte Art geprägt. Als ihn die Nachrichtenagentur sda am Tag seiner Ernennung zum UBS-Chef nach seinem Lohn fragte, sagte er salopp: «Ich bekomme 3 Millionen Franken. Aber das ist nicht der Grund, weswegen ich den Job mache.» Die meisten Top-Manager schweigen dagegen vornehm, wenn es um ihre in der Regel noch üppigere Bezahlung geht.

Die brummig-grimmige Art Grübels kann man kaum als freundlich bezeichnen. Er paarte seine trockenen Sprüche aber häufig mit Humor - der zumindest bei jenen, die bei seinen öffentlichen Auftritte häufiger dabei waren, fast schon legendär ist.

Ruppiger war Grübel wohl zeitlebens zu seinen Mitarbeitern. Nachdem er UBS-Chef geworden war, wechselte er die halbe Chefetage aus und holte ehemalige Gefolgsleute aus der CS. Es gab viele, die mit Grübel nicht zusammenarbeiten wollten oder konnten. Das lag auch an seiner gnadenlosen Art, wie er von seinen Führungskräften Leistung forderte.

(rcv/sda)

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