Es ist ungewöhnlich, dass sich ein Konzernchef einer Grossbank auch noch um die Anlageentscheide des Hauses kümmert. Doch für den passionierten Börsianer und früheren Händler Oswald Grübel gibt es nichts Interessanteres als die Märkte. Anders als sein Vorgänger Marcel Rohner lässt er es sich auch nicht nehmen, seine langjährige Finanzmarkterfahrung ins Anlagekomitee einzubringen, wie Insider aus der Bank bestätigen. Der UBS-CEO hat allerdings alle Hände voll zu tun, die Grossbank aus der Krise zu führen. Deshalb findet er nicht immer die Zeit, um an den Sitzungen teilzunehmen.

Mitglied ohne Stimmrecht

Unter der Leitung von Markus Rohner gehören dem Gremium zum Beispiel Chefökonom Andreas Höfert, Michael Strobaek sowie Jürg Zeltner und Franco Morra an. Zeltner und Morra haben im Februar 2009 die Leitung der neuen Unternehmensbereiche Wealth Management und Swiss Bank übernommen. Daneben gibt es im Anlagekomitee Mitglieder ohne Stimmrecht, zu denen auch CEO Oswald Grübel zählt. Doch auch wenn er formell keine Entscheidungskompetenz hat, dürfte seine Stimme die Anlageentscheide massgeblich beeinflussen.

Auch sonst weiss Grübel seine Machtfülle innerhalb der Bank zu nutzen. Mit Ulrich Körner hat er einen Vertrauten an Bord geholt, der die Strukturen wieder stärker zentralisiert hat. In der Zwischenzeit hat Grübel weitere Personalentscheide für Schlüsselpositionen gefällt. Und schon bald dürften die nächsten Änderungen anstehen. In den USA soll er den Neuanfang im Vermögensverwaltungsgeschäft proben, mit neuen Köpfen an der Spitze. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, muss dafür aber wohl zuerst der Ausgang der Steueraffäre in den USA abgewartet werden.

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Klare Aufgabenteilung

Der UBS-Verwaltungsrat lässt den CEO an der langen Leine. Aus dem Gremium ist zu hören, dass er seinen Job gut mache und man sich deshalb nicht mehr so stark in das operative Geschäft der Bank einmische wie noch zu Marcel Rohners Zeiten. Zudem war die Aufgabenteilung zwischen dem neuen Verwaltungsratspräsidenten Kaspar Villiger und dem Konzernchef schon klar, als Grübel aus dem Ruhestand geholt wurde, um das Ruder bei der UBS zu übernehmen. «Oswald Grübel führt die Bank, ich führe den Verwaltungsrat», sagte Kaspar Villiger gleich an seinem ersten öffentlichen Auftritt.

Ex-UBS-Konzernchef Marcel Rohner wird Berater bei Exigen Capital

Am 26. Februar 2009 wurde Marcel Rohner an der Spitze der UBS durch Oswald Grübel ersetzt. Nun tritt Rohner wieder ins berufliche Rampenlicht: Er wird Mitglied des Advisory Board des US-Private-Equity-Unternehmens Exigen Capital, und zwar zusammen mit dem ehemaligen CEO der Deutschen Telekom, Kai-Uwe Ricke, und dem ehemaligen Software-Unternehmer und heutigen Investor Daniel S. Aegerter.

Warum ausgerechnet Rohner? Thomas Ladner, Chef von Exigen Capital Europe, der Rohner geholt hat, betont, dass der ehemalige UBS-Banker international nach wie vor einen ausgezeichneten Ruf geniesst und über grosses Banken-Know-how verfügt. «Ich kenne Marcel Rohner seit acht Jahren. Jeder, der mit ihm zu tun hat, kann nicht anders, als ihn für seine analytische Brillanz zu bewundern», sagt Ladner. Hinzu komme, dass er mit noch nicht einmal 45 Jahren bereits über einen grossen Erfahrungsschatz verfüge.

Ladner trat den Führungsjob bei Exigen Capital im Januar 2009 an. Er war zuvor als Wirtschaftsanwalt in Zürich tätig und gilt als einer der bestvernetzten Wirtschaftspersönlichkeiten der Schweiz (Gründer des Entrepreneurs Roundtable und Präsident des Club zum Rennweg). Er freut sich über die prominenten Zuzüge im Advisory Board. Mit Rohner sichert sich Ladner die Finanzkompetenz, mit Ricke Telekomwissen und mit Aegerter den Zugang zur Software- und IT-Welt. Die drei sollen die Firma in konkreten wie strategischen Fragen beraten.

Warum expandiert Exigen Capital gerade inmitten der grössten Krise, welche die Private-Equity-Branche je gesehen hat? «Der Zeitpunkt könnte für Exigen nicht besser sein», meint Ladner. Erstens sei die Top-Priorität der CEO gegenwärtig die Senkung der Kosten, namentlich in der Finanzbranche. Zweitens brauche Exigen im Gegensatz zu herkömmlichen Private-Equity-Firmen kein Fremdkapital. Exigen kauft Firmen Teile ihres Backoffice ab, welche nichtdifferenzierende Services produzieren. Dabei wird der Verkäufer an der neuen Gesellschaft beteiligt. Der Mehrwert wird generiert, indem auch andere Kunden diese Services nachfragen, statt sie selber und teurer intern zu produzieren. Dieses Businessmodell, welches auf Effizienzgewinne durch Arbeitsteilung setzt, hat gerade in wirtschaftlich harten Zeiten Zukunft, ist Ladner überzeugt.

Pascal Ihle