V or zwei Jahren veröffentlichte McKinsey eine nüchterne Studie zu den Kosten des weltweiten Kampfes gegen den Klimawandel. Die Beratungsfirma war der Frage nachgegangen, wie viel es kostet, auf globaler Ebene den Ausstoss von CO2 zu verringern. Die Studie stiess auf ein grosses Echo und wird seither in Diskussionen um den Klimawandel eifrig zitiert. Nun hat McKinsey die Untersuchung auf die Schweiz heruntergebrochen.

Hitparade der Massnahmen

McKinsey rechnete aus, was technische Massnahmen kosten, mit denen der CO2-Ausstoss gesenkt wird, ohne dass dabei Einbussen der Lebensqualität hingenommen werden müssen. «Wir wollten zeigen, dass es sehr viel technisches Potenzial gibt, um CO2-Emissionen zu reduzieren und dabei erst noch Geld zu sparen», sagt Marco Ziegler, Mitautor der Schweizer Studie.

1990 betrugen die CO2-Emissionen in der Schweiz 52,7 Mio t, 2005 waren es 54,6 Mio t, also ungefähr 7 t pro Kopf. Dieser Wert ist bereits einer der tiefsten in Europa. Würden keine zusätzlichen Anstengungen unternommen, läge der Ausstoss im Jahr 2030 in der Schweiz bei 55,9 Mio t (siehe Grafik). Mit zusätzlichen Massnahmen hingegen lässt sich der Wert noch einmal deutlich senken, wie McKinsey vorrechnet. Zwei Drittel der Schweizer Emissionen fallen in den Sektoren Gebäude, Energie und Transport an. Bei diesen kommt McKinsey zum Schluss, dass sich der CO2-Ausstoss insgesamt um 20,9 Mio t oder 37% reduzieren liesse. Schliesst man weitere Bereiche wie die Industrie oder die Landwirtschaft ein, liessen sich gar 46% CO2 einsparen.

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Gerechnet hat McKinsey Schweiz mit zwei Szenarien: Im einen beträgt der zugrunde liegende Ölpreis 52 Dollar, im anderen 100 Dollar. Gemäss dem 52-Dollar-Szenario sind Massnahmen für die Reduktion von 8,3 Mio t CO2 nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch kostensparend, wie Marco Ziegler erklärt. Bei diesem Teil lässt sich also geldmässig gesehen mehr einsparen, als die Massnahme langfristig gesehen kostet. Legt man den Berechnungen gar einen Ölpreis von 100 Dollar zugrunde, könnte der Ausstoss von 19,6 Mio t CO2 verhindert und gleichzeitig Geld gespart werden.

Verkehr im Fokus

Die Studie liefert aber nicht nur Zahlen, sondern eine eigentliche Hitparade der Gegenmassnahmen, listet also auf, wo es am ökonomischsten ist, den Hebel anzusetzen im Kampf gegen den CO2-Ausstoss. Am sinnvollsten sind Massnahmen im Verkehrsbereich, wo enorme Mengen an Benzin und Diesel verbraucht werden. Mit technischen Anpassungen am Schweizer Fahrzeugpark lässt sich Sprit sparen – und damit der Ausstoss von CO2 verringern.

Die Liste der Massnahmen im Bereich Verkehr ist lang: Spezielle Spoiler für Lastwagen können dafür sorgen, dass die Gefährte 2 l Treibstoff pro 100 km Distanz sparen. Die Spoiler sind relativ billig zu montieren. Auch ist es technisch möglich, die Klimaanlagen zu verbessern oder die Reibung im Motor zu reduzieren. Bei den Rädern lässt sich mit einer Anpassung der Gummimischung die Reibung deutlich senken, der Reifendruck kann heute elektronisch überwacht werden. Verbesserungsfähig ist auch die Aerodynamik; Bremsenergie lässt sich heute ebenfalls speichern.

Ein AKW spart CO2

Für besonders effizienten Klimaschutz sorgt laut McKinsey auch eine Massnahme, die in der Schweiz politisch umstritten ist: Der Bau eines Kernkraftwerks. Würden nämlich die bestehenden Schweizer AKW nicht ersetzt, müsste die Schweiz den Strom wohl aus dem Ausland importieren, insbesondere aus Deutschland. Dort wird Strom aber nicht so CO2-neutral produziert wie in der Schweiz, wie Marco Ziegler erklärt.

Auch bei den Gebäuden ist das CO2-Einsparpotenzial enorm, allerdings lässt sich mit diesen Massnahmen bei Annahme eines Ölpreises von 52 Dollar gesamtwirtschaftlich gesehen kaum Geld sparen. Ziemlich ökonomisch wäre es, die bestehenden Geschäftsliegenschaften des Landes auf den Minergie-Standard umzurüsten oder Ölheizungen durch umweltfreundlichere Systeme wie Holzschnitzelanlagen und Erdsonden zu ersetzen. Eher teuer wäre es hingegen, wenn man die bestehenden Wohngebäude gemäss Minergie-Standard umbauen würde. Dabei bestände zwar hohes CO2-Einsparpotenzial, über die Lebenszeit des Gebäudes würde sich die Massnahme aber kaum rechnen.

Würden alle Massnahmen umgesetzt, müssten rund 600 Mio Fr. jährlich ausgegeben werden. Allerdings sieht diese Rechnung ziemlich anders aus, wenn man einen Ölpreis von 100 Dollar zugrunde legt, sagt Marco Ziegler. Minergie-Sanierungen beispielsweise wären dann auch gesamtwirtschaftlich sinnvoll – über die Lebenszeit eines Gebäudes würde also mehr Geld gespart, als für die Sanierung ausgegeben werden musste.

Solarenergie braucht Zeit

Anders sieht die Rechnung allerdings bei grünen Hoffnungsträgern wie der Solarenergie oder den Elektroautos aus: Diese haben zwar signifikantes CO2-Einsparungspotenzial, aber es wird in der Schweiz noch lange Zeit dauern, bis sie sich von selber rechnen. Diese Massnahmen werden auf Zuschüsse angewiesen sein – oder auf umweltbewusste Menschen, die für ihr ökologisches Engagement ohne mit der Wimper zu zucken mehr Geld ausgeben.