Die Gründerfamilien des Stahlkonzerns Schmolz + Bickenbach, die mit dem russischen Investor Viktor Vekselberg verbunden sind, sind vor Gericht abgeblitzt. Sie hatten sich gegen die Beschlüsse der Generalversammlung von Ende Juni gewehrt, bei der sie unterlegen waren.

Damals hatten die Aktionäre wie vom Verwaltungsrat vorgeschlagen eine Kapitalerhöhung um 330 Millionen Franken beschlossen - die Gründerfamilien und Vekselberg hatten eine Erhöhung um 434 Millionen Franken gefordert. Zudem wollten sie die Wiederwahl von Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Zehnder verhindern, was ebenfalls misslang.

Ergebnisse der Generalversammlung blockiert

Unmittelbar nach der Versammlung blockierten die Gründerfamilien allerdings die Ergebnisse der Generalversammlung, indem sie beantragten, dass diese nicht ins Handelsregister eingetragen werden. Mit dem Urteil des Bezirksgerichts Luzern könnten die Beschlüsse der Aktionäre nun vollzogen werden, wie Schmolz + Bickenbach am Freitag mitteilte.

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Der Entscheid, das Gesuch der Gründerfamilien abzulehnen, ist allerdings weitgehend bedeutungslos. Denn inzwischen hat sich in dem seit Monaten andauernden Machtkampf das Blatt zugunsten von Vekselberg und den Gründerfamilien gewendet: Der russische Oligarch erhöhte über die Beteiligungsgesellschaft Renova seine Anteile an Schmolz + Bickenbach und legte ein öffentliches Übernahmeangebot vor. Inzwischen verfügen Renova und die Holding der Gründerfamilien über mehr als 40 Prozent der Aktien und können den Konzern massgeblich kontrollieren.

Angesichts dieser Situation trat der Verwaltungsrat Anfang August fast geschlossen zurück. Der Entscheid der Generalversammlung, die das Gremium wiedergewählt hatte, ist damit wirkungslos geworden.

Verhandlungen laufen

Auch der Beschluss über die Kapitalerhöhung könnte bald Makulatur werden. Renova, die Gründerfamilien und der nach wie vor amtierende Verwaltungsrat verhandeln derzeit mit Banken über die Rekapitalisierung von Schmolz + Bickenbach.

Es ist denkbar, dass sich der Verwaltungsrat hinter eine grössere Kapitalerhöhung stellt, wie sie von den Hauptaktionären gewünscht wird. Seinen Entscheid will er bis Ende August fällen. Anschliessend müsste die Erhöhung von einer ausserordentlichen Generalversammlung abgesegnet werden, die spätestens Ende September abgehalten werden soll. An dieser wird auch der Verwaltungsrat neu gewählt.

Es ist aber auch möglich, dass die Gründerfamilien und Renova einlenken und die geringere Kapitalerhöhung von 330 Mio. Fr. akzeptieren. In diesem Fall könnte der Beschluss der letzten GV sofort umgesetzt und die Refinanzierung in Angriff genommen werden.

(sda/tke/aho)