Von Cupertino nach Mountain View im kalifornischen Silicon Valley sind es gerade einmal neun Autominuten. Die Städtchen mit den Firmensitzen von Apple und Google bieten das gleiche angenehme Klima und teilen die Aussicht auf wasserfarbengrüne Hügel. Beide Konzerne sind die derzeit erfolgreichsten Firmen im Computer- und Internetgeschäft.

Lange Zeit fiel es nicht weiter auf, dass der Schöpfer von iPod, iPhone und iPad so anders tickt als die Suchmaschine und globale Datenbank des Web 2.0. Denn Apple und Google waren einander immer wohlgesinnt. Der Computerbauer integrierte viele Google-Dienste in die Anwendungen des iPhone. Bis 2009 sass Google-Chef Eric Schmidt im Direktorium von Apple und die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin zeigten sich bei öffentlichen Auftritten mit Apple-Notebooks. Vor allem verband Google und Apple ein gemeinsamer Feind: Microsoft, der Softwareriese aus Redmond bei Seattle.

Keine Partner mehr

Doch seit einiger Zeit haben sich Google und Apple nicht mehr lieb. Denn der Computerhersteller dringt in den mobilen Anzeigenmarkt vor und expandiert im Bereich Video, den Google bislang mit seiner Tochterfirma YouTube beherrscht. Und spätestens seit Google im Februar ihr eigenes Smartphone, Nexus One, auf den Markt brachte, ist das Band zwischen den Partnern zerrissen.

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Schon an den Firmensitzen wird die Kluft zwischen den Unternehmenskulturen augenfällig. Das Googleplex, das Hauptquartier der Suchmaschine, wirkt wie eine Mischung aus Universitätscampus und Robinson-Club. Da gibt es ein Beachvolleyball-Feld, einen Swimmingpool und einen blubbernden Brunnen mit Flamingos aus rosa Plastik. Die Mahlzeiten sind umsonst, alle Produkte kommen aus Bio-Anbau. Die Programmierer sitzen in luftigen Glaskästen auf bunten Gymnastikbällen. «Wir haben eben eine lustige Unternehmenskultur bei Google», sagt Larry Page. «Wir wollen, dass die Mitarbeiter Spass bei der Arbeit haben.» Die Google-Gründer halten ihre Mitarbeiter dazu an, 20% ihrer Zeit in die Entwicklung eigener Ideen zu investieren. Ergebnisse dieser Kreativ-Offensive sind der Nachrichtendienst Google News oder der E-mail-Service Google Mail.

Die Hierarchien bei Google sind flach, der Umgangston ist sanft. Das offizielle Mantra von Google klingt naiv, ein wenig kindlich und hat schon viel Spott in der Geschäftswelt ausgelöst: «Don’t be evil» (Tu nichts Böses). Brin und Page, Söhne aus progressiven Professoren-Elternhäusern, gingen beide auf Montessori-Schulen, studierten Informatik in Stanford und gründeten 1998 im Alter von 25 Jahren in einer Garage in Menlo Park die Firma Google. 10 km südöstlich von Mountain View herrschen rauere Sitten. Am Firmensitz von Apple in Cupertino, einem weissen Bau aus Beton und Glas und mit majestätischem Vordach, wird im Management-Stil der alten Schule regiert.

CEO Steve Jobs stellt seinen Mercedes stets vor dem Haupteingang auf dem Behindertenparkplatz ab. Jobs kultiviert sich als Exot, bisweilen auch als genialer Querulant der Tech-Branche. Seine Wutausbrüche und Brülltiraden sind berüchtigt. Das führe auch dazu, dass die Angestellten alles gäben, um ihren Boss zufriedenzustellen. «Meine Aufgabe ist es nicht, nett zu den Leuten zu sein, damit sie sich gut fühlen», sagte Jobs dem Wirtschaftsmagazin «Fortune» in einem seiner seltenen Interviews. «Es ist meine Aufgabe, sie besser zu machen in dem, was sie tun.» Steve Jobs ist ebenso hart gegen sich selbst wie gegen andere. Er liess sich von einem Tumor an der Bauchspeicheldrüse und einer Lebertransplantation nicht stoppen. An ihm hängt Wohl und Wehe von Apple; jede Spekulation über die Gesundheit des 55-Jährigen bringt den Aktienkurs in Turbulenzen.

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Alte Schule hat die Nase vorne

Apples Produkte, für die Fans nächtelang vor Ladentüren ausharren, entstehen auf eine ganz altmodische Weise: «Indem die Türen verschlossen werden und unter Blut, Schweiss und Tränen das perfekte Produkt geboren wird», schreibt das Branchenblatt «Wired». Apples Verschwiegenheit ist Firmenpolitik und Marketingstrategie zugleich. Mitarbeiter werden eingeschworen, mit niemandem über ihre Arbeit zu sprechen. Apple hat zwar kein Mantra, folgt aber dennoch nicht jeder Mode. Dazu zählt der Trend zu internetbasierten Anwendungen. Steve Jobs macht seine Computer, Laptops und Smartphones nicht zu «Fenstern in eine ferngesteuerte Computerwelt von Riesenrechnern, die irgendwo in einer entlegenen Wolke operieren», wie der IT-Journalist John Markoff den Branchentrend beschreibt. Stattdessen hält Apple daran fest, eigene Software mit eigener Hardware zu verbinden.

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Vielen Beobachtern mag das Geschäftsmodell deshalb wie ein Relikt aus Zeiten der Industriellen IT-Revolution erscheinen. Doch das Konzept geht auf, und Apple ist erfolgreich. Mit 43 Mrd Dollar Umsatz im Jahr 2009 (Google: 23,6 Mrd) steht der Konzern an der Spitze der Tech-Industrie.