Fast die Hälfte der weltweiten Endenergie wird heute für Heizwärme verbraucht. Es wird geschätzt, dass Liegenschaften wie beispielsweise Wohn- und Geschäftshäuser für bis zu einem Fünftel aller Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind. Zudem werden über die Hälfte aller verfügbaren Ressourcen vom Bausektor in Anspruch genommen.

Das Thema nachhaltiges Bauen rückt deshalb immer mehr in den Fokus der Immobilienbranche. Die hohen Energiepreise sowie das gesteigerte Bewusstsein für die Endlichkeit vieler natürlicher Ressourcen stärken das Engagement für mehr Umweltfreundlichkeit bei der Planung und Erstellung von Liegenschaften. Nicht nur das verantwortungsbewusste Handeln im Sinne der Nachwelt, sondern auch langfristig niedrige Betriebskosten, ein hohes Vermietungspotenzial und gute Renditechancen sind Gründe für diesen Trend.

Das Verständnis für das Thema Nachhaltigkeit geht oft weit auseinander. Vor dem Hintergrund der Definition der WCED (siehe Kasten) greift die Diskussion in der Schweiz über «grüne» Gebäude in aller Regel zu kurz. Im Vordergrund steht heute häufig das Thema Energie – ausgelöst durch den massiven Anstieg der Ölpreise. In der Schweiz wird nachhaltiges Bauen denn auch oft mit Minergie gleichgesetzt (siehe Kasten). Spannt man das Thema Nachhaltigkeit weiter auf, so müssen aber neben der – sicherlich wichtigen – Energienutzung auch Aspekte wie verwendete Materialien, Nutzungsflexibilität der Gebäude sowie die öffentliche und private Infrastruktur berücksichtigt werden. So mag es zwar auf den ersten Blick nachhaltig erscheinen, eine Liegenschaft mit Minergie-P-Label zu besitzen. Auf den zweiten Blick stellt sich allerdings die Frage, ob nicht Baumaterialien aus weit entfernten Weltregionen für den Bau verwendet wurden, die einen hohen versteckten Energieaufwand zum Beispiel beim Transport oder auch in der Erzeugung der verwendeten Baustoffe beinhalten – die sogenannt «graue Energie». Ebenso ist es wenig sinnvoll, dass für die Besorgungen des täglichen Bedarfs oder die Fahrt zum Arbeitsplatz wegen fehlender öffentlicher Verkehrsmittel das Privatauto verwendet wird.

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«Grüne» Immobilien als Anlage

Der Trend hin zu nachhaltigen Immobilien beschränkt sich indes nicht nur auf den Bau einer Liegenschaft und deren Nutzung. Auch Investitionen werden immer häufiger unter diesem Aspekt beurteilt. Nachhaltige Immobilienanlagen können für Investoren erfreuliche Ergebnisse bringen. So zeigen Studien aus dem Ausland, dass in so genannt «grünen» Gebäuden die durchschnittliche Leerstandsrate deutlich tiefer liegt als bei konventionellen Liegenschaften, ebenso resultieren in der Regel höhere Mieterträge. Beides ist für den Anleger attraktiv, da dadurch die Erträge gesteigert werden können. Zwar stehen den Erträgen auch etwas höhere Anlagekosten gegenüber, diese werden mittel- bis langfristig jedoch mehr als wettgemacht. «Grüne» Gebäude, insbesondere solche, die nach einem Standard zertifiziert wurden, weisen gemäss Erfahrungen im Ausland zudem auch einen höheren Wiederverkaufswert auf.

Enormes Potenzial

Bei einer Sanierungsrate von durchschnittlich 1,3% aller Gebäudeflächen pro Jahr ergibt sich für die Schweiz ein enormes Potenzial für nachhaltige Investitionen. Diese können nicht zuletzt auch unter dem Aspekt der Optimierung des Risiko-Rendite-Profils eines Portfolios spannend sein. Auch die Credit Suisse registriert eine steigende Nachfrage nach nachhaltigen Immobilienanlagen und plant deshalb, für qualifizierte Investoren einen neuen Schweizer Immobilienfonds zu diesem Thema zu lancieren. Dieser Fonds wird schweizweit in Neubauprojekte mit Fokus auf «grüne» Liegenschaften sowie Bestandesliegenschaften mit entsprechendem Potenzial investieren. Bewertet werden Kriterien wie Energieeffizienz, verwendete Materialien, Nutzungsflexibilität sowie öffentliche und private Infrastruktur. Es handelt sich dabei um den ersten Themenfonds dieser Art in der Schweiz, der die gezeigten Vorteile für Investoren, Nutzer sowie unsere Umwelt ins Zentrum seiner Anlagepolitik stellen wird.

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