Wenn sich Anfang März die internationalen Autokonzerne in Genf am Autosalon präsentieren, werden namhafte europäische Hersteller wie VW, Volvo, Peugeot oder BMW mit Hybrid-Fahrzeugen am Start sein. «Derzeit pushen insbesondere die europäischen Hersteller die Hybride», weiss Marco Piffaretti, Direktor der Tessiner Protoscar, die Elektromobil-Marktstudien erstellt und selber ihren Prototyp Lampo² vorführen wird.

Elektroantrieb löst Hybrid ab

Dass derzeit mit Hochdruck an energieeffizienteren Fahrzeugen geforscht wird, hat viele Gründe: «Neben dem Benzinpreisschock und dem Umweltschutz spielen der Konkurrenzdruck und das Prestige eine wichtige Rolle», sagt Donato Bochicchio, Leiter Verkauf und Marketing bei der Firma Stanzwerk, die Stator- und Rotorpakete für den S400-Hybrid von Mercedes liefert.

Im Vergleich zu Hybrid-Fahrzeugen, die mit dem Toyota Prius den breiten Markt erobert haben, führen die Elektromobile noch immer ein Nischendasein als Liebhaberobjekte für zahlungskräftige Kunden. Mittelfristig dürften sie aber die Hybrid-Modelle ablösen. «Da für einen Hybrid-Antrieb zwei Motoren benötigt werden, macht dieser alleine aus Kostengründen keinen Sinn», begründet Credit-Suisse-Analyst Reto Hess.

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Voll auf die Karte der Elektromobile setzen Mitsubishi und Nissan/Renault. Und auch mehrere chinesische Anbieter wie BYD, die dank der neuen Technologie den Rückstand auf die etablierten Hersteller wettmachen können. «Die Konkurrenz aus China wird zunehmen, denn die Eintrittsbarriere in den Automobilmarkt wird sinken», ist Hess überzeugt.

Vom verstärkten Trend zu Hybrid- und Elektroautos profitieren auch die Schweizer Autozulieferer. «Ein wichtiger Treiber der Erholung in unserem Automobil-Segment ist der Trend hin zu sogenannten ?Grünen Fahrzeugen?», sagt etwa Lem-CEO Paul van Iseghem (siehe «Nachgefragt»). Auch bei Stanzwerk freut man sich dank den neuen Hybrid-Modellen über gut gefüllte Auftragsbücher. «Trotz der Krise im letzten Jahr war die Delle im Automobilbereich wesentlich kleiner als in anderen Marktsegmenten», so Bochicchio.

Bedeutung der Zulieferer steigt

Die Bedeutung der Zulieferer dürfte in Zukunft gar noch zunehmen. «Angesichts der neuen Technologie werden sich einige Autobauer nur noch auf die Montage der Fahrzeuge und den Vertrieb konzentrieren», erklärt CS-Analyst Hess die eine Strategie der Autokonzerne. Der andere Ansatz sieht vor, dass zumeist im Bereich der Leistungselektronik eine Kernkompetenz aufgebaut wird. Dabei dürften die heutigen Ausrüster als Übernahmekandidaten in den Fokus der Autoindustrie geraten.

Angesichts der interessanten Aussichten und Wachstumsraten setzen immer mehr Lieferanten auf die Elektromobilität, wie das Beispiel des Komponentenbauers Schaffner zeigt. «Ende 2009 ist die Produktion von EMV-Filtern für Hybrid- und Elektroantriebe aufgenommen worden, unter anderem auch für einen grossen deutschen Hersteller», sagt CEO Alexander Hagemann. Die Stückzahlen und Umsätze mit diesen Produkten seien allerdings noch klein.

Genau hier liegt das Problem des Elektromobil-Marktes: Wegen der fehlenden Infrastruktur und der noch teuren Antriebstechnologie wird dessen Marktanteil im Jahr 2020 auf nur knapp 12% geschätzt. «Dabei handelt es sich aber um konservative Schätzungen», erklärt Hess. Und wie das Beispiel des Mobilfunks zeigt, können diese schnell überholt sein.

 

 

NACHGEFRAGT


Führungscrew verlässt Mindset - fährt Elektroauto gegen die Wand? «Am meisten werden die Green Cars zulegen»

Während der US-Elektroautobauer Tesla seit 2006 fast 1000 Elektro-Roadster an den Mann gebracht hat, kommt der Ökoflitzer Mindset der börsenkotierten Mindset Holding von Lorenzo Schmid im gleichen Zeitraum nicht über das Prototypstadium hinaus. Mittlerweile droht nun gar der Totalschaden. Wie das Unternehmen bekannt gab, haben CEO Daniel Buchter und CFO Bernd Keller die Mindset Holding wegen «unüberbrückbaren strategischen und operativen Meinungsverschiedenheiten» per sofort verlassen. Ihnen gleichgetan haben es auch Verwaltungsrat Paolo Tumminelli sowie das gesamte Mindset Engineering-Team.

«Dass sich bei uns ein Machtkampf abspielt, der mit den jüngsten Ereignissen beendet wurde, war kein Geheimnis», erklärt Mindset-Verwaltungsratspräsident Lorenzo Schmid auf Anfrage. Zu den Hintergründen der Auseinandersetzung will er sich allerdings nicht äussern.

An den Erfolg seines Elektroauto-Projekts glaubt Schmid trotz den jüngsten Abgängen. «Das Know-how gehört Mindset, es ist bei uns gesichert. Zudem wurde das Projekt in der Fachpresse sehr gut aufgenommen und gelobt», so Schmid. Die positive Medienresonanz und der hohe Bekanntheitsgrad der Marke stellen für ihn denn auch einen wichtigen Erfolgsfaktor für die Zukunft von Mindset dar.

Entscheidend für das Überleben des Projektes ist allerdings dessen Finanzierung. Damit ist Schmid in den letzten Monaten nicht weitergekommen. «Der Kapitalbedarf bis zur Serienfertigung beläuft sich auf rund 165 Mio Fr.», so der Mindset-Chef. Für die Finanzierung will Schmid daher den direkten Dialog mit potenziellen Partnern wie Strom- und Autokonzernen verstärken.

Vorerst steht an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 12. März aber die Sanierung der Firma über eine Kapitalherabsetzung mit anschliessender -erhöhung bevor. Sollte der Sanierungsantrag nicht durchkommen, droht der Gesellschaft die Liquidation. Die Aktie von Mindset brach in der Folge 16% auf 3.30 Fr. ein. (rs)

Paul van Iseghem ist CEO von Lem. Die Firma stellt unter anderem Stromwandler für das Batteriemanagement für Hybrid- und Elektroautos her.

Wie haben sich die Abnehmermärkte von Lem im laufenden Geschäftsjahr 2009/10 entwickelt?

Paul van Iseghem: Die «traditionelle» Industrie zeigt nach wie vor Schwächen. Die Firmen halten sich mit Investitionen zurück, eine baldige Erholung sehe ich dort nicht. Ähnlich sieht es übrigens auch im Automationssegment aus. Die «neue» Industrie aber, die sich mit Energieeffizienz und erneuerbaren Energien beschäftigt, hat bereits wieder stark zugelegt. Dieser Markt bewegt sich.

Spüren Sie die Erholung der Automobilindustrie?

Van Iseghem: Die Entwicklung ist gut, wir sind wieder nahe beim Break-even. Über das ganze Jahr werden wir kaum eine schwarze Null schreiben, auch wenn die Erholung von Quartal zu Quartal zunimmt. Ein wichtiger Treiber ist der Trend hin zu sogenannten Grünen Fahrzeugen. Unsere Investitionen in diesem Bereich beginnen Früchte zu tragen.

Wie wirken sich die Probleme von Toyota in diesem Bereich aus?

Van Iseghem: Wir spüren keinen Effekt, da wir nicht an Toyota liefern, sondern an andere Anbieter. Ich erwarte aber, dass die Probleme von Toyota schnell vergessen sein werden. Wir sind für «Green Cars» sehr zuversichtlich.

Wie wird das Geschäft im 4. Quartal weitergehen?

Van Iseghem: Wenn wir im gleichen Stil weitermachen, bin ich sehr zufrieden. Ich denke nicht, dass wir in einem unserer Segmente einen Wachstumsschub sehen werden. Am meisten zulegen werden voraussichtlich die erneuerbaren Energien und die Hybrid- und Elektroautos.

Wie wird das Geschäftsjahr 09/10 von Lem ausfallen?

Van Iseghem: Unser Geschäftsjahr endet am 31. März. Bisher habe ich als Ziel einen Umsatz zwischen 170 und 180 Mio Fr. ausgegeben. Heute erwarte ich, dass wir den oberen Wert, also 180 Mio Fr., erreichen werden. Der operative Gewinn dürfte folglich bei 25 Mio Fr. liegen.

Und darüber hinaus?

Van Iseghem: Einen längerfristigen Ausblick geben wir nicht.