Sie sind der neue Präsident des VSGU: Haben Sie sich für das Jahr 2008 etwas ganz Spezielles vorgenommen?

Hans-Peter Domanig: Ja. Zum einen müssen wir die Nachhaltigkeit in den Bauprozessen fördern. Nur Energie sparen reicht nicht. Zum andern brauchen die Generalunternehmer mehr Fairplay. Es ist unhaltbar, dass sämtliche Risiken eines Baus, also auch solche, welche nicht in ihrem Einflussbereich sind, auf die Generalunternehmer/Totalunternehmer abgewälzt werden.

War das früher denn anders?

Domanig: In den letzten Jahren hat sich im GU/TU-Umfeld sehr viel verändert. Wir haben kürzere Bauzeiten und wollen gleichzeitig höhere Qualität liefern. Der Margendruck, der Konkurrenzdruck und der Druck und Wille, mit der Umwelt schonend umzugehen, haben zugenommen. In den Verträgen steht, es sei Sache des GU, an alles zu denken, also auch an Dinge und Risiken, an die man beim Erstellen der Pläne noch überhaupt nicht gedacht hat. Auf der andern Seite werden unsere Chancen durch die Ausschreibungen oft massiv eingeengt. Das stellt hohe Anforderungen ans Riskmanagement. Wenn der GU seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, kann es gefährlich werden.

Ihr Vorgänger forderte vor einem Jahr vernünftige Risikoprämien. Stossen Sie damit auf Verständnis?

Domanig: Wir stossen auf Verständnis, aber es hat sich noch nichts gross bewegt. Der VSGU hat sich in den letzten Monaten mit den grossen institutionellen Partnern an einen Tisch gesetzt. Den Prozess müssen wir jetzt vorantreiben. Unsere Partner müssen in diesem Dialog unsere Anliegen aber auch zuerst wieder intern diskutieren. Das braucht Zeit, man kann das nicht in zwei bis drei Monaten übers Knie brechen.

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Ziehen bei diesen Bestrebungen alle GU mit? Es braucht ja irgendwie eine Unité de doctrine.

Domanig: Das ist richtig. Wir sind uns im VSGU-Vorstand aber einig. Dabei ist uns klar, dass die grossen Institutionellen wie Versicherungen oder Banken ihrerseits intern unter einem enormen Druck stehen. Die Frage ist einfach, ob die 6 oder 6½% Bruttorendite, die gefordert werden, noch marktgerecht sind. Die Bauherren kapitalisieren zur Berechnung der Rendite das Anlagevolumen, rechnen zurück und ziehen den Landpreis ab. Was übrig bleibt, muss reichen für den GU/TU. Und dann wird so lange daran herumgeschraubt, bis es reicht. Auseinandersetzungen beim Nachtragsmanagement sind so allerdings programmiert.

Wird das Ganze in Empfehlungen für mehr Fairplay münden?

Domanig: Wir massen uns nicht an, unsern Auftraggebern Empfehlungen abzugeben. Aber wir können gewisse Risiken wie zum Beispiel Altlasten oder die Entwicklung der Rohstoffpreise einfach nicht mehr übernehmen. Wenn ein GU einen grossen, komplexen Betonbau zu Pauschalpreisen abschliesst und sich während der Bauzeit der Preis für Armierungseisen ? wie das geschehen ist ? massiv verteuert, dann legt er drauf.

Wollen Sie diese Punkte künftig in die Verträge aufnehmen?

Domanig: Ja, das wird unsere Empfehlung sein: Dass man solche Punkte nicht mehr zu einem pauschalen Preis abschliesst, sondern zum Beispiel die Rohstoffkosten indexabhängig ? global oder nach Aufwand ? geltend macht. Wenn eine derartige Preisexplosion einfach Platz hätte in unsern Offerten, dann hätten wir ja überhöhte Preise verlangt. Wir rechnen heute sehr scharf. Probleme verursachen auch neue Auflagen sowie Forderungen und Wünsche des Architekten oder Bauherren während der Abwicklung eines Baus. Mit fairen Verträgen wäre übrigens auch der Druck auf die Subunternehmer nicht mehr so gross wie heute.

Müssen Sie die Aufträge denn um jeden Preis hereinnehmen?

Domanig: Wir haben eine hervorragende Auslastung, auch für 2009. Der Markt boomt, die Wirtschaftskraft ist weiterhin intakt. 2010 wird sich wohl vor allem im Eigentumswohnungsmarkt ein Rückgang anbahnen. Bei den Mietwohnungen hingegen wird die Land-Stadt-Flucht noch zunehmen, die Agglomerationen um die Städte werden weiter wachsen. Von daher ist es nicht notwendig, dass wir stark risikobehaftete Projekte hereinnehmen.

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Nun soll Public Private Partnership (PPP) helfen, Projekte zu realisieren. Wie ist hier der Stand?

Domanig: Wir lernen gehen. Das Interesse am PPP ist an sich sehr gross. Alle grösseren GU befassen sich mit PPP-Projekten. Aber da sind die Rahmenbedingungen matchentscheidend. Wir haben bisher erste Schritte gemacht, aber wir können noch nicht richtig gehen.

Zu den Rahmenbedingungen gehört der demokratische Prozess, mit dem PPP kompatibel gemacht werden muss.

Domanig: Genau. Das politische Umfeld ist nicht so einfach zu überzeugen wie zum Beispiel in Deutschland. Ist ein gewisser Leidensdruck vorhanden, so ist man bereit, andere Modelle auszuprobieren. Dieser Leidensdruck fehlt in der Schweiz, wir müssen mehr Überzeugungsarbeit leisten. Und am Ende entscheidet der Stimmbürger.

Sie propagieren den Gesamtleistungsgedanken, was nicht alle Architekten freut. Wie hat sich das Verhältnis zwischen Architekten und GU entwickelt?

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Domanig: Sehr gut. Wir haben heute eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit allen Architekten, egal ob Star- oder Nachwuchsarchitekten. Das war vor 15 Jahren noch nicht so. Wir gingen auf die Architekten zu. Als ich vor elf Jahren die damalige Zschokke GU aufbaute, habe ich als Erstes die eigene Architekturabteilung abgebaut.

Was sind denn die Vorteile des Gesamtleistungswettbewerbs?

Domanig: Wir müssen weg vom Preiskampf, hin zum Ideenwettbewerb. Es darf nicht mehr sein, dass man zuerst einen Architekturwettbewerb durchführt und erst nach dem Entscheid einen GU beizieht. Holt man den GU von Anfang an ins Boot, können viel früher die Leitplanken, auch im Sinne des nachhaltigen Bauens, richtig gesetzt werden.

In der Vorprojektphase ist der Hebel am grössten: Hier kann der Architekt zusammen mit dem GU/TU etwas bewegen und das ganze Bauwerk beeinflussen. Bei unsern Eigenpromotionen sehen wir zudem, dass man das Risiko massiv herunterfahren kann, wenn Engineering und GU-Erfahrung bereits bei der Projektentwicklung eingebracht werden.

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Wie steht es mit der Mitgliederwerbung, hat es noch viele Firmen, die für eine Mitgliedschaft beim VSGU in Frage kommen?

Domanig: Nein. Wir nehmen ab und zu mal eine Firma auf, wir sagen aber auch ab. Wenn eine Firma für das Segment, in welchem sie sich bewegen will, auch über die notwendige finanzielle Stärke verfügt, dann nehmen wir sie auf. Aber wir müssen vorsichtig sein, wir können uns keine Flops leisten. Wegen der Einstiegsbarriere, welche die in unserer Branche zu leistenden Sicherheiten und Garantien darstellen, hat es im Übrigen nicht viele Neueinsteiger.

Sie wollen die Qualität der VSGU- Mitglieder jetzt auch mit einem Label dokumentieren.

Domanig: Das steht im Moment im Vordergrund, da sind wir voll dran. Wir streben ein Gütesiegel der SQS Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Managementsysteme an und rechnen damit, dass der VSGU etwa Mitte nächstes Jahr zertifiziert ist. Momentan laufen die Pilot-Audits bei ausgewählten Firmen. Die VSGU-Qualität soll den Kunden zugute kommen, und dazu brauchen wir auch wieder faire Vertragspartner. Wenn sich hier der Kreis schliesst, haben wir einen grossen Schritt vorwärts gemacht.

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Der VSGU ist neu Mitglied bei Economiesuisse: Was erhoffen Sie sich davon?

Domanig: Wir möchten dort, wo die Wirtschaft versammelt ist, mitreden und unseren Einfluss geltend machen, wenn es ums Bauen geht. Das Schöne ist, dass die Economiesuisse an uns herantrat.

Wollen Sie insgesamt politisch aktiver werden?

Domanig: Das ist ein heikler Punkt. Wir wollen politisch dort aktiv werden, wo es notwendig ist.

Zum Beispiel bei der Lex Koller?

Domanig: Bei der Lex Koller werden wir bei den Diskussionen auf der politischen Ebene sicher nicht mitmachen. Die Meinungen sind geteilt, die leerstehenden Betten in den Ferienorten sind tatsächlich ein Problem, und wir bauen heute auch mit der Lex Koller hervorragend.

Der VSGU wird sich bei dieser Frage also sicher nicht zum Fenster hinauslehnen?

Domanig: So ist es.

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