Herr Haagensen, wir erreichen Sie am Ende einer langen Sitzung. Haben Sie bereits Massnahmen gegen die neue Swiss-Offensive in Genf diskutiert?
Nein, weshalb sollten wir?

Weil Swiss nach dem einstigen Rückzug in der Westschweiz nun wieder in Ihrem Revier grast.
Die Swiss-Offensive ist toll für die ganze Region – und auch wir lieben Wettbewerb, denn der ist letztlich gut für die Passagiere. Mit 58 Strecken und über 40 Prozent Marktanteil sind wir in Genf die Nummer eins, haben 13 Flugzeuge vor Ort. Und im Gegensatz zu vielen anderen Airlines weisen wir Wachstum auf.

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Entgegen früheren Lippenbekenntnissen lanciert Swiss aber einen Preiskampf und geht zum Frontangriff auf Billigflieger über.
Es gibt überall Kopien – und letztlich ist keine so gut wie das Original.

Das tönt selbstsicher, weil…
… wir auch die entsprechende Kostenstruktur haben, um solche Preise anbieten zu können. Bei uns sind wettbewerbsfähige Preise kein Marketing-Gimmick. Es gibt viele vergleichbare Initiativen in Europa, nehmen Sie Germanwings als Beispiel – und keine ist bisher erfolgreich.

Sie ändern in Genf also nichts?
Nein. Unsere Wachstums- und Entwicklungspläne bestehen seit Jahren – und auch 2013 wollen wir in Genf das Passagierwachstum um 10 Prozent steigen. In Genf sind wir zu Hause und investieren – bei der Konkurrenz sind wirkliche Investitionen nicht sichtbar.

Sie bleiben auch nach dem heutigen Tag bei Ihrem Wachstumsziel?
Natürlich.

Swiss hat angekündigt, dass das Modell, sofern in Genf erfolgreich, auch auf Zürich und Basel übertragen werden könnte. In Basel ist Ihre Dominanz mit über 50 Prozent ja noch grösser – eine weitere Kampfansage.
Die Business-Modelle und Strategien von Swiss und Easyjet sind verschieden. Swiss verfolgt eine Hub-and-Spoke-Strategie und verdient das Geld auf den Langstrecken. Wir verdienen ausschliesslich auf kurzen Strecken in Europa, deshalb sind Basel und Genf für uns so sinnvoll.

Kontern Sie die Swiss-Offensive mit neuen Destinationen?
Wir fliegen in Genf bereits auf 58, in Basel auf 42 Strecken. Das ist in der Schweiz das beste europäische Netzwerk aller Airlines. Natürlich planen wir immer neue Strecken. Noch wichtiger ist es aber, den Flugplan auch für bestehende Destinationen laufend zu verbessern. Drei Viertel unserer Planung beschäftigt sich mit mehr Frequenzen, nicht mit neuen Strecken.

Zürich ist kein Thema?
Wir bleiben klar auf Basel und Genf fokussiert.

Easyjet plant den Kauf von 135 neuen Airbus A320. Wie viele davon werden wir in der Schweiz sehen?
Noch kann ich diese Frage nicht beantworten. Der Kauf wird von Management und Verwaltungsrat beantragt – am 11. Juli müssen die Aktionäre diesen aber noch abnicken.