Die entscheidende Komponente der Kostenersparnis bei ETF gegenüber aktiven und passiven Fonds ist, dass typischerweise keine Vergütungen an Vertriebsträger bezahlt werden. Neben tieferen Kosten hat der Anleger damit auch die Gewähr, dass die Auswahl eines spezifischen Instrumentes nicht etwa aufgrund der Höhe der Vertriebsentschädigung erfolgt.

Die Instrumentenkosten von Fonds und ETF werden üblicherweise mit der Total Expense Ratio (TER) gemessen. Diese Masszahl enthält nicht sämtliche, aber immerhin die wesentlichen Kosten-elemente (Geschäftsführung, Portfolio-Management, Prüf- und Betriebskosten, Depotbankgebühren des Gefässes). Nicht enthalten sind insbesondere die im Instrument anfallenden Transaktionskosten; diese sind nicht im Voraus bekannt. Entscheidend ist, dass stets Instrumente für das gleiche Anlagesegment und denselben Markt miteinander verglichen werden. Für den Schweizer Aktienmarkt beträgt die TER eines ETF etwa 0,35% pro Jahr; sie ist damit halb so teuer wie jene eines passiven Indexfonds. Für andere Märkte gelten andere TER, am grundsätzlichen Kostenvorteil von ETF gegenüber Fonds ändert sich aber nichts.

Handelskosten variieren stark

Der Einsatz von ETF bedeutet nun aber noch nicht, dass der Anleger auch eine kostengünstige Gesamtlösung erhält. Falls der Anleger seine Entscheide selber trifft und damit die Bank für die Transaktionen entschädigt, bezahlt er neben Depot- und Kontoführungsgebühren bei jeder Transaktion eine Courtage, die sich je nach Domizil des ETF am Tarif für in- oder ausländische Aktien orientiert und mehr als 1% des Transaktionswerts betragen kann. Unter Berücksichtigung von Minimum-Courtagen kann sich der Kostenvorteil des ETF gegenüber Fonds rasch in einen Kosten-Nachteil verwandeln.

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Wenn der Anleger die Vermögensverwaltung seiner Bank überträgt, hat er keinen Einfluss mehr auf die Zahl und die betragliche Höhe der Transaktionen. Es kann sich deshalb als ratsam erweisen, eine jährliche Pauschalgebühr zu vereinbaren, bei der die Bank nicht mehr transaktionsabhängig entschädigt wird. Normalerweise bieten die Banken die Pauschalgebühr individuell an für Anleger mit grossen Mandaten. Neuerdings sind jedoch am Markt standardisierte Angebote bereits für Beträge ab 25000 Fr. erhältlich mit Vermögensverwaltungsgebühren ab 0,75% pro Jahr.

Beachtenswert ist, dass ETF im Fall des Vermögensverwaltungs-mandats mit Pauschalgebühr aktiven und passiven Fonds üblicherweise auch auf der Ebene der Handelskosten überlegen sind. Bei ETF fliesst der Spread zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis an der Börse als Entschädigung für den Market Maker in die Kalkulation ein, während bei aktiven oder passiven Fonds normalerweise eine Ausgabe-/Rücknahme-Kommission (Market Impact) geschuldet ist. Dieser Market Impact beträgt in den meisten Fällen 0,2% und ist beim Kauf und Verkauf zu bezahlen.

Wiederum auf den Schweizer Aktienmarkt bezogen, kann der Spread eines ETF 0,1% betragen. Wie auf der Instrumentenebene sind die Kosten damit nur halb so gross wie der Market Impact eines passiven Fonds. Auch beim Handel sind weitere kostenrelevante Details zu beachten; insbesondere wird die Höhe der eidgenössischen Umsatzabgabe durch das Domizil des Instruments bestimmt.

Transparenz gefragt

Der Anleger sucht erstens Transparenz der Kosten nicht nur auf der Ebene des Instruments, sondern auch auf jener des Handels und der Vermögensverwaltung. Nur wenn er den Preis des Gesamtpakets kennt, kann er die Angebote der verschiedenen Anbieter vergleichen.

Zum Zweiten ist der Anleger bestrebt, seine Kosten zu minimieren, indem er die Bank nur für jene Dienstleistungen entschädigt, die er tatsächlich nachfragt. Insbesondere gut informierte und zeitrestriktive Anleger werden sich dabei fragen, in welchem Ausmass sie die Leistungen der Finanzdienstleister überhaupt beanspruchen wollen.

Drittens will der Anleger Wahlfreiheit. Während der eine Anleger die klare Kalkulierbarkeit einer Pauschalgebühr schätzt, wird der andere auf gleichgerichtete Anreize zwischen Anleger und Vermögensverwalter pochen. Letztere können beispielsweise erreicht werden mit einer erfolgsorientierten Mehrwertgebühr von beispielsweise 15% auf dem erzielten Vermögenszuwachs. Nach dem Prinzip «Teilen oder leer ausgehen» verdient die Bank nur in jenen Perioden, in denen sie für den Anleger auch tatsächlich einen Mehrwert erwirtschaftet. Dieses Modell wird sich im Markt mit grosser Wahrscheinlichkeit vermehrt durchsetzen.