Die Qualität eines Weiterbildungsangebots wird durch mehrere Faktoren bestimmt, die neben der eigentlichen Durchführung auch das «Vorher» und «Nachher» mitberücksichtigen. Mit «Vorher» ist zunächst die Erarbeitung des Weiterbildungskonzepts und eine damit verbundene umfassende Adressaten- und Bedarfsanalyse angesprochen.

Schliesslich ist eine Weiterbildung nur in dem Mass erfolgreich, wie sie auch auf die Arbeitsanforderungen und Interessen der Zielgruppe zugeschnitten ist. Hilfe bieten dabei etwa Befragungen von potenziellen Interessenten und Praxisexperten sowie Anforderungs- und Kompetenzprofile.

Wie dies konkret aussieht, kann anhand eines realen Angebots veranschaulicht werden: Dem Weiterbildungslehrgang MAS Ausbildungsmanagement am Institut für Angewandte Psychologie (IAP) ist ein ausführliches Kompetenz- profil von Ausbildungsmanagern zugrunde gelegt. Hierzu wurden in einem ersten Schritt Ausbildungsmanager aus der betrieblichen Praxis zu ihren typischen Tätigkeiten befragt. Ausgangspunkt für die Auswahl der Inhalte war somit kein abstraktes Festlegen von Beurteilungskriterien, sondern die Frage, womit sich Ausbildungsmanager tatsächlich beschäftigen und mit welchen Anforderungen diese Tätigkeiten verbunden sind.

Anhand dieser Tätigkeits- sowie Anforderungsbeschreibungen wurde in einem nächsten Schritt ein Kompetenzprofil erstellt, das die Grundlage für die Auswahl der Weiterbildungsinhalte bildete. Ein aufwendiges Vorgehen, das sich jedoch lohnt: So stellt es etwa sicher, dass die definierten Lehrinhalte der Weiterbildungsseminare auf den Arbeitsalltag der Ausbildungsmanager zugeschnitten sind und alle Kompetenzbereiche - von der Fach- über die Methoden- bis hin zur Sozial- und Selbstkompetenz - angesprochen werden. Dies fördert das ganzheitliche Lernen.

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Inhalte selbstständig erarbeiten

Die Prinzipien Ganzheitlichkeit und Teilnehmerfokussierung sind auch bei der Ausgestaltung der Lernumgebung von Bedeutung. Lernen mit Erwachsenen erfordert zudem, mit den Lerninhalten bewusst an konkrete Berufs- und/oder Lebenserfahrungen der Teilnehmenden anzuknüpfen sowie ihnen Freiräume zu lassen, um eigene Fragestellungen einzubringen. Den Teilnehmenden soll nicht einfach nur systematisch Stoff vermittelt, sondern immer auch die Möglichkeit zu einem selbstständigen Erarbeiten der Inhalte geboten werden. So steuern sie ihren Lernprozess und bestimmen, was und wie sie lernen wollen.

Gerade bei Erwachsenenweiterbildungen müssen die Inhalte deshalb anschlussfähig, anschaulich und bedeutungsvoll sein. So werden die Teilnehmenden zu Beteiligten und können das Gelernte tatsächlich in die Praxis umsetzen. Wie gut dies schliesslich gelingt, liegt allerdings zu einem grossen Teil in der Hand des jeweiligen Dozierenden. Ein Weiterbildungsanbieter, der fachkompetente und erfahrene Lehrkräfte gewinnen kann, die die Inhalte verständlich und methodisch geschickt vermitteln, hat bereits viel zur Qualität seines Angebots beigetragen. Neben ausreichender Fach- und Methodenkompetenz sowie inhaltsrelevanter Berufserfahrung müssen Dozierende auch über ausreichende Sozialkompetenzen verfügen. Die Teilnehmenden sollen unterstützt, gefordert und gefördert werden. Lernen ist schliesslich immer auch ein sozialer Prozess; auf ein angenehmes, wertschätzendes und mitunter auch hu-morvolles Lernklima sollte daher grossen Wert gelegt werden.

Die Bemühungen, ein Weiterbildungsangebot adressatengerecht zu konzipieren, nach den Prinzipien des Erwachsenenlernens zu gestalten sowie fachlich versierte und sozialkompetente Dozierende mit einzubeziehen, sind für sich genommen aber noch nicht ausreichend, um einen hohen Qualitätsstandard zu erreichen. Vielmehr muss überprüft werden, ob die Realisierung die-ser Qualitätsmerkmale tatsächlich auch gelungen ist. Am IAP wird versucht, diesem Anspruch nachzukommen, indem die Weiterbildungen nach einem standardisierten Vorgehen und gemeinsam mit den Teilnehmenden evaluiert werden - zu mehreren Zeitpunkten während sowie nach Abschluss der Weiterbildung. In diesem Sinne wird auch dem «Nachher» einer Weiterbildung gebührend Platz eingeräumt. Der Fokus liegt dabei auf der Überprüfung des Lern- und insbesondere Transfererfolgs, denn eine Weiterbildung trägt langfristig nur Früchte, wenn das Gelernte auch in die Praxis umgesetzt werden kann.

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Kontrolle zur Qualitätssicherung

Es ist wichtig, dass die Teilnehmenden bereits im Laufe der Weiterbildung auf mögliche sogenannte Transferhindernisse am Arbeitsplatz ? wie Zeitknappheit oder Routinefallen ? vorbereitet werden. Dies gelingt etwa durch das Festlegen von konkreten Transferzielen, die der Umsetzung des Gelernten im späteren Berufsalltag den nötigen Schwung verleihen. Auch hier gilt: Bemühungen sowie Absichten sind gut; eine sorgfältige Kontrolle im Sinne der Qualitätssicherung ist aber eindeutig besser. Gelingt es, die genannten Qualitätsmerkmale bei der Gestaltung einer Weiterbildung zu berücksichtigen und zu überprüfen, bestehen reelle Chancen, dass eine Weiterbildung am Ende zu den «guten» oder sogar zu den «besseren» gezählt werden darf.