Hochschulabsolventen sind im Berufsleben zurzeit so stark gefragt wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Gemäss einer Statistik der Universität Zürich finden 95% aller Studienabgänger von 2007 spätestens im Laufe dieses Jahres eine feste Anstellung. Die höchsten Erwerbsquoten verzeichnen, trotz anhaltender Sparmassnahmen im Gesundheitswesen, die Mediziner, gefolgt von den Juristen.

Im Arbeitsmarkt begehrt ist auch die grosse Mehrheit derjenigen Uni-Absolventen, die sich für eine Karriere im kaufmännischen oder industriellen Bereich interessieren. Bei Siemens, mit über 7000 Mitarbeitenden einer der grössten industriellen Arbeitgeber in der Schweiz, werden pro Jahr rund 100 Hochschulabsolventen eingestellt. Tendenz steigend.

Begehrt bei jungen Akademikern sind auch Beratungsunternehmen, die nach einem kleinen Rückgang in den Jahren 2001 bis 2003 für Neubesetzungen wieder stark auf Hochschulabgänger zurückgreifen. Der Karrierestart in einer Beraterfirma wird von vielen Uni-Abgängern als ideales Sprungbrett für eine erfolgreiche Laufbahn betrachtet.

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Attraktive Banken trotz allem

Das gilt trotz Subprime-Krise beispielsweise auch für die Credit Suisse, die bei Hochschulabgängern ebenfalls oben auf der Job-Wunschliste steht; nach eigenen Aussagen hat die Aktualität auf die Neueinstellungen von Hochschul-absolventen jedenfalls keinerlei Einfluss.

Im Schweizer Absolventenbarometer, der Ende 2007 vom Berliner Forschungsinstitut Trendence erhoben wurde, hatten Wirtschaftsstudenten die UBS noch zum attraktivsten Arbeitgeber der Schweiz gewählt ? eine neue Erhebung gibt es noch nicht. Im laufenden Jahr werde die UBS 200 Hochschulabgänger rekrutieren, sagt Corina Kathriner vom UBS Graduate Recruitement. Dazu kommen 250 Praktikumsplätze.

Mit 300 Stellen für Uni-Absolventen und 180 Praktikumsplätzen ist die Credit Suisse in diesem Jahr die grösste Anbieterin von neuen Arbeitsplätzen für junge Akademiker. «Wir verfolgen eine kontinuierliche und aktive Nachwuchsförderung», erklärt Lukas Vonesch, Head Campus Recruiting Schweiz.

Bei der CS durchlaufen die Hochschulabgänger in der Regel ein Einstiegsprogramm (Career Start Program), das 12 bis 18 Monate dauert. Graduate Training Program heisst diese Einführung bei der UBS und erstreckt sich über 18 bis 24 Monate (siehe Seite 70). «Der Absolvent entscheidet sich bereits bei der Bewerbung für einen Bereich und wird während des Programms gezielt hinsichtlich seiner Zielposition ausgebildet», erklärt Corina Kathriner. Bei der CS gehören nach Beendigung des Einführungsprogramms Rotationsmöglichkeiten, allenfalls mit Auslandsaufenthalten in New York, London oder Singapur, zum Angebot an die Hochschulabgänger.

Praxis und gute Noten

Das Klischee vom «unselbstständigen Studenten», der keinen Praxisbezug hat und sich nur mit grosser Mühe in den Arbeitsalltag eingliedern kann, ist in Unternehmen mit hoher Einstellungsquote von Hochschulabsolventen kaum präsent. Bei Siemens etwa übernehmen die Uni-Abgänger in der Regel früh Verantwortung und werden «on the job» weitergebildet.

Auch bei der CS dominieren die guten Erfahrungen. «Studierende wissen um die Bedeutung von Praxiserfahrung und holen sie sich schon während der Ausbildung in Praktika und ausseruniversitären Engagements», macht Lukas Vonesch die Erfahrung. Bei der UBS gilt: «Haben Bewerber während ihres Studiums Praktika absolviert oder Arbeitserfahrung im Ausland gesammelt, steigert dies ihre Chancen auf eine Einstellung», so Corina Kathriner. Auch die Abschlussnote im Staatsexamen spiele eine massgebliche Rolle.

Obschon ihre Anforderungen hoch sind, kann sich bei den Banken fast jeder Hochschulabgänger bewerben. Grundsätzlich stehe ein Karrierestart bei der UBS Abgängern aller Studienrichtungen offen, sagt Kathriner. Dies kann auch als Chance für alle Uni-Absolventen mit Abschluss in einer Geistes- und Sozialwissenschaft verstanden werden. Für sie sei die Stellensuche nämlich nach wie vor am schwierigsten, heisst es bei der Universität Zürich.

 

 

NACHGEFRAGT Markus Büchi, Leiter Personal, Siemens Schweiz, Zürich


«Quote der Hochschulabgänger steigt»

Wie hoch ist der Anteil der Hochschulabgänger bei Neueinstellungen von Siemens Schweiz?

Markus Büchi: Hochschulabsolventen, die direkt von der Schule kommen, machen rund ein Viertel der Neueinstellungen aus. Mitarbeitende mit Berufserfahrung, die früher einen Hochschulabschluss gemacht haben, sind für 40% der Neueinstellungen verantwortlich.

Ist diese Quote in den letzten Jahren gewachsen?

Büchi: Ja, wir stellen fest, dass die Bereitschaft der Geschäftsbereiche, Hochschulabgänger einzustellen, in den letzten zwei Jahren deutlich zugenommen hat. Nach dem Platzen der Telekom-Blase war es bedeutend einfacher, erfahrene und gut ausgebildete Ingenieure zu rekrutieren. Spezielle Kenntnisse und langjährige Erfahrungen waren zu dieser Zeit oft unabdingbar für eine Anstellung. Heute muss der Mix stimmen. Deshalb nimmt die Quote der Hochschulabgänger tendenziell zu.

Welche Investitionen tätigt Siemens, um Hochschulabsolventen ins Arbeitsleben einzuführen?

Büchi: Wir bieten eine spezifische, interne Fachausbildung, Einführungsprogramme sowie allgemeine Weiterbildungen an. Dazu kommt eine Einführung, Unterstützung sowie Betreuung durch interne Paten. Wir achten darauf, neue Angestellte früh in Projekte zu integrieren.

Wie wichtig sind für Siemens bei Rekrutierungsgesprächen mit Uni-Abgängern die Soft Factors?

Büchi: Soft Factors sind bei einer Bewerbung, neben den fachlichen Kompetenzen, ein wichtiges Plus und bei der Selektion entscheidend.

Je länger, je mehr?

Büchi: Der Stellenwert der Soft Factors ist tendenziell gestiegen. Gerade auf Führungsebene ist eine hohe soziale Kompetenz ein absolutes Must.