Das nennt man Ironie der Geschichte. Marcel Ospel, der ehemalige Verwaltungsratspräsident der UBS, hätte am diesjährigen Jubiläum des Swiss Economic Forum (SEF) in Thun als Keynote-Speaker auftreten sollen. 1999 hatte Ospel am ersten SEF vor 500 Personen gesprochen, als CEO der damals frisch fusionierten UBS und als Geburtshelfer des SEF. Aus der diesjährigen Geburtstagsansprache Ospels ist nach dessen Rücktritt aus dem UBS-Präsidium nun aber nichts geworden.

«Learning from the best»

Das stört die 1200 Schweizer Führungskräfte aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik nicht, die sich am 22. und 23. Mai zum zehnten Mal in Thun treffen. Denn im Laufe der Jahre hat sich das SEF als Jahrestreffen etabliert. «Das Swiss Economic Forum bildet heute in der Agenda der Schweizer Wirtschaftsführer einen festen Bestandteil», sagt Carolina Müller-Möhl, Präsidentin der gleichnamigen Investmentgesellschaft. Auf kaum einer anderen Plattform könne man innerhalb kurzer Zeit so viele qualitativ hochwertige Kontakte pflegen und konkrete Gespräche führen.

Diese Einschätzung wird von zahlreichen Firmenchefs geteilt. «Für Schweizer KMU, Schweizer Kultur und Schweizer Politik hat das SEF einen vergleichbaren Stellenwert wie das WEF für weltweit agierende Konzerne und die globale Politik», meint Emanuel Probst, General Manager von Jura Elektroapparate. Für ihn biete das SEF eine Top-Aus- und Weiterbildung nach dem Motto «Learning from the best». Darüber hinaus inspirierten der Austausch von Ideen und ganz allgemein die sehr unterhaltsame, gesellige Veranstaltung.

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KMU-Highflyer und Weltneuheit

Auch Urs Rickenbacher, CEO von Lantal Textiles, der bisher an jedem SEF teilgenommen hat, kehrt «mit vielen neuen Anregungen» nach Hause. «Die sorgfältige Auswahl der Themen und Referenten sowie die spannende Vermittlung neuer Impulse machen das SEF so einzigartig», erläutert Rickenbacher. 2003 durfte er sein Unternehmen unter der Rubrik KMU-Highflyers präsentieren. Ebenso eine der wichtigsten Lantal-Textiles-Innovationen: Den pneumatischen Flugzeugsitz, eine eigentliche Weltneuheit.

Der Versicherer Mobiliar ist ein SEF-Partner der ersten Stunde. CEO Urs Berger streicht die Nachhaltigkeit der Veranstaltung heraus. «Die Referate bieten Denkanstösse, die einem zum Teil erst viel später als willkommene Stütze bei der Lösung eines Problems wieder in den Sinn kommen.»

Das SEF hat ohne Zweifel einen wichtigen Stellenwert in der Schweizer Wirtschaft erlangt und blickt auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Hat es angesichts der vielen Anlässe jedoch auch eine Überlebenschance? Berger ist davon überzeugt: «Die einzigartige Mischung zwischen gewerblicher Hemdsärmligkeit und weltläufiger Eleganz wird auch die nächsten zehn Jahre für ein volles Haus sorgen.» Gleichwohl muss das SEF laut Berger die Nase weiterhin im Wind halten, den aktuellen Zeitgeist hinterfragen und originelle Lösungen für wichtige Probleme diskutieren. «Dazu gilt es, auch neue Kommunikationsformen auszuprobieren und das Potenzial der Anwesenden besser interaktiv zu nutzen.

Nach Ansicht von Probst muss das SEF auf seinen drei Hauptstärken aufbauen: Sehr gute Keynote-Speaker, hervorragende Break-out-Sessions und Roundtable-Gespräche sowie ein attraktives Rahmenprogramm. «Das SEF sollte sich auf die grossen Chancen konzentrieren, welche die Globalisierung für KMU bietet, und die Nutzen einer globalisierten Welt weiter aufzeigen.»

Jungunternehmen fördern

Carolina Müller-Möhl, die Jurypräsidentin des Swiss Economic Award, sieht im Bereich der Jungunternehmerförderung Entwicklungschancen: «Neben der jährlichen Verleihung des Swiss Economic Award gibt es sicher weitere Möglichkeiten, den Start-up-Firmen auch während des Jahres bei der positiven Weiterentwicklung zu helfen.» Und möchte man thematisch noch mehr in die Tiefe gehen, müsste sich das SEF wahrscheinlich in Richtung weiterer Anlässe während des Jahres entwickeln. Die beiden SEF-CEO Stefan Linder und Peter Stähli haben zwar diesbezüglich Vorstellungen, doch lassen sie sich vorderhand noch nicht in die Karten blicken.