Die Schweizer Verpackungsindustrie ist sehr heterogen bezüglich der Verpackungssegmente wie Kunststoff, Aluminium, Stahlblech, Glas, Karton, Holz oder Verpackungsmaschinen. Sehr unterschiedlich zeigt sie sich auch im Hinblick auf die Grösse der einzelnen Marktteilnehmer. So sind nur vier Unternehmen börsenkotiert: Bobst, die Bosch-Sigpack-Gruppe, die Alcan Packaging mit Werken in Rorschach und Kreuzlingen sowie der Glashersteller Vetropack.

Ansonsten wird die Branche von KMU beherrscht, die «wie die grossen Marktplayer internationale Wettbewerbsfähigkeit und viel Know-how besitzen, eine grosse Innovationskraft und einen hohen Exportanteil aufweisen», wie Wolfgang Durrer, Direktor des Verpackungsinstitutes SVI betont.

Relativ krisenresistent

Mit einer starken Verankerung in den konsumnahen Bereichen Lebensmittel und Pharma bewegt sich die Industrie in relativ krisenresistenten Märkten. «Dies ist eine gute Ausgangsposition in Krisensituationen, aus der flexibel mit adäquaten Marktmassnahmen agiert werden muss», so Claude Cornaz, Präsident des Schweizerischen Verpackungsinstituts. «Insgesamt können wir für 2008 mit einem Umsatzwachstum von 3,3% von einem guten Verpackungsgeschäft sprechen.»

«Das Bild war in allen Verpackungssegmenten 2008 etwa gleich. Die starke Nachfrage zu Jahresbeginn, die teils zu Lieferengpässen führte, kühlte sich im Gefolge der Wirtschaftskrise zu einer moderateren Nachfrage ab», ergänzt SVI-Direktor Wolfgang Durrer. «Sämtliche Teilbranchen und Materialien mit Ausnahme von Holz und den Verpackungsmaschinen verzeichnen ein Wachstum zwischen 10,8 und 0,8%.»Kunststoff beherrscht den Verpackungsbereich. 2008 war dieses Segment «dank seiner Konsumnähe» (Durrer) erfolgreich. Die Situation hat sich jedoch im 4. Quartal eingetrübt und durch eine Abschwächung des Konsumklimas wird mit einem rückläufigen Geschäftsgang im laufenden Jahr gerechnet. Der Packstoff generierte mit 3,58 Mrd Fr. über die Hälfte des Branchenumsatzes und konnte letztes Jahr den Umsatz um 6,1% verbessern.

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Stabil hat sich die Kartonverpackung entwickelt. Mit 635 Mio. liegt sie leicht über dem Niveau vom letzten Jahr. Die Produzenten rechnen mit einer negativen Entwicklung im Jahr 2009. Beim Holz war die Auftragslage bis Ende Oktober gut. Der weltweite Preiszerfall und rückläufige Exporte bewirkten aber allgemein eine Umsatzreduktion von 3,8% auf 550 Mio Fr.

Die Metallpackstoffe Aluminium und Stahlblech wuchsen moderat. Sieben Unternehmen der Stahlindustrie weisen einen Umsatz von plus 7,9% auf 205 Mio Fr. auf. Aluminium hat sich um 1,4% auf 370 Mio Fr. verbessert. Ganz vorn im Rennen liegt Glas. Mit einem Wachstum von 10,9% setzte das einzige Werk in der Schweiz - die Vetropack-Gruppe - 112 Mio Fr. um. Für 2009 geht man von einem etwas tieferen Niveau aus. Dabei rechnet man mit stabileren Märkten in Westeuropa und volatileren in Zentral- und Osteuropa.

Die Verpackungsmaschinen spürten die zurückhaltende Investitionstätigkeit besonders im Export. Der Umsatz fiel leicht um 1,3% auf 1,03 Mrd Fr. Die negative Situation dürfte sich im laufenden Jahr noch verstärken. Gemäss Wolfgang Durrer hat die Wellkartonindustrie der Schweiz mit ihren sechs Betrieben erstmals darauf verzichtet, dem Branchenverband die Zahlen bekannt zu geben. Deshalb sind diese auch nicht mehr in der Statistik enthalten.

Bedeutende Verbrauchsgüter

Die Abnehmermärkte liegen mit rund 70% im Konsumbereich, wie Nahrungsmittel, Getränke und weitere Verbrauchsgüter. Die restlichen 30 % entfallen auf den Industriesektor. Die abpackenden Pharma-, Getränke- und Nahrungsmittelproduzenten zählen zu den wichtigsten Kunden, wobei der Pharmamarkt in letzter Zeit überdurchschnittlich gewachsen ist.

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«Das Konsumverhalten prägt stark die Entwicklung unserer Industrie im laufenden Jahr», betont Claude Cornaz. «Noch ist Konsumzurückhaltung bei Food- und Pharmaprodukten kaum ein Thema. Wir befürchten aber, dass die zunehmende Kurzarbeit auf dem Markt in den nächsten Monaten auf die Nachfrage drücken wird. Deshalb sehen wir für 2009 eine rückläufige Entwicklung des Marktes.»

Auch Wolfgang Durrer äussert sich in diese Richtung: «Nach guten Jahren geht die Branche mit verhaltener Zuversicht in die sich abzeichnende Baisse. Doch Verpackungen werden immer gebraucht - gerade auch in schwierigen Zeiten.»