Die Pensionierung ist eine wichtige Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt. Egal, ob Retail- oder Private-Banking-Kunde: Bereits einige Jahre vor der Pensionierung stehen wichtige Entscheide an. Zwei Fragen sind dabei wesentlich: Wie nehme ich das angesparte Kapital aus der 2. und 3. Säule und halte dabei die Steuerbelastung möglichst tief? Und wie kann ich mit dem Kapital eine attraktive Rendite erwirtschaften, mit der ich meinen Lebensabend finanzieren kann?

Diese Fragen stellen sich vermögenden Bankkunden noch eindringlicher als dem «Normalsparer», denn die Steuerersparnisse können bei einem Vermögen von mehreren Millionen Franken schnell in die Zehntausende von Franken gehen. Retail-Kunden entscheiden sich oftmals gegen einen Kapitalbezug und für eine fix kalkulierte Rente. Bei vielen Private-Banking-Kunden geht es hingegen darum, das angesparte Vermögen zu erhalten und den Nachkommen steueroptimiert zu vererben oder zu schenken.

Gemeinsam ist vielen angehenden Pensionierten, dass sie sich eine flexible Pensionierung beziehungsweise einen stufenweisen Rücktritt aus dem Erwerbsleben wünschen. Ein Beispiel soll dies illustrieren: Oliver Huber ist 58 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er arbeitet als Wirtschaftsprüfer bei einer Beratungsfirma in Zürich. Huber möchte sich in rund zwei Jahren pensionieren lassen oder beruflich etwas kürzertreten, denn bereits hat er ein Verwaltungsratsmandat einer kleineren Speditionsfirma in Aussicht. Seine Familie ist ihm wichtig, daher möchte Oliver Huber seine Ehefrau Sophie im Falle seines früheren Todes absichern und die Weitergabe gewisser Vermögenswerte an seine beiden Kinder prüfen. Was gilt es zu beachten?

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Die Vermögenssituation präsentiert sich im Beispiel Oliver Huber wie folgt:

Konto/Wertschriften: 1,5 Millionen Franken;

Guthaben in der Pensionskasse: 1,8 Millionen Franken;

Vorsorgeguthaben (Lebensversicherung/Säule 3a): 350 000 Franken;

Einfamilienhaus: 2,0 Millionen Franken;

Total: 5,65 Millionen Franken;

Hypotheken: 1,4 Millionen Franken;

Nettovermögen: 4,25 Millionen Franken.

Vorsorgekapital herauslösen

Die Kernfragen lauten wie folgt: Wie kann Oliver Huber das Kapital steueroptimiert aus den Säulen 2 und 3a herauslösen? Und wie soll der neue Lebensabschnitt der Familie Huber konkret finanziert werden - zumal das bisherige Salär als Wirtschaftsprüfer künftig wegfällt?

Guthaben aus Pensionskassen oder der Säule 3a werden in der Schweiz zwar zu einem Vorzugssatz besteuert. Dieser Satz ist in den meisten Kantonen je nach Höhe der Auszahlung aber stark progressiv. Das heisst: Wer viel Geld aus der Vorsorge bezieht, wird überproportional stark besteuert. Daher empfiehlt es sich - gerade im Fall von Oliver Huber -, wenn möglich das Kapital über mehrere Steuerperioden hinweg gestaffelt zu beziehen. Bereits heute, im Alter von 58 Jahren, sollte Huber erste Bezüge in Betracht ziehen. Anbieten würde sich konkret ein Vorbezug aus der Pensionskasse, um die Hypothek zu amortisieren. Bereits vor der Pensionierung lassen sich zu diesem Zweck Mittel aus der 2. und der 3. Säule beziehen (Stichwort: Wohneigentumsförderungs-, kurz WEF-Bezug).

Eine weitere Möglichkeit für einen gestaffelten Bezug bietet die schrittweise Reduktion des Arbeitspensums ab Alter 60. Huber hätte dann die Möglichkeit, das dem Reduktionsgrad entsprechende Kapital aus der Pensionskasse zu beziehen. Das folgende Beispiel zeigt die Steuerersparnis eines gestaffelten Bezugs des Pensionskassenguthabens auf:

Bezieht Oliver Huber auf einmal sein gesamtes Pensionskassenvermögen von 1,8 Millionen Franken, fällt eine Besteuerung von rund 313 700 Franken an.

Teilt er den Pensionskassenbezug dagegen in zwei Tranchen zu je 900 000 Franken auf, verringert sich die Steuerbelastung auf nur rund 231 100 Franken.

Bei der Staffelung ergibt sich somit eine Steuerersparnis von 82 600 Franken.

Falls Sophie Huber ebenfalls über eigene Vorsorgekapitalien verfügt, ist bei der Herauslösung des Kapitals Vorsicht angebracht. Weil nämlich die Bezüge von Ehepartnern in den meisten Kantonen für die Besteuerung zusammengezählt werden, empfiehlt sich auch dort ein gestaffelter Bezug, der zeitlich mit jenem des Ehemanns abgestimmt ist.

Weil Oliver Huber sich nach 60 zumindest teilweise aus dem Erwerbsleben zurückziehen will, wird sein Einkommen merklich zurückgehen. Für den Lebensunterhalt des Ehepaars Huber fallen aber weiterhin Kosten an. In der Folge wird eine Liquiditätsplanung unumgänglich, und folgende Fragen müssen beantwortet werden: Wie hoch ist der jährliche Kapitalbedarf? Sind Investitionen oder Schenkungen geplant?

Ziel von Oliver Huber wird es sein, zusammen mit der eigenen Bank ein individuelles Konzept masszuschneidern, das optimal auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist. Mit den bestehenden Vermögenswerten soll ein regelmässiges Einkommen generiert werden, das die Renten von AHV und allenfalls der Pensionskasse sinnvoll ergänzt.

Oliver Huber setzt sich mit seiner Frühpensionierung auseinander und macht sich auch Gedanken über die Zukunft seiner Familie. Die Finanzplanung ist für ihn ebenfalls Gelegenheit, die aktuelle Situation in Bezug auf Ehe- und Erbrecht zu analysieren. Wie können sich die Eheleute Huber im Todesfall gegenseitig absichern? Welche Vermögenswerte möchten die beiden ihren Kindern schenken? Wie sieht ein Rückfall-Szenario aus für den Fall, dass die Kinder vor ihnen sterben sollten? Oder wie kann verhindert werden, dass das Geld nicht an den ungeliebten Schwiegersohn geht? Diese und andere Fragen gehören heute ebenfalls in eine individuelle Pensionsplanung.

Auch Ehe- und Erbrecht berücksichtigen

Das Beispiel von Oliver Huber zeigt, was es alles braucht, um die Pension in die eigenen Hände zu nehmen. Es zahlt sich dabei aus, in Pensionierungsfragen einen Fachmann beizuziehen und die Zeit nach der Pensionierung auch in finanzieller Hinsicht rechtzeitig zu planen. Schon einige Jahre vor dem Eintritt ins Pensionsalter gilt es, die Weichen zu stellen und die einschlägigen Fristen zu beachten. Mit einem sauberen, massgeschneiderten Konzept lässt sich nicht nur bares Geld sparen, es ist auch eine wichtige Voraussetzung dafür, den letzten und vielleicht schönsten Lebensabschnitt in Sicherheit und Unabhängigkeit zu verbringen.