Knapp ein halbes Jahrzehnt nach der Lehman-Pleite will Credit-Suisse-Chef Brady Dougan endlich wieder raus dem Krisen-Modus. Wachstum solle wieder stärker in den Fokus rücken. Es gebe eine Reihe von Bereichen und Regionen, die sich gut entwickelten und Zuwächse versprächen, sagte der Manager in einem Telefoninterview mit der «Financial Times» vom Dienstag. Dabei seien vor allem das südliche Asien und Lateinamerika interessant.

Aber auch Geschäfte, die im Zuge der Finanzkrise für tot erklärt worden waren, wie die Bündelung und Weitergabe von Risiken aus US-Häuserkrediten an den Kapitalmarkt, könnten wieder aufleben, sagte Dougan. Anders als Mitte des vergangenen Jahrzehnts sollte aber nicht mehr nur das reine Wachstum, sondern auch Kosten- und Renditedisziplin, im Mittelpunkt stehen.

Absicherung laut Dougan heute angeblich besser als vor der Finanzkrise

Als Beispiel nannte er das umstrittene Geschäft mit Wertpapieren, die Risiken aus Kreditpaketen an den Kapitalmarkt transferieren. Dieser Markt war vor der Krise ausser Kontrolle geraten und hatte die Risiken vervielfacht. Er gilt daher als einer der Gründe für die Finanzkrise, die mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 an Fahrt aufgenommen hatte.

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Die Credit Suisse gehört zu den Instituten, die in diesem Jahr versucht haben, das Geschäft von mit US-Hauskrediten besicherten Anleihen zu beleben. Dabei sind einige Transaktionen mangels Interesse gescheitert, andere sind allerdings über die Bühne gegangen. 

Dougan sagte, dass es jetzt ein vollkommen anderer Markt als vor der Finanzkrise sei. Die Absicherung sei jetzt besser. Dougan verteidigte die umstrittene Wiederaufnahme dieser Anleihen. «Es ist ein grosser Markt, der für Wirtschaft und Kunden wichtig ist», sagte er. Für seine Bank sei er daher ein interessantes Geschäftsfeld.

Renditeziel nach Steuern: 15 Prozent

Der Credit-Suisse-Chef will aber die Risiken für sein Haus so begrenzen, dass auch in schlechten Zeiten keine Verluste mehr anfallen. Aus diesem Grund hat er dem Deutsche-Bank-Konkurrenten auch ein durchschnittliches Renditeziel von 15 Prozent nach Steuern verpasst, das deutlich unter dem aus der Zeit vor der Finanzkrise liegt.

«Unsere Hoffnung ist, dass wir in guten Zeiten bis zu 20 Prozent erwirtschaften können und in schlechteren immer noch über der Marke von zehn Prozent liegen», sagte er. Auf die Frage, ob das bedeute, dass die Credit Suisse auch in schwierigem Umfeld nicht erneut in die roten Zahlen rutscht, sagte er: «Das ist die Hoffnung».