Nasse Wanderferien sind eine triste Sache. Wetterpech muss man jedoch nicht einfach hinnehmen. Als erstes Hotel der Schweiz bietet das Ferienart Resort & Spa in Saas-Fee seinen Gästen eine Wettergarantie an. Sollte es während eines mindestens dreitägigen Aufenthalts mehr als zwei Tage schütten, werden die Übernachtungen für jeden zusätzlichen Regentag geschenkt.

Möglich macht dieses neuartige Konzept die Zusammenarbeit des Hotels mit Celsius Pro, die Firmen und Personen gegen Wetterrisiken absichert. «Diese Wetterversicherung für Feriengäste ist nur eine Möglichkeit, wie unsere Kunden das Potenzial von Wetterderivaten als Marketingmassnahme nutzen und sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil schaffen können», sagt Mark Rüegg, Gründer und CEO des Start-up mit Domizil im Technopark Zürich. Wenn die vertraglich definierten Wetterbedingungen eintreten, zahlt Celsius Pro dem Ferienart Resort & Spa den Wert des Zertifikates aus.

Swiss Re als Partner gewonnen

Bei grossen Energiekonzernen ist es bereits üblich, sich gegen derartige meteorologische Extrem-ereignisse direkt bei Rückversicherungen abzusichern. Dank der vor etwas mehr als einem Jahr ins Leben gerufenen Celsius Pro können sich nun auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) oder Privatpersonen unkompliziert gegen Wetterpech absichern - ab einer minimalen Prämie von 5000 Fr. In der heutigen Zeit des Klimawandels ist das eine Investition, die sich gemäss Rüegg auszahlt.

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«Ich bin überzeugt, dass die meisten Leute die Auswirkungen des Klimawandels mit einer Zunahme von extremen Wetterereignissen unterschätzen», erklärt der 35-Jährige. Als ehemaliger Hedge-Fonds-Berater, der zuletzt für die UBS in London tätig war, kennt er sich mit Risiken aus. Vor zwei Jahren erstellte Rüegg einen Businessplan, fand gute Investoren und gründete im Alleingang sein KMU. Als Partner konnte er Swiss Re gewinnen.

Anwendungen für die Wetterderivate gibt es überall dort, wo ungünstige Wetterbedingungen finanzielle Verluste bescheren. Ob Skilifte, Open Airs oder Wasserkraftwerke - alle sind darauf angewiesen, dass das Wetter so spielt, wie es dem Geschäft dienlich ist: Es muss genug Schnee haben, genug warm, möglichst trocken sein oder möglichst viel regnen.

Manchmal kommt Mark Rüegg erst im Gespräch mit Kunden darauf, wo noch Potenziale liegen. Etwa, dass wenig Niederschlag im Sommer die Stromproduktion von Stauseen verringern und die Einnahmen deutlich reduzieren kann. Oder dass Kartoffelbauern für eine gute Ernte für eine bestimmte Pe-riode regelmässigen, jedoch mässigen Niederschlag benötigen.

Ungewöhnlich grosse Schneemengen sprengen schon mal das Budget der Winterdienstkosten einer Behörde. Für eine grosse Stadt des Landes hat Celsius Pro diese Kosten kürzlich berechnet: Mathematiker des Start-up haben die Situation analysiert und mittels einer Regression die Kostenvariabilität definiert und das Risikoprofil mit oder ohne Wetterabsicherung erstellt. Dazu haben sie die historischen Wetterdaten der vergange-nen 25 Jahre hinzugezogen.

Ob die Stadt das Wetterzertifikat für den nächsten Winter abschliesst, ist noch offen. Wenn sie sich dafür entscheidet, wird festgelegt, ab wie viel Schneetagen sie einen definierten Betrag ausbezahlt bekommt. Spätestens 20 Tage bevor die vereinbarte Wetterperiode beginnt, muss der Vertrag abgeschlossen sein. Für die Berechnung der Daten arbeitet das Jungunternehmen mit über 100 Wetterstationen in Europa zusammen.

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Viel Überzeugungsarbeit nötig

Zurzeit befindet sich Celsius Pro in der harten Aufbauphase. Für Kundengespräche ist Rüegg immer wieder in ganz Europa unterwegs: «Es ist schön, mit meinem Finanzwissen Firmen zu beraten, die physische Produkte herstellen.» Weil es oft um grössere Beträge geht, gestalte sich die Neuakquisition von Kunden nicht immer einfach, räumt er ein. Ausserdem sind Wetterzertifikate noch nichts Alltägliches. Doch insbesondere aus der Tourismusindustrie ist bisher positives Feedback gekommen. Auch Veranstalter von sommerlichen Freiluftevents haben Interesse angemeldet. Für sie bedeutet das Wetter vielfach ein hohes finanzielles Risiko, da heftiger Regen massive Gewinneinbussen verursachen kann. Das Open-Air-Festival im Walliser Gampel ist bereits ein Kunde geworden. In Zukunft will Celsius Pro sich noch stärker auf KMU konzentrieren.

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Die europäischen Wetterstatio-nen, mit denen die Risikoprofile berechnet werden, sind auf der Homepage der Firma einsehbar. Dort ist es auch möglich, probeweise ein eigenes Produkt zusammenzustellen, die Optionen zu strukturieren, mit Parametern zu spielen und berechnen zu lassen, wie man sein Risiko effizient absichern kann. Zur Wahl stehen unter anderem Hitze-, Kälte- oder Regentage. Es ist auch möglich, online direkt ein Zertifikat zu kaufen. Bisher hat das jedoch noch niemand getan - für diese nicht alltägliche Geschäftsidee lassen sich die Kunden von Mark Rüegg noch immer am liebsten in einem persönlichen Gespräch beraten.