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Gutes Zeugnis für die liberalisierte Post

Briefkasten im Bahnhof Zürich: Die Post bekommt für 2013 mehrheitlich gute Noten.  Keystone

Trotz Postfilialen-Sterben und liberalisiertem Briefmarkt: Für die Aufsichtsbehörde PostCom war die Schweizer Bevölkerung 2013 gut mit Postdienstleistungen versorgt. Es gibt aber auch Handlungsbedarf.

Veröffentlicht am 16.06.2014

Der liberalisierte Markt für Briefe und Pakete steht im Fokus der Aufsichtsbehörde PostCom: Im Rahmen ihrer Aufsichtstätigkeit will sie faire Bedingungen für alle Anbieter sicherstellen. Die Schweizer Bevölkerung war aus Sicht der PostCom auch im 2013 gut mit Postdienstleistungen versorgt. Obwohl das Poststellen-Sterben sich auch im letzten Jahr fortgesetzt hat, erreichten laut dem Jahresbericht der Eidg. Postkommission PostCom immer noch die meisten Kunden innert angemessener Zeit eine Post.

Ende 2013 gab es in der Schweiz 1662 Postfilialen - ein Jahr zuvor waren es noch 1757 gewesen. Die Filialen wurden aber nicht ersatzlos aufgehoben, sondern mit Postagenturen ersetzt; beispielsweise in Dorfläden. Somit blieb die Summe der "Zugangspunkte" - Postellen, Postagenturen oder Hausservice-Lösungen - mit 3500 praktisch unverändert.

Die PostCom will sich dafür einsetzen, dass die Öffnungszeiten der Postfilialen noch besser den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen. "Viele Kunden möchten beispielsweise in ihrer Mittagspause oder nach Arbeitsschluss auf die Post", sagte PostCom-Präsident Hans Hollenstein am Montag der Nachrichtenagentur sda.

Pünktlichkeit übertrifft Zielvorgabe

Die PostCom stellt der Post auch bei der Pünktlichkeit ein gutes Zeugnis aus. Demnach hat die Post im vergangenen Jahr 97,6 Prozent der A-Post-Briefe und 98,8 Prozent der B-Post-Briefe pünktlich zugestellt. Damit übertrifft die Post gemäss der Behörde die Zielvorgabe des Bundes von 97 Prozent deutlich.

Trotzdem sei die Zahl der Kunden-Reklamationen im vergangenen Jahr um 8 Prozent auf 207'802 gestiegen. Am häufigsten hätten Kunden wegen verloren gegangenen Paketen reklamiert. Die Post führe den Anstieg der Reklamationen auf die neue Möglichkeit zurück, Beschwerden online vorzubringen, heisst es im Jahresbericht.

Wer mit den Leistungen der Post nicht zufrieden ist, kann sich seit Oktober 2013 an die neu geschaffene Schlichtungsstelle wenden. Die Schlichtungsstelle, die in zivilrechtlichen Angelegenheiten zwischen Postdienstleistern und Kunden vermittelt, habe sich bisher bewährt, schreibt die PostCom. Die Schlichtungsstelle eröffnete im 2013 neun Verfahren - Streitpunkt waren meistens der Verlust einer Sendung oder die verspätete Zustellung.

Liberalisierter Postmarkt im Fokus

Zurzeit beschäftigt sich die PostCom stark mit dem liberalisierten Postmarkt, wie Hollenstein der sda sagte. Sie klärt ab, ob private Anbieter ausreichend Zugang zu den Postfachanlagen der Post und Briefkästen haben.

Zudem untersucht die Behörde, wie die Post Aufträge der privaten Konkurrenten behandelt. Die private Postdienstleister sammeln Briefe ihrer Kunden und übergeben sie gesammelt der Post. Laut den Unternehmen gewährt die Post ihnen dafür aber keinen Geschäftskundenrabatt, was aus ihrer Sicht nötig wäre.

Obwohl der Markt für Briefe über 50 Gramm liberalisiert ist, beträgt der Anteil der Post im freien Markt für inländische Briefe fast 99 Prozent. Mehr Konkurrenz herrscht im Paketmarkt: Dort haben private Anbieter bei Paketen bis 30 kg national und international einen Marktanteil von total 28 Prozent.

Meldepflicht für private Anbieter

Fortschritte sieht die PostCom in Bezug auf die Meldepflicht der privaten Anbieter von Postdienstleistungen. Anfang Mai 2014 waren 124 Postdienstanbieter bei der PostCom registriert - Ende 2012 waren es erst 72 gewesen. Aus Sicht der Behörde sind aber immer noch nicht alle laut Gesetzesverordnung dazu verpflichteten Unternehmen bei ihr registriert.

Sie will deshalb ihre Anstrengungen fortsetzen, denn nur wenn sich die Unternehmen registriert hätten, könne die PostCom ihre Aufsichtstätigkeit wahrnehmen. Die Gewerkschaft syndicom forderte die PostCom in einer Mitteilung dazu auf, die Meldepflicht durchzusetzen. Postdienstleister müssen ab einer gewissen Grösse beispielsweise mit Gewerkschaften Verhandlungen über Gesamtarbeitsverträge führen.

(sda/gku/me)

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