Die Schweinegrippe dürfe auf keinen Fall unterschätzt werden, warnt Severin Schwan. Dennoch räumt der Roche-CEO im «Handelszeitung»-Interview ein: «Ich habe mich noch nicht geimpft.» Statt auf Impfprodukte der Konkurrenz scheint er eher auf Medikamente des eigenen Konzerns zu vertrauen: «Ich habe auf Reisen immer eine Packung Tamiflu dabei.» Schon jetzt macht Roche rund 5% des Umsatzes mit Tamiflu. Dieser Anteil dürfte weiter zunehmen. «Die Nachfrage ist gross», bestätigt Schwan. «Wir werden dieses Jahr mit Tamiflu über 2,7 Mrd Fr. umsetzen.»

Doch selbst ohne den Tamiflu-Effekt wachse die Pharmadivision deutlich über dem Marktdurchschnitt. «Insbesondere das Wachstum unserer wichtigen Krebsmedikamente liegt im zweistelligen Bereich.» Auch für den Gesamtkonzern beurteilt Schwan die Aussichten als vielversprechend: «Wir werden für das Gesamtjahr in den beiden Divisionen Pharma und Diagnostika deutlich stärker als der Markt wachsen.» Der positive Trend aus dem 3. Quartal halte an. «Wir sind auf sehr gutem Weg, die höheren Erwartungen zu erfüllen.» Gut entwickle sich die Integration der im Frühling 2009 vollständig übernommenen US-Biotech-Firma Genentech. «Wir haben die Top-Wissenschafter halten können», so Schwan. Befürchtungen, dass Roche mit der Genentech-Vollübernahme die Forschung vermehrt aus der Schweiz in die USA verlegen könnte, widerspricht er: «Die Schweiz wird für uns ein wichtiger Forschungsstandort bleiben.» Der Konkurrenzdruck unter den Standorten nehme aber zu. «Die Schweiz muss unbedingt für neue Entwicklungen offen bleiben und deutlich signalisieren, dass man auf innovative Branchen setzt.»