Die Kurse von Schweizer Aktien sanken seit Mitte 2007, als die Erschütterungen auf dem US-Subprime-Hypothekenmarkt sich weltweit auszubreiten begannen, bis zum Ende des 1. Quartals 2009 um nicht weniger als 45%. Durch diesen massiven Wertverlust tauchte die durchschnittliche Jahresrendite über die letzten zehn Jahre auf enttäuschende -0,9%. Dies hat eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Sind Aktien wirklich eine geeignete Anlageform und haben sie in einer langfris- tig ausgerichteten Anlagestrategie weiterhin etwas zu suchen? Insbesondere Pensionskassen sind von dieser Frage akut betroffen, da sie zur Finanzierung ihrer langfristigen Verpflichtungen zwingend hinreichend hohe Anlageerträge benötigen und daher meist zu rund 30% in Aktien investiert sind.

Die Diskussion über Sinn und Unsinn von Aktienanlagen ist jedoch nicht neu. Die Krisen sind trotz (oder wegen) der mit ihnen einhergehenden schmerzhaften Anpassungsprozesse auch Ursprung und Quelle für zukünftige Innovationen, höhere Effizienz und letztlich neues Wachstum. Auf die langfristig ertragsstarken Aktienanlagen zu verzichten und sich auf einen risikolosen Zins zu beschränken, würde die Finanzierung der heute gebräuchlichen Vorsorgeleistungen prohibitiv teuer machen oder massiv höhere Beiträge, sprich Lohnabzüge, erfordern.

Nur ein langfristiger Anlagehorizont kann die Lösung bieten. Doch wie langfristig ist langfristig? Analysiert man den Schweizer Aktienmarkt während der letzten rund 80 Jahre, so zeigt sich, dass die durchschnittliche Performance unabhängig vom Investitionshorizont immer leicht über 8% lag. Wichtiger als die Durchschnittsbetrachtung ist jedoch die minimal erforderliche Investitionsdauer, um auch im schlechtesten Fall eine positive Rendite zu erzielen. Seit 1926 musste ein Anleger mindestens 14 Jahre in Schweizer Aktien investiert sein, um «mit Sicherheit» eine positive Rendite zu erreichen, nämlich 1,4% p.a. (siehe Grafik). Bei jedem kürzeren Betrachtungszeitraum kamen entsprechende Perioden mit einer negativen Performance vor. Bei einer realen Betrachtung verlängert sich dieser minimal notwendige Zeithorizont sogar auf 24 Jahre! Aktienanlagen sind somit nur im langfristigen Kontext sinnvoll.

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Schwankende Beiträge

Pensionskassen mit ihren langfristigen Verpflichtungen, die meist auf Jahrzehnte ausgerichtet sind, sind geradezu prädestiniert, mit Aktienanlagen zu deren Finanzierung beizutragen. Allerdings relativieren der Zwang zum mindestens jährlichen Ausweisen des Deckungsgrades sowie die meist nur wenige Jahre dauernde Mandatsdauer eines Stiftungsratsmitgliedes die von der Verpflichtungsstruktur her gegebene Langfristigkeit deutlich. Die kurzfristigen Schwankungen des Anlagevermögens können somit nicht ausgeblendet werden. Sie lassen sich nur auffangen, indem die Beiträge und Leistungen flexibel ausgestaltet werden. Die bisherige Praxis, bei volatilen Anlageerträgen stabile Beiträge und garantierte Leistungen zu gewähren, ist schlicht unvernünftig. Zum Ausgleich temporärer Deckungslücken werden daher die Arbeitgeber und Arbeitnehmer zukünftig bereit sein müssen, von Jahr zu Jahr schwankende Beiträge zu akzeptieren, so unangenehm dies für ihre eigene Budgetierung auch sein mag. Ebenso werden die Arbeitnehmer auf eine Mindestverzinsung verzichten müssen, da das Fell des Bären offensichtlich nicht verkauft werden kann, bevor dieser tatsächlich erlegt ist, sprich eine hinreichend hohe Rendite auf den Anlagen effektiv erwirtschaftet worden ist. Vergleichbares gilt selbstredend für den Teuerungsausgleich auf den laufenden Renten.

Realwertanlagen

Je unsicherer sich die Zukunft der Finanzmärkte und der wirtschaftlichen Entwicklung präsentiert, desto wichtiger ist die Diversifikation des Vermögens. Hierbei werden auch Aktien weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Als Realwertanlagen repräsentieren sie eine direkte Beteiligung am Wirtschaftswachstum. Zudem ist es eine der Grundprämissen unseres heutigen Wirtschaftssystems, dass das Zurverfügungstellen von Produktionsfaktoren, neben Arbeit eben vor allem Eigenkapital für die Unternehmen, entschädigt wird. Allerdings ohne Erfolgsgarantie. Es muss somit eine positive Prämie als Entschädigung für das eingegangene Risiko existieren. Damit Pensionskassen ihre Leistungsversprechen finanzieren können, müssen sie fähig sein, am Wirtschaftswachstum teilzuhaben und entsprechende Risikoprämien zu verdienen.

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Aktien werden in der Anlagepolitik von Pensionskassen weiterhin von Bedeutung sein. Allerdings setzen Aktienengagements einen langen Anlagehorizont voraus. Die zwischenzeitliche Volatilität muss, so schmerzlich dies für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sein mag, mit einer grösseren Flexibilität bei der Beitrags- und Leistungspolitik aufgefangen werden.