Im September ging Ihr Mieter Edisun Power an die Börse. Dass der Technopark Zürich auch Geburtshelfer war, weiss aber niemand.

Heinz Specker: Vor elf Jahren, als Edisun Power den Weg zu uns fand, baute die Firma die erste grosse Solaranlage auf unserem Dach. Das hat in der Öffentlichkeit damals schon für Aufsehen gesorgt.

Damals schon, aber heute nicht mehr. Ist der Technopark zu bescheiden?

Specker: Es liegt vielleicht generell im Naturell des Schweizers, dass er das Licht unter seinen Scheffel stellt und nicht so häufig mit Erfolgsmeldungen in die Medien geht. Wir fordern unsere 250 Mieter immer wieder auf, dass sie uns gute Neuigkeiten mitteilen. Aber erst in letzter Zeit haben wir wiederholt News erhalten. Sonst übt sich unsere Mieterschaft vornehmlich in Bescheidenheit.

Stört Sie das nicht?

Specker: Meiner Meinung nach ist die Schweiz mit dieser Bescheidenheit sehr gut gefahren. Auch der Technopark Zürich verfolgt diese Tugend und verkündet nicht laut, sondern über gute Beratungstätigkeit und ausgewiesene Infrastruktur, dass wir zu den führenden Institutionen zählen.

Anzeige

Was steckt hinter der Technopark-Idee?

Specker: Die oberste Zielsetzung ist, dass über den Weg des Technologietransfers neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Haben Sie dies erreicht?

Specker: Absolut. Innerhalb der letzten 15 Jahre sind mindestens 1500 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Das ist nötig für die Erneuerung unserer Wirtschaft und Technologielandschaft. Ein solcher Erfolg ist keineswegs selbstverständlich, denn wir alle wissen, wie schnell Arbeitsplätze verschwinden können. Für uns ist die Nachhaltigkeit neuer Arbeitsplätze mindestens so wichtig wie ein Börsengang. Man muss sich immer in Erinnerung rufen, wie lange es gedauert hat, bis industrielle Riesen wie etwa ABB oder Sulzer entstanden sind. Im Falle von Google ist es etwas anders.

Wenn Sie nochmals von vorne beginnen dürften, was würden Sie im Technopark Zürich anders machen?

Specker: Es wäre beispielsweise attraktiver, wenn wir auf der unternehmerischen Seite schon von Anfang an mit ganz starken Partnern im Risikokapitalsektor zusammenarbeiten könnten.

Weshalb?

Specker: Vor 15 Jahren war das Thema Jungunternehmertum noch nicht so in aller Munde wie heute, denn es war ein neueres Thema. Man konnte sich noch nicht viel darunter vorstellen. Ausserdem würde ich heute im Technopark einen Labortrakt einrichten. Gerade in neueren Technologien wie der Nanotechnologie werden immer höhere Anforderungen an die Infrastruktur gestellt.

Hat es in den vergangenen 15 Jahren Verschiebungen in den Forschungsschwerpunkten gegeben?

Specker: Dadurch, dass Zürich nach wie vor ein Wirtschafts-, Banken- und Versicherungsstandort ist, ist der Informations- und Kommunikationssektor am stärksten im Technopark vertreten. Die Nachfrage nach Software- und Kommunikationslösungen ist wie vor 15 Jahren sehr hoch. Seit einigen Jahren fasst jedoch der Bereich Life Science zusehends Fuss im Technopark, was uns sehr freut. Zudem werden die interdisziplinären Technologien wie Bionik oder Mechatronik wichtiger. Wir haben in Zürich und im Technopark das nötige Entwicklungspotenzial. Das ist eine wichtig Entwicklung, die man vorantreiben muss, um die Abhängigkeit, der Finanz- und Dienstleistungsbranche zu minimieren.

Anzeige

Was braucht es eigentlich, um Unternehmer zu werden?

Specker: Ich habe meine «5-M-Formel». Es braucht Mut, Motivation, Management, Marketing und Money. Das immer zur Hand zu haben, erfordert Geschick und Glück. Hin und wieder ist ein Team damit überfordert und entscheidet sich, neue Wege zu suchen. Aber es ist schön, dass doch so viele junge Leute Unternehmer werden wollen. Meiner Meinung nach dürften es aber noch mehr sein.

Wie könnte man das Jungunternehmertum zusätzlich fördern?

Specker: Vielleicht müsste man bereits in der Schule die Möglichkeiten aufzeigen, die man als Unternehmer hat. Die Chancen der Selbstständigkeit werden noch zu wenig kommuniziert.

Wie funktioniert der Technologietransfer im Technopark?

Specker: Meistens sind es junge Menschen, die sich im Hochschulumfeld mit neuen Technologieideen auseinandersetzen und das Gefühl haben, diese Ideen hätten im Markt eine Chance. Sie wollen eine Invention, eine Erfindung, zur Innovation werden lassen und diese letztlich zum unternehmerischen Erfolg bringen. Das ist eine Zeitspanne. Der Technopark ist der Ort, wo man das nötige Know-how über verschiedene Netzwerke bekommt.

Anzeige

Wie geht das konkret?

Specker: Man trifft unterschiedliche Personen und Unternehmer, die zusätzliches technologisches oder unternehmerisches Wissen haben. Die Mieter können über unsere Partnerorganisation Stiftung Technopark Zürich entsprechende Beratungstätigkeit in Anspruch nehmen. Zudem wird das Personen- und Know-how-Netzwerk in Gang gesetzt, oder es werden Kontakte zur ETH und anderen Technologiegebern geknüpft. Unsere Aufgabe ist es, ein solches Umfeld der Kommunikation und des Austausches zu schaffen.

Was sind die drei Erfolgsrezepte des Technoparks?

Specker: Matchentscheidend ist für uns, dass wir eine privatwirtschaftliche Lösung mit starken Partnern gefunden haben. Wir haben sehr schlanke Strukturen und ein duales Management der Technopark Immobilien AG und der Stiftung Technopark Zürich, und das hilft. Zweitens haben wir uns vom ersten Tag an auf kleine Unternehmen aus dem Technologiesektor und auch auf grössere Organisation aus dem Innovationsbereich konzentriert und verbinden dies mit der ausgewiesenen Qualitätssicherung, der Selektion von Mietern und dem Technologietransfer. Von dieser Positionierung sind wir nie abgerückt, wodurch wir uns klar profiliert haben.

Anzeige

Haben sich nie grössere Firmen beworben?

Specker: Hin und wieder habe ich mich schon gefragt, ob ich doch nicht einen grossen Deal eingehen sollte, denn einer meiner Aufträge ist auch die Rendite. Doch dadurch, dass wir nie von unserer Fokussierung abgerückt sind, haben wir den Erfolgsbrand Technopark geschaffen. Das hilft allen: Uns wie den Mietern.

Und der dritte Erfolgsfaktor?

Specker: Wir passen die Infrastruktur den Unternehmen an, wie z.B. kleine Büros für kleine Firmen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, doch wird dies von den Mietern sehr geschätzt. Unsere Raumstrukturen lassen es zu, dass sich ansässige Firmen durch die Zumiete von Büros meist kurzfristig vergrössern oder auch abgeben können. Im Jahr kommt es mit den Ein- und Auszügen, Vergrösserungen und Verkleinerungen zu 50 bis 80 Raumveränderungen. Und vor allem erhalten technologieorientierte Jungunternehmen in den ersten drei bis fünf Jahren unter gewissen Bedingungen einen Sonderrabatt auf die Mietpreise.

Anzeige

Wie lange bleibt ein Unternehmen im Technopark?

Specker: Im Schnitt 5,6 Jahre. Wir haben keine Altersguillotine. Wichtiger ist, dass es für beide Seiten stimmt. Wir haben Firmen, die seit bald 15 Jahre bei uns sind.

Wer?

Specker: Beispielsweise die Supercomputing Systems AG, die als ETH-Spin-off mit zwei Mann anfing und heute über 80 Personen beschäftigt. Die Firma ist nach wie vor innovationsorientiert tätig.

Wohin bewegt sich der Technopark Zürich?

Specker: Mittel- und langfristig ist eine solche Institution sicher ein wichtiges und gefragtes Produkt. Denn wir brauchen den Technologietransfer. Wir sehen das nicht zuletzt aufgrund der ausländischen Initiativen, die sich stark von der Technopark-Zürich-Idee inspiriert haben.