Wie kommentieren Sie das Ergebnis 2008/09 von Züblin?

Bruno Schefer: Das Ergebnis ist negativ. Wir waren durch die Weltwirtschaftskrise von hohen Abwertungen in Frankreich, Deutschland und Holland betroffen. Operativ aber, und dies ist sicherlich positiv, haben wir besser gearbeitet als letztes Jahr und das Ergebnis gesamthaft, aber auch pro Aktie gesteigert.

Stehen weitere Marktwertanpassungen an?

Schefer: Im Vergleich mit anderen Marktteilnehmern in Frankreich und Holland sind unsere Abwertungen höher ausgefallen. Dies liegt unter anderem daran, dass wir unser Geschäftsjahr im März abschliessen und die Immobilienschätzer eine drei Monate längere Sicht auf die Wirtschaftsentwicklung haben. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten erwarte ich keine starken Korrekturen mehr.

Wie schätzen Sie die Lage im europäischen Immobilienmarkt ein?

Schefer: Die Folgen der Rezession werden sich erst noch zeigen. Bisher waren die Leerstände noch gering und es ist an Spitzenlagen kaum zu Mietzinsreduktionen gekommen. In einem oder zwei Jahren werden wir höhere Leerstände sehen. Zudem ist eine Mietzinsstabilisierung beziehungsweise -reduktion zu erwarten.

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Die Aussichten sind trübe.

Schefer: Die Perspektiven für den Gesamtmarkt sind nicht rosig. Wir haben in unserem Portfolio aber einen sehr guten Mietvertragsablauf. Daher sind wir zuversichtlich, dass wir unser operatives Resultat halten und positive Cashflows generieren können.

Sie legen ein besonderes Augenmerk auf die Liquidität von Züblin. Sind Sie zum Verkauf von Immobilien gezwungen?

Schefer: Nein, wir haben kein Liquiditätsproblem. Dennoch hat die Liquidität hohe Priorität. Sie ist ein Grund, weshalb wir keine Dividenden zahlen. Statt die Liquidität auszuschütten, wollen wir Investitionen tätigen und den Zustand der Immobilien verbessern.

Wann können die Aktionäre wieder mit einer Dividende rechnen?

Schefer: Wenn die Rezession länger anhält, dann dürfte es noch ein weiteres Jahr dauern. Es kann aber sehr schnell wieder ändern.

Weshalb haben Sie letztes Jahr zwölf Immobilien verkauft?

Schefer: Wir haben unsere Strategie angepasst und uns entschieden, nur noch auf energieeffiziente Büroimmobilien in Frankreich, Deutschland und in der Schweiz zu setzen. Was nicht mehr in dieses Anforderungsprofil passt, stossen wir ab. Letztes Jahr haben wir einen Grossteil dieser Immobilien zu guten Preisen veräussert.

Kommt es zu weiteren Verkäufen?

Schefer: Wir planen nach wie vor einzelne Verkäufe. Wenn wir aber den geforderten Preis nicht erhalten, warten wir zu. Die Verkäufe erfolgen, um Opportunitäten am Markt wahrnehmen zu können

Sehen Sie interessante Objekte?

Schefer: Es gibt noch nicht viele, weder in Frankreich, Deutschland noch in der Schweiz. Doch wir rechnen damit, dass wir gute Gelegenheiten erhalten.

Wann erwarten Sie eine Erholung?

Schefer: Ich gehe davon aus, dass wir die wirtschaftliche Erholung im Jahr 2010 sehen. Bei den Immobilien dauert es bis zu zwei Jahre länger, bis sich eine echte Erholung abzeichnet.

Wie ist Züblin ins laufende Geschäftsjahr 2009/10 gestartet?

Schefer: Wir sind sehr zufrieden, was die Vermietungen betrifft. Bis heute haben wir noch keine hohen Leerstände festgestellt. Operativ läuft das Geschäft in den ersten drei Monaten weiterhin gut.

Welche Ziele streben Sie an?

Schefer: Wir wollen, trotz der schwierigen Märkte, gewisse Immobilien zu anständigen Preisen verkaufen. Zudem soll die Leerstandsquote, die heute unter 10% liegt, auf dem aktuellen Niveau bleiben. Schliesslich wollen wir das operative Geschäft und den Cashflow gegenüber dem letzten Jahr verbessern.

Ist zur Stärkung der Eigenkapitalquote eine Kapitalerhöhung nötig?

Schefer: Nein, es ist nichts geplant und aus meiner Sicht auch nicht nötig. Wir haben eine EK-Quote von 30%. Wichtig ist, dass wir die Covenants gegenüber den Fremdfinanzierern einhalten können.