Die Verhandlungsgespräche über die Entflechtung des Deutschen Ring (DR) zwischen Bâloise und der deutschen Konkurrentin Signal Iduna nehmen langsam Formen an. So sind sich gemäss den Ende April erschienenen Medienmitteilungen die Parteien über die Eckpunkte einig - wäre da nur nicht der Deutsche-Ring-Betriebsrat. Kurz nach der erwähnten Medienmitteilung meldet sich dieser ebenfalls mit einem eigenen Communiqué zu Wort. Mit dem Titel «Verfrühte Vorfreude bei Signal Iduna und Bâloise» weist der Betriebsrat darauf hin, dass es ohne Einigung mit ihm zu keiner Entflechtung kommen wird.

Geschlossene Veranstaltung

Damit werden die Diskussionen rund um die komplizierte Entflechtung des DR erneut angezeizt. Pikant: Bis anhin nahm der Betriebsrat der Deutschen Ring-Gruppe an keinem Verhandlungsgespräch aktiv teil. «Bisher haben noch keine Gespräche stattgefunden, an denen der Betriebsrat beteiligt war», bestätigt Sven Kluth, Betriebsrat der Deutscher Ring-Gruppe, auf Anfrage. Wann es zu einer gemeinsamen Sitzung kommen wird, sei offen.

Der Betriebsrat wurde erst kürzlich darüber informiert, künftig ebenfalls am Verhandlungstisch eingeladen zu sein. «Bisher haben wir beide Seiten nur begleitet. Nun, da es eine einheitliche Arbeitgebermeinung gibt, werden wir als Partei mit am Verhandlungstisch sitzen», sagt Kluth. Von Unternehmensseite wollte sowohl Signal Iduna als auch Bâloise dazu keine Stellung nehmen. Man habe in dieser Sache erneut Stillschweigen vereinbart, heisst es.

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Gemäss gut informierten Kreisen könnte der bisherige Ausschluss des Betriebsrates bei den Entflechtungsdiskussionen vor allem damit zusammenhängen, dass sich die Parteien zuerst über alle offenen Punkte einig werden wollten. Erst dann wollte man den Betriebsrat mit ins Boot nehmen - allfällige Differenzen zwischen den beiden Parteien liefern dem Betriebsrat, der letzten Entscheidungsinstanz, nur zusätzliche Munition.

Hinsichtlich der weiteren Verhandlungen ist der Standpunkt des Betriebsrates klar: «Unsinn bleibt Unsinn, auch wenn man sich einig ist», sagt Kluth. Damit spricht sich der Betriebsrat trotz Einigung zwischen den Parteien nach wie vor klar gegen die von Signal Iduna und Bâloise angestrebte Entflechtung aus. Umso mehr ist der Betriebsrat nun darin bestrebt, die einzelnen Mitarbeiter möglichst lange vor drohenden Kündigungen zu schützen. «Wir streben identische und langfristige Garantien für alle Kollegen an - unabhängig davon, unter welchem Dach sie landen werden», sagt Kluth. Die Forderung nach Kündigungsschutz dürfte sich vor allem an die Bâloise richten. So war der Auslöser für den Zwist mit Signal Iduna unter anderem die von Bâloise angekündigte Restrukturierung in Deutschland und der mögliche Abbau von 230 Arbeitsplätzen.

Seit über einem Jahr im Zwist

Zur Auseinandersetzung zwischen Bâloise und Signal Iduna kam es vor über einem Jahr. Ende 2008 hat sich Bâloise dazu entschieden, die zu ihr gehörende DR Leben und DR Sach mit der deutschen Basler-Tochter unter eine Führung zu stellen und ein Leben-Kompetenzzentrum in Hamburg und ein Nichtleben-Kompetenzzentrum in Bad Homburg zu gründen. In diesem Rahmen flüchtete sich einige Monate später die dritte DR-Gesellschaft, DR Kranken in die Arme von Signal Iduna.

Damit holte sich Bâloise die Konkurrenz ins eigene Haus. Denn die drei Deutsche-Ring-Gesellschaften sind vor allem im Backoffice und Vertrieb eng verzahnt. Umso hartnäckiger fiel denn auch die Forderung der Basler nach einer raschen Entflechtung aus. Die Gespräche verliefen harzig, da vor allem Signal Iduna trotz Stillschweigeabkommen den Weg in die Medien suchte. Anfang Februar hat Bâloise nun Rückendeckung von der deutschen Finanzmarktaufsicht Bafin erhalten, was den Weg zur Entflechtung ebnet.