URAN . Die Bevölkerung vieler europäischer Länder steht der Kernkraft skeptisch gegenüber, oder der Ausstieg aus der Kernenergie ist sogar bereits beschlossene Sache. Atomkraftgegner sind erfreut über den Trend weg von der Kernkraft. Sie verweisen hierbei auf die Sicherheitsrisiken dieser Art der Stromerzeugung: In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Unfällen, bei denen radioaktive Strahlung freigesetzt wurde. Dagegen boomt diese Art der Stromerzeugung auf anderen Kontinenten. Zahlreiche Atomkraftwerke befinden sich im Bau, weitere Projekte in Planung. Diese Entwicklung hat bereits zu einem deutlichen Anstieg des Uranpreises geführt und entsprechend rücken neben den Betreibern der Kraftwerke auch Uranfördergesellschaften mehr und mehr in den Blickpunkt.

Verzicht (noch) nicht möglich

Selbst unter Umweltschützern gibt es jedoch Experten, die gegen einen Ausstieg aus der Kernenergie sind. Sie argumentieren, dass eine weitere Nutzung der Kernenergie nötig sei, da sonst der Ausstoss von CO2 und anderen Treibhausgasen zunehmen würde. Im Gegensatz zur Verbrennung von fossilen Energieträgern werden beim Betrieb von Atomreaktoren keine Treibhausgase ausgestossen. Da umweltfreundliche, erneuerbare Energien den Strombedarf nicht komplett abdecken können, sei ein Verzicht auf die Kernkraft (derzeit noch) nicht möglich. Während Länder wie Deutschland, Schweden, Belgien, die Niederlande und Italien den Ausstieg aus der Atomenergie vorantreiben, setzen unter anderem die USA, Frankreich, Japan, Indien, China, Südkorea und Finnland weiter auf die Kernkraft. Der International Atomic Energy Agency (IAEA) zufolge gibt es weltweit momentan 439 Kernkraftwerke. Der weltweite Uranverbrauch wird aktuell auf etwa 66000 t pro Jahr geschätzt. Durch die wachsende Zahl der Kraftwerke wird die Nachfrage in den nächsten Jahren vermutlich weiter steigen. Die Produktion belief sich der World Nuclear Association zufolge im Jahr 2006 auf knapp 40000 t. Damit deckt die Förderung den Bedarf nur zu rund 60% ab. Der Rest stammt aus Lagerbeständen. Dieses Missverhältnis zwischen jährlicher Produktion und Nachfrage hat bereits zu einem deutlichen Preisanstieg geführt. So kletterten die Notierungen von Uranoxid, das Ende 2003 noch weniger als 20 Dollar je Pfund kostete, in der Spitze auf 138 Dollar. Der Preisanstieg wurde durch einige Meldungen über Produktionsdefizite in verschiedenen Minen begünstigt. Vor allem die Nachricht über einen Wassereinbruch, der ein Riesenprojekt des führenden Uranförderers, der kanadischen Gesellschaft Cameco, um Jahre verzögerte, sorgte im Sommer für Turbulenzen am Uranmarkt. Seit den Höchstständen hat der Preis korrigiert und lag Mitte September bei 85 Dollar – immer noch mehr als das 4-Fache des Niveaus von Ende 2003.

Investments für Privatanleger

Es stellt sich die Frage, ob auch Privatinvestoren von der Renaissance der Kernkraft profitieren können. Eine Möglichkeit wäre ein Investment in Uran selbst, beispielsweise anhand der erst kürzlich in den USA aufgelegten U3O8 Futures. Allerdings ist die Liquidität noch recht gering, weshalb sich derzeit effektiv keine liquiden Open-End-Tracker konstruieren lassen, wie sie Anleger etwa bei Rohöl, Kupfer oder auch Weizen kennen. So bleiben Aktien von Unternehmen aus diesem Sektor die aktuell einzig skalierbare Alternative. Von der zunehmenden Zahl an Atomkraftwerken und dem gestiegenen Uranpreis profitieren hierbei grundsätzlich zwei Gruppen von Unternehmen: Stromproduzenten, die Kernkraftwerke betreiben, und Minengesellschaften, die Uranerz fördern.Allerdings sollten Investoren bedenken, dass Kernkraft trotz des Namens kein Kerninvestment ist. Dieses Anlagethema eignet sich eher als Beimischung fürs Depot. Dabei sollten Anleger auch auf eine breite Streuung innerhalb des Sektors achten. Eine Möglichkeit hierzu bietet der neue S&P Nuclear Energy Index, der die wichtigsten 20 Unternehmen aus diesem Segment zusammenfasst. Wie alle anderen Indizes dieser Gruppe wird auch dieser Barometer nach klar definierten Regeln zusammengesetzt. Die potenziellen Indexaktien müssen Mindestanforderungen an Marktkapitalisierung und Handelsvolumen erfüllen. Einmal pro Jahr, am dritten Freitag im November, wird der Index bezüglich Zusammensetzung und Gewichtung der Indexmitglieder überprüft. Bekannte Indexmitglieder sind der französische Kernkrafterzeuger EdF, der deutsche Versorger E.ON oder der US-amerikanische Kraftwerkausstatter McDermott.

Anzeige