Die Geschäftsführerin von Spagyros scherzt: «Erklären Sie einer Kuh, wie Homöopathie wirkt.» Die Beobachtung, dass Globuli bei Kühen sofort wirken, hat Jacqueline Ryffel nicht mehr losgelassen. So hat sich die diplomierte Apothekerin vor 20 Jahren für eine Zusatzausbildung in Homöopathie entschlossen.

Als Naturwissenschaftlerin hatte sie der Komplementärmedizin nicht auf Anhieb vertraut. Doch die praktische Erfahrung mit den in Handarbeit gefertigten Medikamenten bewirkte eine Wende in ihrem Denken. 1997 erwarb sie das 1985 im Jura gegründete KMU.

Spagyros stellt in kompletter Eigenproduktion homöopathische, spagyrische und phytotherapeutische Heilmittel her. Basis dieser Arzneien sind vor allem Pflanzen, die aus Biokulturen gewonnen oder wild gesammelt werden, wobei die Ernte immer auch von den Wetterlaunen abhängig ist und nicht jedes Jahr gleich ausfällt. Das ist wahre Just-in-time-Produktion.

Als über die warmen Ostertage 2009 die Natur förmlich explodierte, verpasste ein Lieferant einen Teil seiner Ernte einer wichtigen Pflanze und damit die Abgabe des Rohstoffs in Gümligen.

Unabhängigkeit als Strategie

Um die Abhängigkeit von ihren Lieferanten zu verringern und den Herstellungsprozess von A bis Z unter Kontrolle zu haben, hat Spagyros den strategisch wichtigen Schritt gewagt und im Jura ein idyllisches Bauernhaus mit viel Land gekauft. Die Parzelle verfügt über eine eigene Quelle, wird von frischer Luft umweht und liegt fernab von Hochspannungsleitun- gen und Handy-Antennen. Zwei Mitarbeiter wohnen fest dort und sind für den Anbau und die Erstverarbeitung der Heilpflanzen verantwortlich.

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«Weitere strategische Massnahmen waren die Herstellung einer inzwischen patentierten Potenziermaschine für die Hochpotenzen sowie die Entwicklung eines neuartigen Globuli-Dispensersystems, des Spagyros-Multiclicks: Endlich kann der Konsument mit einem Klick die passende Anzahl Kügelchen einnehmen, ohne diese zu berühren», sagt Ryffel. Seit der Lancierung des Spagyros-Multiclicks im Dezember 2008 habe man die Verkäufe massiv steigern können. Ryffel erwähnt, dass sich unter ihrer Leitung der Umsatz innert zwölf Jahren mehr als versechsfacht habe. Weitere Elemente des Geschäftserfolgs seien der dynamische Vertrieb, die hohe Dienstleistungsbereitschaft sowie das Fachwissen des Personals.

Wer homöopathische Heilmittel kennt, weiss, dass man mit einer Handvoll Medikamente, darunter dem Klassiker Arnika, vie- les heilen kann. Handliche Haus-, Reise- und Sportapotheken zeugen davon. Neben diesen Bestsellern verfügt Spagyros über ein Sortiment von rund 17000 homöopathischen Arzneien in diversen Potenzen und Darreichungsformen.

Hier wird die viel gepriesene Individualität in der Behandlung klar sichtbar. Wie ein Rundgang im GMP-zertifizierten Betrieb zeigt, werden die Arzneien einerseits exakt nach den Regeln Samuel Hahnemanns, Gründer der Homöopathie, produziert, andererseits nach den strengen Vorgaben der Heilmittelbehörde chargenbezogen dokumentiert und analysiert.

Tradition plus Innovation

«Alle Mitarbeiter von Spagyros wissen, dass Heilmittel nur dank liebevoller Handarbeit und strengsten Prüfungen den höchsten Qualitätsansprüchen genügen können», erklärt Jacqueline Ryffel, die sich in zwei Ärztegesellschaften für Homöopathie engagiert und auch in Deutschland über Komplementärmedizin doziert. «Denn nur beste Arzneien vermögen die Selbstheilungskräfte des Menschen zu aktivieren und ihn gesunden zu lassen.»

Spürt das Gümliger KMU die globale Wirtschaftskrise auch? Dazu Ryffel: «Dank unserer grossen Innovations- und Investitionsfreudigkeit sind wir nicht stehen geblieben und somit immer noch auf zweistelligem Wachstumskurs.»

Und die Abstimmung vom 17. Mai 2009 über Komplementärmedizin, ist sie spürbar? «Sie ist für uns überaus wichtig, denn nur mit einem Ja bleibt die Vielfalt der Arzneien und damit die Therapiewahl gewährleistet. Mit Sorge beobachten wir, wie die Heilmittelbehörden immer strengere Vorgaben erlassen, obwohl das Heilmittelgesetz eine vereinfachte Zulassung für Heilmittel der Komplementärmedizin vorschreibt.»

Das ureigene Geschäftsprinzip von Spagyros definiert Ryffel so: «Neben der Eigenverantwortung leben wir das Thema Wertschätzung. Sie beginnt bei der Natur, geht weiter zu den Mitarbeitern und endet beim Kunden und seinen Patienten.» Wichtig sei zudem ihr Fach- und Sachverstand: «Ich bin immer noch in der Lage, jeden Prozess in der Firma auszuführen.» Und nicht zu vergessen: «Wir haben eine klare Marktposition mit einer grossen Differenzierung.»