B ücher seien in der Schweiz nicht billiger geworden. «Obwohl das der Bundesrat versprach, als er Anfang Mai 2007 das Ende der Buchpreisbindung erklärte», betont Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbands (SBVV). Im Gegenteil: Gemäss internen Erhebungen des SBVV hätten sich rund 90% der Titel um 3 bis 9% verteuert. Lediglich bei den Bestsellern, die allerdings weniger als 10% aller verkauften Titel ausmachten, seien die Preise gefallen.

Dass nun auch der Schweizer Buchhandel den Gesetzen des freien Marktes folgt, gefällt nicht allen: Als Verlierer sehen sich die im Verein der unabhängigen Kleinbuchhandlungen (VUKB) organisierten Buchhändler. «Zwei unserer 80 Mitglieder haben seit Januar das Geschäft aufgegeben», erklärt VUKB-Präsident Urs Heinz Aerni. Weitere Buchhändler könnten in der nun eröffneten Rabattschlacht aufgerieben werden, befürchtet er.

Allerdings kann von einem zerfleischenden Preiskampf kaum die Rede sein. Die von der Media Control erhobenen Zahlen zeigen, dass seit der Liberalisierung die Branche gar zulegen konnte, um rund 5%. Landolf schreibt dies jedoch der guten Konjunktur und dem ausgezeichneten Weihnachtsgeschäft zu und nicht der Aufhebung der Preisbindung.

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Ex Libris profiliert sich

Entschieden genutzt hat die neuen Verhältnisse dagegen die Migros-Tochter Ex Libris. Sie profiliert sich seit Mai 2007 noch deutlicher als Buchdiscounter. Sie gewährt auf Bestseller 30% und aufs ganze restliche Sortiment 15% Rabatt. «Die von den Gegnern der Preisliberalisierung kolportierten Szenarien wie Massensterben der kleinen Buchhandlungen und auf Bestseller ausgedünnte Sortimente haben sich als Gespenster erwiesen», erklärt Ex-Libris-Sprecher Roger Huber. Zudem habe dank der freien Preise der Kauftourismus nach Deutschland, durch den die Branche jeweils einen jährlichen Schaden von 100 Mio Fr. erlitten habe, gestoppt werden können.

Die grossen klassischen Buchhandelsfilialisten haben mit unterschiedlichen Strategien auf die neue Situation auf dem Markt reagiert. Thalia etwa hat die Preise kaum angepasst (siehe auch Artikel links).

Die Lüthy-Balmer-Stocker-Gruppe gibt, wie Ex Libris, die Bestseller bis zu 30% billiger ab und gewährt im Internet Rabatte von bis zu 20%. Marketingleiter Roman Horn verspricht sich von der Liberalisierung trotzdem wenig. «Der Markt wird dadurch weder grösser noch kleiner, aber die Qualität der Sortimente wird tendenziell abnehmen», prognostiziert er. Im Geschäft mit Bestsellern würden jetzt neue Player wie Grossverteiler, Fachmärkte und Kioske mitmischen. Tatsächlich wurde im letzten Herbst der siebte «Harry Potter» auch an Tankstellen oder in Fachmärkten für unter 20 Fr. angeboten – dies bei einem vom Verlag empfohlenen Richtpreis von 44 Fr. Horn unterstützt daher die Forderung des SBVV, zu einem Buchpreisbindungsgesetz zurückzukehren.

Ähnlich äussert sich auch Fabio Amato, Geschäftsführer von Orell Füssli. Auch wenn er mit der Möglichkeit, die Preise nun nach eigenem Ermessen zu kalkulieren, gute Erfahrungen gemacht hat. Im Geschäftsjahr 2007 konnte der Marktführer den Umsatz um 5% steigern. Die neu eingeführte «Best Price»- Linie bietet bestimmte Titel mit Rabatten von 10% bis 30% Rabatt an. Und von günstigeren Konditionen profitieren neuerdings auch Grosskunden.

Studie soll Objektivität schaffen

Verlässliche Zahlen über die Folgen der Abschaffung der Buchpreisbindung gibt es allerdings noch nicht. Diese soll bis spätestens Ende Juli die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in einer Studie liefern. In Auftrag gegeben haben diese das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco und die nationalrätliche Wirtschafts- und Abgabekommission. Sie hat auf Ende August das Thema traktandiert.

Wie auch immer das Ergebnis ausfallen wird, zu den Gewinnern gehört klar der Internetverkauf: Der Online-Händler Amazon etwa erweitert kontinuierlich das Sortiment und unterstützt die Verlage dabei, auch alle Backlist-Titel den Kunden verfügbar zu machen. «Zudem können wir aus Deutschland die Schweizer Kunden erst noch mehrwertsteuerfrei beliefern», sagt Amazon-Sprecherin Christine Höger.