Die Schweizer Detailhändler sind nach Ansicht von Denner-Präsident Philippe Gaydoul teilweise selber am Einkaufstourismus im Ausland schuld: «Sehr lange haben sie profitiert - man bezog die Waren in Euro und gab die Währungsgewinne nicht an die Kunden in der Schweiz weiter.»

Man hätte die Preisabstände zu Deutschland schon früher verringern können, sagte Gaydoul in einem Interview mit der Zeitung «Sonntag»: «Die Branche hat zu lange gewartet. Mann muss vorsichtig sein mit Jammern wegen des Euro: Viele Probleme sind hausgemacht.»

Beschränkungen für den florierenden Einkaufstourismus, wie ihn Politiker fordern, lehnt Gaydoul ab: «Ich bin gegen jede Form von Protektionismus.» Es komme selten gut heraus, wenn der Staat ein privatwirtschaftliches Problem lösen wolle.

«Selbst bei einem Euro-Kurs von 1,20 Fr. kann die Branche leben.» Und man dürfe nicht vergessen, dass gewisse Handelskonzerne immer noch über erhebliche Kostenstrukturen verfügten.

Skepsis für 2012

Für 2012 sei er skeptisch, sagte Gaydoul: Ein Nullwachstum wäre schon gut. Generell sei im Detailhandel dieses Jahr schon viel erreicht, wenn die Umsätze nicht schrumpfen würden. «Ich erwarte, dass die Konsumentenstimmung zurückgehen wird», sagte der Denner-Präsident, der vor fünf Jahren den Discounter an die Migros verkaufte.

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Seither sei es zu ruhig geworden um Denner. «Aber ich gehe davon aus, dass Denner 2012 wieder wacher wird», sagte Gaydoul. Man müsse aber auch sagen, dass 2011 ein gutes Jahr für den Discounter gewesen sei. Denner habe sich wesentlich besser geschlagen als der Gesamtmarkt.

Der Umsatz liege knapp über dem Vorjahr. «Das ist bemerkenswert, denn wenn ich die etablierten Detailhandelsunternehmen anschaue, wird keines das Vorjahr erreichen», sagte Gaydoul.

Als erster Branchenvertreter hatte Coop letzte Woche Umsatzzahlen vorgelegt. Insgesamt legte zwar der Gesamtumsatz um satte 38,9 Prozent auf 27,8 Milliarden Franken zu. Der Sprung ist aber dem Zukauf der Grosshandelsgruppe Transgourmet zu verdanken. In den Läden der Coop-Gruppe ging der Umsatz indes um 0,9 Prozent auf 18,4 Milliarden Franken zurück.

Die zweite Jahreshälfte 2011 sei schwierig gewesen, sagte Coop-Chef Joos Sutter in einem Interview mit der Zeitung «Südostschweiz am Sonntag». Er gehe nicht von einer erneuten, massiven Verschlechterung im laufenden Jahr aus. «Aber es wird ein hartes Jahr werden.» Coop rechne mit einem bescheidenen Wachstum.

(rcv/sda)