Willy Kissling, Präsident Unaxis, Forbo

Ich schliesse nicht aus, dass die Auswirkungen dieser Wahlen auf Europa überschätzt werden. Es wurde im Vorfeld viel über diese Frage spekuliert. Nur: Die USA sind und bleiben eine Führungsmacht. Ob sich mit der Wahl von Bush oder Kerry daran etwas ändert, wird sich weisen. Ich persönlich würde mich da nicht zu weit zum Fenster herauslehnen. Wichtig ist allerdings, welche Wirkungen diese Wahlen auf die global Governance haben wird. Aber auch hier: Mit Blick auf die geopolitische Situation wäre es unredlich, jetzt eine Aussage zu machen. Einmal abgesehen davon, dass solche Einschätzungen sich in der Vergangenheit nicht selten gelinde gesagt als nicht unbedingt treffsicher erwiesen haben, wenn es um das Verhalten eines künftigen Präsidenten ging.

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Remo Brunschwiler, Ceo von Swisslog

Ich habe den Eindruck, dass sich die USA unter der Bush-Regierung von der globalen Wirtschaft zurückgezogen haben. Von der künftigen Regierung erhoffe ich mir wieder eine stärkere Öffnung gegenüber anderen Wirtschaftsregionen.

Peter Friedli, CEO New venturetec

Die wichtigsten Themen, denen sich die neue Administration annehmen sollte, sind meines Erachtens das Budget-Defizit und die Fiskalpolitik sowie die Aussenpolitik mit der Irak-Frage. Der Präsident sollte alles unternehmen, um die Schulden in den Griff zu bekommen. In der Innenpolitik stehen nach meiner Ansicht der Healthcare-Bereich sowie die Schaffung neuer Arbeitsplätze im Vordergrund. Die USA erleben einen tief greifenden Wandel in den Unternehmungen. Als Investor erhoffe ich mir, dass wieder ein Umfeld geschaffen wird, in dem Investitionen in die Zukunft von Amerika an Bedeutung gewinnen.

Raymond Bär, Präsident Julius Bär

Wir sollten zwar keine zu hohen materiellen Erwartungen haben, aber eines scheint mir sicher: Der globale Dialog wäre vor dem Hintergrund allfälliger personeller Veränderungen in einer neuen Administration in einigen Bereichen von weniger Spannungen und Emotionen belastet. Auf handelspolitischer Ebene erwarte ich kurzfristig keine wesentlichen Verbesserungen, weil die Fronten zwischen Amerikanern und Europäern sich in den letzten Jahren insgesamt verhärtet haben. Sollte John Kerry die Wahl gewinnen und die Demokraten auch im Senat die Mehrheit erlangen, dann hätte dies mit Sicherheit Auswirkungen auf die Börse, die auf die dann zu erwartenden höheren Sozialausgaben und die daraus resultierende höhere Steuerbelastung reagieren würde.

Johann Schneider, Präsident Swissmem

Bush oder Kerry? Doesn't matter! (?) Beide müssen die Welt sicherer machen. Sicherer gegen Terrorismus, aber auch ökologisch. Beide brauchen Wachstum qualitatives und quantitatives. Wachstum entsteht über Investitionen. Investiert wird in eine gesicherte Umgebung. Bush geht kompromisslos diesen Weg. Kerry müsste ihn übernehmen.

Karl Elsener, CEO Victorinox

Amerika ist für uns ein sehr wichtiger Markt. Immerhin werden hier 25% von unserem konsolidierten Umsatz in der Höhe von 360 Mio Fr. erwirtschaftet. Eine Aussage mit politischem Charakter möchte ich lieber nicht machen. Hingegen bin ich vor allem daran interessiert, dass der Dollar nach den Wahlen wieder fester wird. Die Unsicherheit über den Ausgang des Rennens zwischen George Bush und John Kerry hat seinen Kurs ungünstig beeinflusst. Ich hege die Hoffnung, dass sich dies nach den Wahlen ändern wird.

R. Walser, Chefökonom economiesuisse

Zunächst gehe ich davon aus, dass die Präsidentenwahl in den nächsten Monaten keinen grossen Einfluss auf den Wirtschaftsgang ausüben wird. Längerfristig wäre es erwünscht, wenn sich die US-Wirtschaftspolitik stärker auf die Rückführung des Zwillingsdefizits inder Ertragsbilanz einerseits und im Staatshaushalt anderseits konzentrierte. Der wichtigste Beitrag hierzu wäre eine konsistente Konsolidierung des Bundeshaushalts vorab über die Ausgabenseite. Hinzu kommt die Hoffnung, dass die neue US-Regierung im Schosse der WTO eine konsequent marktorientierte Handelspolitk im Interesse der Stärkung des Welthandelssystems betreibt.

André Kudelski, Ceo Kudelski

Es besteht eine Ungewissheit um den Ausgang der Wahl, die könnte sogar einige Wochen dauern. Und auch wenn man den neuen Präsidenten dann kennt, weiss man noch nicht genau, ob und wie es einen Wechsel in der Wirtschaft geben wird. Für uns sind bei Veränderungen im Wirtschaftsklima zwei Fragen zentral: Erstens, ob und wie von den Firmen weiter investiert wird, und zweitens, ob und wie die Mittelklasse ihr Ausgabenverhalten verändert. Wichtiger als Schwankungen im Dollarkurs ist für uns die grundsätzliche Entwicklung der US-Wirtschaft.


Sie wollten nichts sagen

Keine Antwort geben wollten folgende CEO oder VR-Präsidenten, meist aus «politischen Gründen», wie sie sagten:

Daniel L. Vasella* (Novartis), Franz Humer* (Roche), Peter A. Wuffli* (UBS), Oswald J. Grübel* (Credit Suisse), Wolfgang Reichenberger* (Nestlé), Peter Brabeck (Nestlé), Ernst Tanner (Linth&Sprüngli), Markus Akermann* (Holcim), Walter Grüebler (Sika), John Coomber* (Swiss Re), James J. Schiro* (Zurich), Armin Meyer* (Ciba), Roland Hess (Schindler), Guerrino De Luca (Logitech), Hans Lerch (Kuoni), David Bancroft* (Cilag), Fred Kindle (ABB), Hartmut Reuter (Rieter), Kurt E. Stirnemann (Georg Fischer), Rolf-Dieter Rademacher (SIG), Nicolas Hayek (Swatch).

* gehören dem Vorstand der Swiss-American Chamber of Commerce an.