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Handy-Roaming: Transparenz fördert Tiefpreis

Ein europäischer Preisvergleich soll den Wettbewerb ankurbeln.

Von Johannes J. Schraner, Brüssel
am 19.10.2005

Nur ein gut informierter Kunde ist ein guter Kunde. Das stellte die EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding, unlängst in Brüssel fest. Und die Luxemburgerin in der Europäischen Kommission schritt für einmal zu einer sinnvollen Tat. Seit anfangs Oktober ist auf der Website der EU erstmals ein Gesamtüberblick über die Roamingkosten von sämtlichen Handybetreibern in der gesamten Union abrufbar.

Swisscom ist günstig

Tatsächlich seien seit der Ankündigung der neuen Website im Frühjahr «erste Anzeichen für mehr Wettbewerb» in diesem Bereich sichtbar. Die aufgeschalteten Preise zeigen den Stand von September 2005 an und werden halbjährlich aktualisiert. Ein Blick auf die Preisspannen zeigt immer noch grosse Unterschiede. Swisscom-Mobile-Kunden profitieren demgegenüber von einer vergleichsweise günstigen und transparenten Tarifstruktur.

Am meisten lohnt sich ein Preisvergleich derzeit für Handybenutzer in Spanien. Reist ein Madrilene beispielsweise nach Zypern in die Ferien, kostet ihn ein Anruf nach Hause beim Anbieter Amena 70 Cents pro Minute. Konkurrent Vodafone verlangt dafür mit 1,80 Euro mehr als das Zweieinhalbfache.

Für Anrufe von zu Hause nach Zypern gelten ähnlich grosse Unterschiede. Amena berechnet dafür 48 Cents pro Minute und Vodafone satte 1,10 Euro. Swisscom-Mobile-Festkunden dagegen fahren mit 50 Cents pro Minute für Anrufe von zu Hause vergleichsweise günstig. Natel Easyabonnenten dagegen müssen mit 0,81 Cents schon tiefer in die Tasche greifen. Bei Auslandaufenthalten kräftig sparen können künftig Handybenützer aus Österreich. Für Nachhauseanrufe bei Reisen nach Griechenland zahlt der A1-Kunde satte 1,6 Euro. Der T-Mobile-Kunde dagegen nur 85 Cents.

Für Anrufe von zu Hause nach Griechenland gilt bei T-Mobile der 40 Cents Minutentarif und Telering berechnet 81 Cents. Zum Vergleich: Swisscom-Mobile-Festkunden zahlen für Anrufe nach Griechenland 50 Cents. Natel Easy-Kunden ebenfalls 81 Cents.

Aufschlussreich sind die Tarifstrukturen im Vieltelefoniererland Italien. Dort gibt es de facto bisher keinen Wettbewerb zwischen den drei Anbietern TIM, Vodafone und Wind. Fährt ein Italiener nach Deutschland, Spanien oder nach Grossbritannien, zahlt er für Anrufe nach Hause bei allen Anbietern 1 Euro pro Minute. Swisscom Mobile bietet mit einem Minutentarif von 38 Cents für Anrufe von Festabonnenten nach Deutschland und Italien und von 69 Cents für Easycard-Kunden einen der günstigsten Tarife an.

Verstoss gegen Kartellrecht

Die Preisstrukturen der drei Anbieter in Italien sind eigentlich ein Fall für EU-Wettbewerbskommissarin Nelly Kroes in Brüssel. Wettbewerbsverhindernde Preisabsprachen unter Anbietern können ein Verfahren wegen Verstosses gegen das Kartellrecht und hohe Bussgelder zur Folge haben.

Gegen deutsche und briti-sche Mobilfunkbetreiber jedenfalls hat EU-Wettbewerbskommissarin Kroes bereits Verfahren wegen Verstosses gegen das Kartellrecht eingeleitet. Weitere könnten schon in Bälde folgen.


Handy-Gebühren: Tipps für Auslandaufenthalte

- Überprüfen Sie vor jeder Reise die Tarife Ihres bisherigen Anbieters und überlegen Sie, ob sich ein Wechsel lohnt.

- Durch die Wahl des Auslandnetzes können Sie die Höhe der Kosten ebenfalls beeinflussen.

- Fragen Sie Ihren Anbieter, ob er Sondertarife anbietet.

- Telefonieren Sie während Randstunden, das heisst meistens nach 19 Uhr und am Wochenende.

- Überlegen Sie bei einem längeren Auslandaufenthalt den Kauf einer ausländischen SIM-Karte.

- Teilen Sie Ihrer Familie und dem Freundeskreis mit, dass Sie verreisen.

- Prepaid-Kunden zahlen meistens mehr als Vertragskunden.

Roaming-Website der Europäischen Kommission: www.europa.eu.int/information_society/activities/

roaming/tariffs/index_en.htm

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