Ein Mobilfunk-Rekord brachte kürzlich die Funkmasten zum Glühen. Zum Finale der Castingshow «American Idol» verschickten die Zuschauer in den USA 178 Mio SMS. Laut den Marktforschern von Gartner dürften weltweit in diesem Jahr 2,3 Billionen Kurznachrichten durch die Luft schwirren.

Trotzdem bereiten sich die Handy-Hersteller auf zahlreiche Multimedia-Anwendungen vor. Einige der Innovationen waren zuletzt in Barcelona auf dem Mobile World Congress zu sehen, der weltweit bedeutendsten Mobilfunkmesse.

Datennetze werden ausgebaut

Doch dafür müssen die schon jetzt installierten UMTS-Netze flotter werden. Die meisten Smartphone-Nutzer kommen im mobilen Netz nur auf eine Rate von 3,6 Megabit pro Sekunde. Für manche Multimedia-Anwendung reicht das nicht aus. Mit HSPA plus ist das Siebenfache dessen möglich, wie unter anderem Ericsson auf der Messe zeigte. Mit der Erweiterung LTE geht es noch schneller. Bis 2012 soll es nach einer Prognose von ABI Research mehr als 30 Mio Nutzer mit einem LTE-Anschluss geben. Mit dieser Funktechnik steigt die Datenrate überdurchschnittlich stark an, auf 100, künftig wohl sogar auf 300 Megabit pro Sekunde. Damit ist sogar Live-Fernsehen über Mobilfunk möglich. Über LTE können Autos zudem in Echtzeit miteinander kommunizieren und sich so etwa vor Staus warnen.

Videoqualität legt zu

Der japanische Konzern NTT Docomo will in den kommenden fünf Jahren knapp 3 Mrd Euro in den LTE-Netzausbau investieren. Auch LG und Ericsson wollen in diesem Jahr erste LTE-Handys vorstellen. In einigen europäischen Ländern laufen bereits Tests. In der Schweiz will Swisscom ab April LTE-Tests im Labor abschliessen und im Herbst in den Feldversuch gehen. Erste Endgeräte werden für 2011 erwartet.

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Mit LTE werden Videos in hoher Auflösung ruckelfrei auf den Bildschirm des Handys kommen. Damit wäre Fernsehen über Mobilfunk keine Quälerei mehr. Ein neues Programm sorgt dafür, dass der Bildaufbau nicht mehr ins Stocken gerät und die Ladezeit deutlich verkürzt wird. Die Übertragung wäre fast so schnell wie in einem kabelgebundenen DSL-Netzwerk. Die Technik misst die Empfangsstärke und richtet danach die Darstellung auf dem Bildschirm aus. Auch bei schlechtem Empfang reisst der Datenstrom nicht mehr ab, nur das Bild wird unscharf.

Damit die Displays diese hohe Qualität auch tatsächlich zeigen können, haben Forscher neue Bildschirmtechnologien für Handys und Smartphones entwickelt. Grundlage dafür ist ein Touchscreen mit dünnen Super AMOLED, also verfeinerten und deutlich leistungsfähigeren organischen Leuchtdioden. Diese lassen Farben fünfmal satter aussehen und zeigen höhere Kontraste.

Schneller Mobilfunk verbessert nicht nur das Bild, er verfeinert auch den Klang. Neue Software von Fraunhofer liefert sogar Klang in CD-Qualität. Das ist nicht nur ein Fortschritt für die Musikwiedergabe, Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung sind zudem deutlich besser zu verstehen.

Worte sollen natürlicher klingen und Stimmen lassen sich einfacher unterscheiden. Das hilft vor allem bei Telefonkonferenzen. Zusätzlich können die Techniker mit der Software Rauschen und Echos effektiver unterdrücken. Dadurch sind Personen besser als bisher zu verstehen, die über Headsets telefonieren und dabei zum Beispiel durch einen grossen Raum gehen.

Solar-Akkus noch in den Anfängen

Microsoft präsentierte die neuste Version seiner Handy-Software. Sie soll deutlich einfacher zu bedienen sein und auch den Umgang mit Multimedia-Daten erleichtern. Da hatte Microsoft beim Vorgänger-System geschwächelt. Alle Unternehmen, die im Mobilfunkgeschäft aktiv sind, von Microsoft über Nokia bis zu Netzbetreibern wie Vodafone arbeiten daran, mit Apple gleichzuziehen und ihren Kunden ebenfalls tausende Anwendungen anzubieten.

Alle diese schönen neuen Programme und Multimedia-Anwendungen brauchen jedoch viel Strom. Mit herkömmlichen Batterien ist das kaum zu schaffen. Helfen sollen in ferner Zukunft Handys mit Solarzellen, wie es Samsung etwa mit dem Blue Earth auf der Messe zeigte. Von einer komfortablen Energieversorgung ist jedoch noch lange nicht die Rede: Um zehn Minuten telefonieren zu können, muss das Handy eine Stunde in der Sonne liegen.