Bewegung bei den Hypozinsen: Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat eine zweite Erhöhungsrunde bei den variablen Hypotheken in Aussicht gestellt. Zieht die Migros Bank nach?
Harald Nedwed: Wir planen unabhängig von der ZKB, und im Moment ist es unserer Meinung nach zu früh für eine weitere Erhöhung des Zinssatzes. Einerseits sind die Kapitalmarktzinsen seit den letzten Wochen eher rückläufig. Anderseits möchten wir den geldpolitischen Entscheid der Nationalbank im September abwarten.

Aber mit einer nächsten, schweizweiten Erhöhungswelle muss bald gerechnet werden?
Nedwed: Es ist schwierig zu sagen, ob es überhaupt eine Erhöhungswelle gibt. Mit unserer letzten Erhöhung glauben wir richtig zu liegen. Weitere Steigerungen schliessen wir zumindest nicht aus.

Sie verkaufen variable Hypotheken zu einem Zins von 3,125%. Diese rentieren weniger als Bundesobligationen - ein Verlustgeschäft?
Nedwed: Nein, eine Hypothek wird ja in der Regel über Spargelder refinanziert. Deshalb folgt die vari­able Hypothek dem Kapitalmarkt jeweils mit Verzögerung. Wenn die Zinsen schnell steigen, können wir aus Fairness gegenüber den Kunden nicht sofort nachziehen.

Also wird das heute attraktive Hypothekenangebot mit für Sie günstigen Spargeldern gedeckt?
Nedwed: Das Verhältnis zwischen Sparsatz und Hypothekarsatz gilt durch den gesamten Zinszyklus. Im jetzigen Zinsfenster ist der Hypothekarschuldner gut gestellt. Der Sparer hat aber die Möglichkeit zum teilweisen Wechsel in andere Anlageformen.

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Von der Schweizerischen Nationalbank werden bis Jahresende zwei Zinsschritte erwartet. Könnte sich der Run auf die günstigen variablen Hypotheken für die Schuldner bald rächen?
Nedwed: Bis jetzt gibt es keine Anzeichen, dass noch einmal eine Hochzinsphase auf uns zukommt, wie wir sie in den 1990er Jahren erlebt haben. Die Zinsen dürften sich vielmehr seitwärts bewegen. Deshalb wird der Käufer einer variab­len Hypothek über die nächsten paar Jahre nicht schlechter fahren als mit einer Festhypothek.

Heute sorgt eine vom amerikanischen Hypothekenmarkt aus­gehende Krise, die durch steigende Leitzinsen mit verursacht wurde, weltweit für Turbulenzen. Mit Folgen auch für den Schweizer Hypothekarmarkt?
Nedwed: Es stellt sich die Frage, inwiefern Schweizer Banken in die nun notleidenden Vehikel inves­tiert waren…

…war die Migros Bank dort inves­tiert?
Nedwed: Nein, wir haben keine Berührungspunkte mit jenen
Märk­ten. Ich sehe auch keine Parallelen zwischen dem Schweizer Hypo­thekarmarkt und der Subprime-Immobilienkrise in den USA. Die Hypotheken-Risiken bleiben bei uns in den Bankbilanzen und werden nicht weiterverkauft. In den USA wird zudem über Hypotheken der Konsum finanziert - so etwas gibt es hier im Normalfall nicht.

Verlangen Sie nach den Verwerfungen am Kreditmarkt jetzt mehr Sicherheiten von Ihren Hypothekarschuldnern?
Nedwed: Wir werden nichts ändern, denn wir sehen keinen Grund dazu. Wir halten uns an die Belehnungsgrenze von 80% Fremdkapital für Wohnbauhypotheken, das sichert uns ein Polster von 20% in schwierigen Zeiten.

Tatsache ist, dass sich die Schweizer Hypothekenanbieter einen harten Kampf um Marktanteile liefern. Sind sie geradezu gezwungen, höhere Risiken zu nehmen?
Nedwed: Wie dies andere handhaben, darüber können nur Mutmassungen angestellt werden. Die ­Migros Bank hat ihr überdurchschnittliches Wachstum der letzten Jahre durch ihr Vertriebssys­tem und gute Konditionen erzielt und nicht durch eine erleichterte Kreditpolitik.

Aufgrund der Konkurrenz im Hypogeschäft «wildern» Kantonalbanken zunehmend im Gebiet ihrer Schwesterkonzerne. Wie positioniert sich hier die Migros Bank?
Nedwed: Wenn günstige Angebote an den grundsätzlich treuen Kunden einer Kantonalbank herangetragen werden und sich dieser nach aussen hin öffnet, ist dies für uns eine gute Situation. Denn meis­tens schauen sich die Leute ja noch bei anderen Banken um.

Wie schnell wächst Ihr Aus­leihungsgeschäft bis Ende Jahr?
Nedwed: Im Hypothekarbereich würde ich auf Jahresbasis von 6% ausgehen. Derzeit wächst das variable Segment rasch, während die Festhypotheken zurückgehen.

Und wie entwickeln sich die Margen?
Nedwed: Die Zeit der fetten Margen ist sicher vorbei. Bei den Festhypotheken mit einwandfreier Bonität applizieren wir gegenüber dem Libor-Satz 0,5 bis 0,8%.