«Das Gesprächsklima zwischen Markenartiklern und Detailhändlern ist in den letzten Jahren viel härter geworden», erklärt Daniel Meyer, Chef von Kraft Foods Schweiz. Das liege an der Handelsstruktur, die sehr konzentriert sei.

Von den zwei grossen Playern spielt Migros mit ihrem hohen Anteil von über 90% bei den Eigenmarken eine kleinere Rolle als Abnehmer für Kraft Foods. Diese liefert Migros unter anderem den Frischkäse Philadelphia. Eigenmarken produziert Kraft Foods nicht.

Hauptkunde ist Coop

Bleibt als Grossabnehmer und wichtigster Kunde nur noch Coop übrig. Migros ist zusammen mit Tochter Denner der zweitgrösste Kunde des Nahrungsmittelkonzerns. Auch beim Harddiscounter Aldi sind Kraft-Foods-Produkte zu kaufen, etwa Toblerone. Beim Harddiscounter Lidl aber, der im Gegensatz zu Aldi stark auf Marken setzt, sind keine Produkte von Kraft erhältlich.

Verhandlungen mit Lidl

«Mit Lidl haben wir uns nicht gefunden», erklärt Meyer. Dabei sei der Preis nur einer von vielen Faktoren gewesen. «Wir stehen zu unseren Marken, dass sie in unserem Stil verkauft werden. Wir machen nicht alles mit.» Welches die genauen Gründe dafür waren, dass die Verhandlungen mit Lidl im Sand verliefen, will Meyer nicht verraten. «Das sind Interna.» Der Preis an den Handel sei nicht in allen Ländern gleich. «So ist Schokolade in Deutschland für den Handel preiswerter als in der Schweiz zu beziehen. Das ist eine Folge staatlicher Regulierungen», erklärt Meyer.

Anzeige

Länderspezifische Umsatzzahlen gibt der 42 Mrd Dollar schwere US-Konzern nicht bekannt. In der Schweiz wird der Vertrieb seiner Produkte auf knapp 200 Mio Fr. geschätzt. Kraft Foods ist nach Nestlé und Unilever einer der grössten Markenartikellieferanten für Food in der Schweiz.

110 Mitarbeitende arbeiten im Glattpark bei Zürich für das Schweizer Geschäft, dessen Sitz sich am gleichen Ort wie der europäische Hauptsitz von Kraft Foods befindet. In der Schweiz ist Kraft gleich an drei Standorten vertreten. Neben dem Zürcher Glattpark auch in Bern und Zug. In Zug befindet sich Taloca, die Kraft-Handelsgesellschaft für Rohwaren. In Bern steht das weltweit einzige Toblerone-Werk. Dort stellen rund 300 Mitarbeitende die Toblerone her.

Jedes Jahr werden 7 Mrd Zacken produziert. 96% davon gehen in den Export. «Wäre die Schokolade gerecht verteilt, könnte jeder Erdenbürger einen Zacken geniessen», meint Meyer. «Toblerone ist nicht einfach eine Marke. Toblerone ist eine Ikone.» Sie sei die einzige grosse Schokolademarke, die ausschliesslich in der Schweiz produziert werde.

Letztes Jahr hat Toblerone den 100. Geburtstag gefeiert. Dieses Jahr wird der Kraft-Marke Suchard zu ihrem 125-Jahr-Jubiläum eine umfangreiche Ausstellung in Neuenburg gewidmet.

Einzelne Produkte werden ausschliesslich für den Schweizer Markt produziert, etwa Suchard Express oder der Kaffee Jacobs Medaille d’Or. 40% der vertriebenen Produkte in der Schweiz sind Schokolade, ein Drittel Kaffee und der Rest setzt sich aus Käse, Biscuits und Fleischkonserven zusammen.

Gastronomie als Wachstumspfad

Beim Kaffee sei man mit den Marken Mastro Lorenzo und Jacobs unter den Markenartiklern Marktführer in der Schweiz, meint Meyer. Auch mit dem Kapselsystem Tassimo ist er zufrieden, wobei der Abstand zu Nespresso aber noch gewaltig ist. «Wir sind erst seit vier Jahren auf dem Markt, aber gut unterwegs und im Unterschied zu Nestlés Kapselsystem Nespresso frei im Handel zu kaufen.»

Wegen der starken Konzentration im Schweizer Detailhandel setzt Kraft Foods auch auf die Gastronomie. Dort verkauft der Nahrungsmittelkonzern bereits 10% seines Umsatzes