EEin Affront!» Peter Baumgartner, Direktor von Swissholdings, welche die Interessen von über 50 international ausgerichteten Industrie- und Dienstleistungskonzernen in der Schweiz vertritt, äussert sich in der Regel sehr zurückhaltend. Doch auf die Frage, welche Folgen ein allfälliges Verbot von Minaretten für den Investitionsstandort Schweiz hätte, macht er aus seinem Herzen keine Mördergrube. «Die Mitglieder von Swissholdings beobachten die Entwicklung mit grosser Sorge und befürchten im Falle eines Ja harsche Reaktionen aus den islamischen Ländern. Vor allem wenn diese Reaktionen konzentriert erfolgen, könnte es für unsere Wirtschaft durchaus ernsthafte Probleme geben.»

Ansehen gefährdet

Mit dieser Aussage erinnert Baumgartner an die Folgen, die der Streit um Mohammed-Karikaturen 2006 für Dänemark hatte. Die dänische Volkswirtschaft erlitt nach Angaben des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse einen Schaden von umgerechnet 1,5 Mrd Fr. Mehrere islamische Länder hatten den Import von Waren aus Dänemark verboten.

Mit ähnlichen Reaktionen rechnet Christoph Lindenmeyer, Mitglied der Konzernleitung der Schindler Management AG in Ebikon LU und Vorstandsmitglied von Swissmem, falls die Anti-Minarett-Initiative angenommen würde. «Dies könnten offizielle Boykotte, vor allem aber auch stille Boykotte von Schweizer Produkten und Unternehmen sein», erklärt Lindenmeyer gegenüber der «Handelszeitung». Zudem würde die Geschäftsabwicklung «massiv erschwert». Weiter befürchtet Lindenmeyer, dass das hohe Ansehen, das die Schweiz und ihr politisches System in den islamischen Ländern geniessen, «erheblich» gestört würde. Dazu zählt er auch die «generell guten Beziehungen» zwischen der Schweiz und dem islamischen Raum.

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Lindenmeyer engagiert sich zusammen mit anderen Unternehmern und Managern im Rahmen der Economiesuisse-Kampagne öffentlich gegen die Minarett-Initiative. Mit ihm auch Hanspeter Rentsch, Mitglied der Konzernleitung der Swatch-Gruppe, der sagt: «Die Initiative widerspricht den von uns hochgehaltenen Tugenden und den über Jahrhunderte entwickelten Grundwerten.» Gegen die Initiative spricht sich auch Bernard Rüeger aus. Der CEO des Messgeräteherstellers Rüeger in Crissier VD macht sich Sorgen um den religiösen Frieden in der Schweiz: «Ein Klima des Argwohns und der Feindseligkeit wäre für die Schweiz, für unseren Ruf und unsere Wirtschaft sehr schädlich.»

«Die Marke ‹Schweiz› ist in Gefahr»: So lautet der Tenor der Economiesuisse-Kampagne gegen die Minarett-Initiative. Mitgetragen wird sie vom Arbeitgeberverband sowie von Organisationen, welche die Interessen stark exportorientierter Branchen vertreten, so Hotelleriesuisse oder die Schweizerische Bankiervereinigung.

Bankiers schweigen

Während die Präsidenten von Economiesuisse (Gerold Büh- rer), Arbeitgeberverband (Rudolf Stämpfli) und Hotelleriesuisse (Guglielmo L. Brentel) ihre Meinung öffentlich kundtun, will sich die Spitze der Bankiervereinigung nicht weiter exponieren. Auch die Genfer Privatbankiers sowie die Stiftung Finanzplatz Genf verstecken sich hinter der Kampagne von Economiesuisse. Und die Arabisch-Schweizerische Handelskammer mit Sitz in Genf liess schliesslich gegenüber der «Handelszeitung» verlauten: «Da es sich um eine politische Angelegenheit handelt, möchten wir keine Stellungnahme abgeben.»

Für sie holten vor Monatsfrist Vertreter von Stadt und Kanton Genf die Kastanien aus dem Feuer. «10000 Arbeitsplätze in Genf sind direkt von unseren guten Beziehungen zu den islamischen Ländern abhängig», sagte der Genfer Volkswirtschaftsdirektor François Longchamp an einer Medienkonferenz. Aufatmen könne die Rhone-Stadt erst, wenn die Minarett-Initiative hier mit mehr als 60% Nein-Stimmen abgelehnt würde.