Trotz des Milliardenverlustes erhalten die Private Banker der UBS in diesem Jahr nicht weniger Bonus als im Vorjahr. Die Grossbank sieht sich nach eigenen Angaben gezwungen, «Marktsaläre zu bezahlen». Sie will damit verhindern, dass ihre Kundenberater zu Konkurrenzbanken abwandern.

Dies ist nur ein Zeichen dafür, dass der Wettstreit um die besten Talente in der Private-Banking-Branche tobt. «Dieser Kampf wird sich noch zuspitzen», erwartet Nicolas Pictet, Partner der gleichnamigen Genfer Privatbank. Das Gehalt sei dabei nicht der wichtigste Faktor, vielmehr sei das Ansehen der Bank entscheidend.

Gemäss einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) bleiben Mitarbeiter in der Tat vor allem wegen guter Beziehungen zum Management, der Firmenkultur und der Karrieremöglichkeiten bei ihrem Arbeitgeber. Nur bei rund 12% der Stellenwechselnden war die Höhe des Gehalts ausschlaggebend. Das Bezahlen von hohen Salären reicht also für eine Privatbank nicht aus, um die talentiertesten Mitarbeiter zu gewinnen. Sie muss auch zu den bevorzugten Arbeitgebern in der Branche gehören. Sie braucht also zum Beispiel eine starke Marke.

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«Hinter dem Kampf um die besten Private Banker stehen ambitiöse Wachstumsstrategien der Privatbanken», meint Andreas Zingg, Head Human Resources der Bank Julius Bär. Denn die Anzahl neuer Kundenberater sei der wichtigste Wachstumstreiber einer Privatbank. Die Zahl der neu eingestellten Kundenberater hat sich denn auch bereits zu einer wichtigen Kennzahl entwickelt, die von Analysten aufmerksam verfolgt wird.

Die Anforderungen an die Kundenberater sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. «Das Private Banking hat sich zu einer Branche entwickelt, deren Komplexität dem Investment Banking heute in nichts nachsteht», urteilt Peter Braunwalder, CEO HSBC Private Bank (Suisse) SA.

Heutzutage müssten Kundenberater im Private Banking in der Lage sein, sämtliche verfügbaren Anlagemöglichkeiten zu verstehen, mit Zahlen umzugehen, auf der Grundlage moderner Anlageverfahren ein Portfolio zu bilden, und zugleich über die sozialen Fähigkeiten verfügen, um Kundenbeziehungen aufzubauen und zu pflegen. Dafür ist eine solide Aus- und Weiterbildung unerlässlich.

Da die Private-BankingBranche auch viele junge Talente anzieht, wurden bereits spezielle Programme für Universitätsabgänger geschaffen. Diese lehnen sich an die Restrukturierungssysteme der Investmentbanken an.