Im Laufe der letzten zehn Jahre hat sich China als dominierender Akteur auf den Märkten für Industriemetalle etabliert. Basierend auf einem realen Wirtschaftswachstum von fast 10% im Mittel der letzten Dekade stieg der Bedarf an Industriemetallen enorm an. Wesentliche Ursachen sind der Ausbau der Infrastruktur einerseits und die Urbanisierung des Landes andererseits. Beide Faktoren münden in einem stetig wachsenden Bedarf an Immobilien, Strassen, Eisenbahnlinien und nicht zuletzt an Energie (siehe Kasten).

Zögerlicher Rest der Welt

Ausserhalb Chinas hingegen ist bislang noch keine deutliche Erholung der Metallnachfrage feststellbar. Natürlich hat sie sich gegenüber den extremen Krisenniveaus vom Februar 2009 erholt, doch liegt sie derzeit immer noch um circa 16% unter dem Niveau, das zum Jahresende 2007 erreicht wurde. Diese Beobachtungen decken sich sehr gut mit den aktuellen Statistiken zur Industrieproduktion oder den Bauausgaben in Europa und den USA, die sich ebenfalls noch auf vergleichweise tiefen absoluten Niveaus bewegen. Ein Blick auf die jährlichen Wachstumsraten liefert hier eine trügerisch optimistische Aussicht, da die diesjährigen Niveaus mit den extremen Krisenniveaus des Vorjahres verglichen werden.

Vor diesem Hintergrund gestaltet sich ein Ausblick für die Industriemetalle als schwierig. Es bestehen grosse Unsicherheiten sowohl im Bezug auf die Nachhaltigkeit der chinesischen Metallnachfrage als auch im Bezug auf die Erholung der US-amerikanischen und europäischen Volkswirtschaften. Weiterhin muss kritisch hinterfragt werden, welchen Einfluss Finanzanleger auf die 120%ige Preisrally der Industriemetalle seit dem Tief im Februar 2009 ausgeübt haben. Angesichts rekordtiefer Zinsen und der Gelegenheit, günstig in eine künftig wohl wieder knappe Ressource einsteigen zu können, wurden Anleger nahezu «gezwungen», in Metalle zu investieren.

Anzeige

Nun bewegen sich die Preise auf Niveaus, die in den Boomjahren 2006 und 2007 erreicht wurden. Im Licht einer erwartet holprigen Erholung der globalen Wirtschaft und deutlich erhöhter beobachtbarer Lagerbestände weltweit ist solch eine dynamische und gleichzeitig schwankungsarme Aufwärtsbewegung nur schwer fundamental zu rechtfertigen.

Enttäuschungen möglich

Nun wäre es an der Realwirtschaft, diese Erwartungen zu erfüllen. Enttäuschungspotenzial ist gegeben. Aus unserer Sicht reflektieren die aktuellen Preise der Industriemetalle nicht das fundamentale Umfeld. Jedoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Preise auf der Welle der Euphorie weiter nach oben gespült werden. Solche Bewegungen würden wir als rein spekulativ charakterisieren. Als Wendepunkt könnte sich ein - jetzt noch nicht absehbarer - Zinserhöhungszyklus erweisen.