Am 14. Januar, dem Tag vor dem Ende des Mindestkurses, hat Kuoni angekündigt, dass man sich nach über 100 Jahren aus dem Reiseveranstalter-Geschäft zurückziehen will. Nur fünf Monate später ist bekannt, wer sich die dickste Scheibe vom Kuchen abschneiden kann. Das europäische Tour Operating Geschäft geht an den deutschen Detailhandelsriesen Rewe.

Kuoni hat die selbstgewählte Schrumpfung damit schneller als geplant vollzogen. Konzernchef Peter Meier zeigt sich entsprechend zufrieden. «Es ist für uns wie für den Käufer eine wichtige Transaktion», so Meier, «für uns war entscheidend, dass wir einen grossen Block auf einmal verkaufen können.»

Tiefer Verkaufspreis

Dass dabei anderenorts Kompromisse eingegangen wurden, ist klar. Der Verkaufspreis, den die beiden Parteien nicht bekanntgeben wollen, wird von Analysten weit tiefer geschätzt, als im Vorfeld erwartet werden konnte. Laut einer Analyse der ZKB dürfte der Erlös nur 120 bis 130 Millionen Franken betragen. Auch Vontobel schätzt den Preis in dieser Grössenordnung. Angestrebt war laut ZKB ein Erlös von 200 Millionen Franken. Auch wenn hier das China- und Indien-Geschäft mitgerechnet ist, das Rewe beseite lässt, ist das Verkaufsziel vermutlich nicht erreicht worden.

Kuoni-Chef Meier will die kolportierten Zahlen nicht kommentieren. Man hätte sich für ein Paket entschieden, bei dem der Kaufpreis nur eine von mehreren Variablen sei. «Der Verkaufspreis alleine wäre wenig aussagekräftig, denn die Bedingungen sind ebenso entscheidend.» Insgesamt, so sagt Kuoni, werde der Verkauf das Ergebnis des Schweizer Konzerns mit 180 Millionen Franken belasten.

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Viel Goodwill abgeschrieben

In die 180 Millionen Franken einbezogen sind saisonal bedingte Verluste von geschätzten 50 Millionen Franken, sowie die Kosten für den Verkaufsvorgang, die sich auf 20 Millionen Franken belaufen dürften. Rund 110 Millionen Franken soll nach Einschätzung von Analysten eine Wertberichtigung auf dem Goodwill gekostet haben. Das heisst, dass die Marke Kuoni doch weniger wert ist, als im Januar gedacht wurde. Mitgespielt habe dabei unter anderem der starke Franken, sagt Meier.

Die hohen Sonderkosten wertet die Bank Vontobel jedenfalls als negative Überraschung. Auch die Börse hat nicht euphorisch auf die heutige Neuigkeit reagiert. Die Kuoni-Aktie stieg bis um 15.40 Uhr um 1,26 Prozent und stand damit sogar weniger im Plus als der Gesamtmarkt SPI (plus 1,3 Prozent). Am Morgen hatten die Papiere zunächst massiv zugelegt, um danach wieder nachzugeben.

Name bleibt langfristig erhalten

Ob Kuoni letztlich tatsächlich zu billig verkauft hat, ist im Moment nicht zu entscheiden. Klar ist aber, dass Rewe mit der Transaktion auch die langfristigen Nutzungsrechte am Namen Kuoni erwirbt. «Man wird noch von der Marke Kuoni im Zusammenhang mit Reisen sprechen, wenn Sie lange nicht mehr im Arbeitsleben stehen», so Meier zu den versammelten Journalisten an der Pressekonferenz.

Dass das Namensrecht auf 50 Jahre vergeben wurde, sei «keine schlechte Schätzung», so Meier auf Nachfrage. Gleichzeitig wird auch die bisherige Kuoni Group weiterhin unter dem Namen agieren. Ein Problem sehen die Exponenten darin aber nicht. «Wir haben keinerlei Interesse die Marke zu ändern», sagt Sören Hartmann, Chef von DER Touristik, der Tourismussparte von Rewe. «Die Marke Kuoni ist in der Schweiz und auch in Grossbritannien sehr stark».

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Ergänzende Märkte

«Für uns ist es ein riesiger Schritt», unterstreicht Sören Hartmann, die Bedeutung der Transaktion. «Der Kauf entspricht unserer Wachstumsstrategie.» Mit dem Kauf des Veranstaltergeschäfts in der Schweiz, Grossbritannien, Skandinavien und Benelux übernehmen die Deutschen 2350 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Franken, was einem Zuwachs von mehr als 40 Prozent entspricht.

Für Rewe entscheidend seien dabei die sich ergänzenden Märkte. Während DER Tourismus heute in Deutschland, Österreich und in Osteueropa stark ist, ist der Veranstalter hierzulande beinahe unbekannt, ebenso wie in den anderen zugekauften Ländersparten. Überschneidungen, die einen Stellenabbau bewirken könnten, seien deshalb kaum zu erwarten, «auch wenn man dazu im Moment noch nichts genaueres sagen kann.»

Einheiten bleiben eigenständig

Klar ist indes bereits, dass die einzelnen Einheiten wie Kuoni Schweiz oder Apollo in Skandinavien eigenständig und unter bisherigem Namen weiterbetrieben werden. Rewe sehe weiter grosses Wachstumspotential im Reiseveranstalter-Business, sagt Hartmann. Dass Kuoni diesen Unternehmensteil abstossen wolle, bedeute nicht, dass das Geschäft tot sei. «Während Buchungen im Reisebüro tatsächlich am sinken sind, wächst der Premium-Bereich weiter.»

Kuoni hatte im Januar überraschend bekannt gegeben, dass man sich bis Ende 2015 aus dem Reiseveranstaltergeschäft zurückziehen werde. Mit Rewe konnte nun für einen grossen Teil der Sparte ein Käufer gefunden werden. Weiter offen ist der Verkauf der Aktivitäten in Hongkong/China und Indien. Auch hier soll die Suche nach einem neuen Eigentümer noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Der Deal mit Rewe steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden und soll nach dem Willen der Konzerne im August oder September vollzogen werden.

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Kuoni-Chef Peter Meier im Interview über den Verkauf: