Der Verkauf des ehemaligen Hauptsitzes des Pharmakonzerns Merck Serono wird zum Fall für die Justiz. Zwei unterlegene Interessenten für das Areal fühlen sich getäuscht und fordern eine Entschädigung.

Der Genfer Milliardär Ernesto Bertarelli und der Berner Unternehmer Hansjörg Wyss haben im Mai den Zuschlag für den Gebäudekomplex erhalten. Sie wollen an dem Standort ein Forschungs- und Technologiezentrum aufbauen. Der Immobilienentwickler Daniel Klein hatte sich zusammen mit dem Unternehmer Pierre-Alain Blum und dem britischen Investmentfonds Apollo ebenfalls um das Objekt beworben.

Nun werfen sie Merck Serono vor, ihnen wichtige Informationen über die Verwendung des Areals vorenthalten zu haben. So habe sie Merck Serono im Glauben gelassen, dass der Komplex zu 69 Prozent mit Büros besetzt hätte werden können. Tatsächlich ist dieser Anteil auf 41 Prozent begrenzt. Hätten sie das gewusst, hätten sie sich womöglich gar nicht um einen Kauf beworben, sagten sie gegenüber der Tageszeitung «Tribune de Genève». So jedoch hätten sie schliesslich ein Gebot über 290 Millionen Franken für das Objekt abgegeben. Wie viel Bertarelli und Wyss bezahlten, ist nicht bekannt. 

Jetzt fordern die unterlegenen Interessenten vor dem erstinstanzlichen Gericht in Genf die Rückerstattung ihrer Kosten, die sie auf 200'000 Franken ansetzen. Diese Forderung weist Merck Serono zurück. «Diese Anschuldigungen sind absurd und unbegründet», sagte Verwaltungsratspräsident François Naef am Rande eines Pressefrühstücks gegenüber der Nachrichtenagentur sda. und weiter: «Wir werden uns vor Gericht verteidigen und sind zuversichtlich.» Man habe die Meinungsverschiedenheit mit Klein und Blum aussergerichtlich zu regeln versucht, habe aber keine Einigung erreicht.

Das Unternehmen ist überzeugt, seine Pflichten eingehalten zu haben. «Wir haben den potenziellen Käufern alle Informationen in transparenter Weise zur Verfügung gestellt», sagte Naef.

(muv/chb/sda)

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