Novartis erhält Konkurrenz der etwas anderen Art. Der ebenfalls am Rheinknie ansässige Pharmakonzern Roche will sich wie Novartis einen neuen Hauptsitz gönnen. Zwischen 2009 und 2012 sollen dafür rund 550 Mio Fr. investiert werden. Das neu gestaltete Gelände im Wettstein-Quartier soll 2400 Arbeitsplätze bieten. Novartis ist bereits seit 2001 daran, sich im Norden der Stadt einen neuen Hauptsitz zu erstellen. Dieser Campus wird bis 2012 weitgehend fertig gebaut sein, mittelfristig 10000 Arbeitsplätze umfassen und rund 2 Mrd Fr. kosten (siehe rechts).

Erdbebensicherer «Bau 1»

Markantester Bestandteil der Baupläne von Roche ist ein 154 m hohes Bürohochhaus, der sogenannte «Bau 1». Er soll 42 Stockwerke umfassen, erdbebensicher sein und unter anderem ein Besucherzentrum und ein Auditorium enthalten. «Bei sämtlichen Neubauten legt Roche neben den betrieblichen Erfordernissen wiederum grossen Wert auf die Kontinuität ihrer qualitativ hochstehenden und bekannten Industriearchitektur», sagt Matthias Baltisberger, Leiter des Roche-Standortes Basel. Ebenso wichtig sei aber auch die energieffiziente Minergie-Bauweise.

Skeptiker bemängelten bereits, dass dieser «Turm zu Basel» ein Symbol für die hohen Preise sei, die Roche für ihre Medikamente gegen Krebs verlange. Architekt Pierre de Meuron vom international bekannten Büro Herzog & de Meuron bestreitet dies allerdings. Die Höhe des Gebäudes habe sich durch die beschränkten Platzverhältnisse ergeben. Und hinter der doppelten Spirale, die dem Gebäude seine Form gebe, stehe ein von Auftraggeberin Roche gewünschter Arbeitsablauf: Entlang von zwei geschwungenen Treppen sollen die Angestellten leichter über die Stockwerke hinweg kommunizieren können, erklärte de Meuron der Zeitschrift «Magazin».

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Daniel Vasella, CEO und VR-Präsident von Novartis, sieht keine Gefahr, dass der neue Roche-Hauptsitz die Wahrnehmung des neuen Sitzes von Novartis beeinflussen werde: «Es zeigt vielmehr, dass die Region Basel für beide Pharmafirmen ein attraktiver und wichtiger Standort ist.»

Herzog & de Meuron waren auch für die Erweiterungsbauten der Helvetia-Versicherung in St. Gallen verantwortlich. Jetzt finden dort rund 500 Mitarbeiter Platz. Die Erweiterungsbauten seien eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Hauptsitzes aus den 70er Jahren. «In der Architektur offenbart sich eine Dynamik in der Wechselwirkung zwischen Offenheit, Sicherheit und Nachhaltigkeit», sagt Sprecherin Sindy Schmiegel. Dies werde etwa durch den der Allgemeinheit zugänglichen Garten sichtbar.

Nachbarschaft und Steuern

Ähnlich argumentiert Andreas Schmidt, Sprecher von Merck Serono in Genf: «Unser Hauptsitz musste innovativ und umweltfreundlich sein und für die Nachbarschaft sympathisch erscheinen. Vor allem aber muss er die Prozesse und die Unternehmenskultur fördern.» Die Pharma- und Biotechsparte Merck Serono der deutschen Pharmafirma Merck sei bewusst in Genf angesiedelt worden. Investiert wurden 350 Mio Fr.; im neuen Gebäude finden 1100 Angestellte Platz. Erstellt wurde das Gebäude vom US-Architekturbüro Murphy/Jahn, zu dessen bisherigen Aufträgen auch das Berliner Sony Center oder der EU-Hauptsitz in Brüssel gehören.

Ganz pragmatisch sieht es Stephan Michel, Sprecher der CSS. Die Krankenversicherung investierte rund 90 Mio Fr. in ein neues Hauptgebäude. Die Qualität des Standortes Luzern sei in Ordnung. Aber: «In Bezug auf das Steuerniveau werden weitere Anpassungen an das zum Teil bedeutend tiefere Steuerniveau der umliegenden Kantone erwartet», so Michel.

 

 


40 Millionen Franken für das «wohl modernste Büro der Ostschweiz»

Edgar Oehler ist der Meinung, dass seine Arbonia-Forster-Holding seit Ende Februar dieses Jahres «endlich ein Gebäude hat, das dem Begriff Konzernsitz entspricht.» Für 40 Mio Fr. gönnte sich CEO, VR-Präsident und Mehrheitsaktionär Oehler mit dem neuen Corporate Center seines Unternehmens das «wohl modernste Bürogebäude der Ostschweiz». Nun müsse er sich nicht mehr schämen, Gäste zu empfangen, schmunzelte er an dessen Eröffnung. Im neuen Gebäude arbeiten 250 Angestellte.

Auch Valentin Chapero, CEO des Hörgeräteherstellers Sonova, will rund 40 Mio Fr. für Bautätigkeiten in die Hand nehmen. Sonova wird bis Ende 2009 den Firmensitz in Stäfa ZH ausbauen. Und zwar mit einem neuen Fertigungs- und Technologiezentrum, das rund 300 Arbeitsplätze umfassen und das weitere Wachstum der Firma bewältigen soll. Geplant seien auch eine Kinderkrippe und ein Fitnesszentrum. «Dies sind Angebote, die unserer Auffassung eines modernen Arbeitgebers entsprechen», begründet Chapero.

Tiefer als geplant in die Tasche greifen muss Jean-Paul Clozel, CEO der Biotech-Firma Actelion. Weil das Unternehmen aus allen Nähten platzt, entsteht direkt neben dem Firmensitz bis 2010 ein Erweiterungsbau. Dessen Kosten wurden zuerst auf 100 Mio Fr. veranschlagt. Wegen der «Bauteuerung» muss Clozel nun aber mit rund 120 Mio Fr. rechnen.(han)