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Bestechungsaffäre
Havelange tritt bei Fifa zurück

João Havelange: Joseph Blatters Ziehvater tritt zurück. Gelohnt hat sich das «Engagement» für den Brasilianer. (Bild: Keystone)

Der Fifa-Ehrenpräsident hat illegal kassiert, jetzt kommt er seiner Absetzung zuvor. Joseph Blatter muss die Ethikkommission derweil nicht fürchten. Die «Handelszeitung» deckte den Fall 2012 auf.

Veröffentlicht am 30.04.2013

João Havelange ist als Ehrenpräsident der Fifa zurückgetreten. Das berichtet die Nachrichtenagentur DPA. Der Brasilianer hatte den Fussball-Weltverband von 1974 bis 1998 geführt. Anschliessend wurde Havelange zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Wie aus dem nun veröffentlichten Abschlussbericht der Fifa-Ethikkommission zur Bestechungsaffäre um die mittlerweile bankrotte Vermarktungsagentur ISL hervorgehe, habe Havelange den Titel zum 18. April abgegeben, schreibt die Nachrichtenagentur weiter. Der 96-Jährige sei damit einer drohenden Aberkennung der Ehrenpräsidentschaft zuvor gekommen, über die die Fifa beim Kongress am 30./31. Mai auf Mauritius entscheiden sollte.

Der aktuell höchste Fussball-Funktionär der Welt, Joseph Blatter, sei in dem Untersuchungsbericht derweil freigesprochen worden, heisst es weiter. «Gemäss Einstellungsverfügung haben sich keine Hinweise ergeben, dass Präsident Blatter Provisionszahlungen von ISL, ihrem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Jean-Marie Weber oder von anderen erhalten hat», zitiert DPA.

Geschmierte bereits 2012 enttarnt

Den Bericht von Hans-Joachim Eckert, Vorsitzender der Ethikkomission, stellte die Fifa ins Internet. Darin ist zu lesen, wie über ein komplexes juristisches Konstrukt mit Tochtergesellschaften und Stiftungen im Fürstentum Liechtenstein Millionen auf die Konten «Begünstigter» geflossen sind. Diese «Neuigkeit» der Fifa hatte die «Handelszeitung» bereits letztes Jahr enthüllt. Der Weltfussballverband wehrte sich mit Händen und Füssen gegen eine Veröffentlichung entsprechender Gerichtsakten, die Havelange und Co. entlarvten.

Die Begünstigten waren Ex-Fifa-Präsident João Havelange, sein Schwiegersohn Ricardo Teixeira sowie Nicolás Leoz. Diese hätten «ohne erkennbare Gegenleistung» Geld erhalten, offenbar über Scheinfirmen, um den wahren Empfänger zu verschleiern, schreibt die Fifa heute.

Kritisch hinterfragt werden muss, ob Blatter in den Jahren vor dem Konkurs der ISL wusste oder hätte wissen müssen, dass die ISL an andere Fifa-Offizielle Zahlungen (Schmiergeld) getätigt hat, heisst es in dem Bericht. «Der Fall ISL ist für die Ethikkommission abgeschlossen.» Auch über Blatters Rolle in dem Fall hatte die «Handelszeitung» bereits 2012 berichtet: «Hohe Millionenzahlungen an Funktionäre - Blatter wusste es».

(tno/aho/chb)

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