Mit dieser Ohrfeige hat das Glencore-Management wohl nicht gerechnet: An der Generalversammlung des neuen Rohstoffkonzerns Glencore Xstrata bestätigten die Aktionäre den amtierenden Präsidenten John Bond nicht im Amt. Das zwang den einstigen HSBC-Chef zum Rücktritt. 

Die Hintergründe der Aktionärsrevolte bleiben zwar im Dunkeln. Dennoch hält es der Zürcher Headhunter Bernhard Bauhofer für denkbar, dass ein interner Machtkampf mit dem «übermächtigen Ivan Glasenberg» in Bezug auf die strategische Ausrichtung des fusionierten Konzerns an der Hauptversammlung in Zug gipfelte.

Aktionäre wollten ein Zeichen setzen

Zudem ist Bauhofer im Gespräch mit handelszeitung.ch der Ansicht, dass John Bond als «einer der besten Banker bei HSBC» und gleichzeitig als «Branchenfremder» aus Sicht der Aktionäre als Präsident bei Glencore Xstrata nicht mehr länger tragbar war.

Diese Erklärung hält Branchenkollege Thomas Biland für plausibel. «Die Kumulation von exorbitanten Löhnen und Boni sowie die öffentliche Diskussion um Transparenz und Umweltfragen in der Rohstoffbranche haben wohl dazu geführt, dass die Aktionäre von Glencore ein Zeichen setzen wollten», fügt er hinzu.

«Eine Reputationshypothek»

Neben der Abwahl von John Bond sorgt bei den Headhuntern ebenfalls die Wahl seines Nachfolgers - des ehemaligen BP-Konzernchefs Anthony Hayward - für Gesprächsstoff. Die Ernennung des Briten zeige laut Bernhard Bauhofer, dass die «Seilschaften in der Branche offensichtlich bestens funktionieren». Das ändere jedoch nichts daran, dass es sich um eine Fehlbesetzung handle. «Seine Ernennung ist eine Reputationshypothek für Glencore Xstrata», sagt der Headhunter. 

Auch Thomas Biland kann die Ernennung von Hayward nicht nachvollziehen. «Es braucht keinen Manager, der selbst über eine angeschlagene Reputation verfügt». Zur Erinnerung: Nach der Ölkatastrophe vor dem Golf von Mexiko im Jahre 2010 musste der damalige BP-Chef Anthony Hayward aufgrund der anhaltenden Kritik an seinem Krisenmanagement den Rücktritt erklären. 

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Glencore braucht ein neues Image

Die beiden Personalvermittler fordern den Rohstoffkonzern dazu auf, nach dem Eklat an der Generalversammlung die Lehren aus der Reputationsproblematik zu ziehen. «Glencore Xstrata sollte ein Exekutiv-Kommitee im Bereich Issue Management ins Leben rufen, das sich mit den sensitiven Themen im Bereich Governance und Nachhaltigkeit aktiv beschäftigt», sagt Bernhard Bauhofer.  

In jedem Fall müsse Glencore Xstrata darauf achten, dass innerhalb des neu fusionierten Konzerns eine einheitliche Kultur entstehe - und diese müsse durch «Offenheit gegenüber kritischen Anspruchsgruppen» und einer hohen Sensibilität gegenüber Reputationskrisen geprägt sein.