Harley-Davidson (HD), der erfolgreichste Hersteller bei den Hubraumriesen über 750 cm3, hilft mit, dass der Motorradmarkt in der Schweiz auf hohem Niveau verharrt, ja noch leicht wächst. In den letzten fünf Jahren haben sich die Verkaufszahlen um über 1000 Einheiten erhöht. Das Rezept der Amerikaner ist einfach. Man braucht keine Tattoos zu haben, keine Wampe um die Taille zu schwingen und erst recht keine Lederkleidung zu tragen, um sich auf einem der traditionsreichen Cruiser zurecht zu finden. Harley-Davidson setzt auf antiquierte luftgekühlte Motoren, viel Chrom und originelle Optik. Und alle fünf Jahre ein Sommerfest.

Unterwegs im Harley-Geburtsland

Milwaukee (USA): 105 Jahre Harley-Davidson ist Grund genug, dass der US-amerikanische Hersteller in die Marketing-Trickkiste greift und eine Partywoche in der Heimatstadt der legendären Bikes organisiert. Das Sommerfest ist eine Riesenfete, mit einer Zahl Bikes, wie sie sonst nirgendwo auf dieser Welt - auch nicht auf Motorradausstellungen - anzutreffen ist. Nummernschilder aus ganz Amerika zieren die Hecks von Zehntausende, grossvolumigen Zweizylinder-Maschinen. Fans aus der ganzen Welt sind angereist, um die mannigfaltigen V-Twins zu bestaunen und sich notabene mit diesen ablichten oder filmen zu lassen.

Mit 105 Jahren Tradition aus dem Land des Star Spangled Banner ist Harley denn auch die Ikone am Motorradhimmel. Unglaublich, wie viele Männer und Frauen aus allen Schichten, Berufen und Nationalitäten sich eine Harley angelacht haben.

Unterwegs auf einem Harley-Sattel ist Cruisen angesagt. Es geht nicht um Geschwindigkeit oder Beschleunigung, sondern vielmehr um Lebensgefühl - um einen Kult, welchen schon Easy-Rider-Star Peter Fonda zelebrierte. Unheimlich fit war auch der alternde Rockstar Bruce Springsteen, welcher über drei Stunden live am Shore des Michigansees im Staat Wisconsin Tausende von Fans zum Mitrocken animierte.

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Die Eröffnung des hauseigenen Museums war ein weiterer Höhepunkt des Programms. Die Geschichte der vergangenen 105 Jahre aus der Sicht des grössten und bedeutendsten Motorradherstellers der USA erlebt der Besucher hautnah. Von der ersten Silent Grey bis zum aktuellen Modelljahr 2009 sind die unterschiedlichsten HD-Modelle vertreten. Das Museum wurde nach den neuesten museums-pädagogischen Erkenntnissen aufgebaut. Auf Unnötiges oder gar Uninteressantes wurde verzichtet. Dafür wird interaktiv agiert. Die Besucher des modernen Museums können ihr Wunschbike mittels Computer zusammenstellen oder virtuell durch pittoreske Landschaften Nordamerikas streifen.

Eine der Neuheiten ist das völlig frisch konstruierte Fahrwerk für die Touring-Modellpalette, welches für optimierte Fahreigenschaften, noch mehr Fahrkomfort sowie eine höhere Zuladung sorgt. Trotz des neuen Rahmens ist das typische Design der legendären Touring erhalten geblieben. Anhand der Road King darf man festhalten, dass der gummigelagerte Twin (1584 cm3) sich im neuen Rahmen äusserst wohl fühlt - so wie der Fahrer, welcher seinen Auftritt in den USA zu geniessen scheint. Da keine gesetzlichen Vorschriften für passende Schutzkleidung oder einen Helm vorhanden sind, wird mancher Biker dazu verleitet, fahrlässig - nur mit einer Sonnenbrille «geschützt» - die eine oder andere Fahrt anzutreten.

368 Kilo sind kein Pappenstiel

Es ist herrlich, den Wind auf der Haut zu spüren und durch die Haare wehen zu lassen. Die Road King hat einen sehr stabilen Kurs und lässt sich nicht davon abbringen. Kurven werden erstaunlich gut gemeistert, auch solche, welche zu schnell angefahren werden. In Schräglage ist der 368 kg schwere «König der Strassen» sicher zu lenken. Entspanntes Fahren wird dank der serienmässigen Cruise Control gewährt. Je 32 l fassen die beiden Koffer, und mit dem 22,7-l-Tank ist auch ein Vorankommen ohne allzu viele lästige Tankstopps gewährleistet. Etwas zu träge ist hingegen die Beschleunigung mittels des problemlos zu schaltenden 6-Gang-Getriebes ausgefallen. Hier wünscht man sich mehr Power, trotz 82 Pferdestärken.

Das Drive by Wire - zu Deutsch elektronisches Gas - verspricht eine präzise und schnelle Gasannahme, was wir allerdings nicht bestätigen können. Inzwischen haben zudem auch die Amerikaner erkannt, dass ein ABS-Bremssystem ein erstrebenswertes Need to have ist. Die schwere Road King lässt sich somit bei weniger griffiger Unterlage - so auch bei Nässe - sicher und schnell zum Stillstand bringen. Der tiefen Sitzposition (715 mm) verdanken die Fahrer eine beachtlich leichte Manövrierfähigkeit. Auch bei langsamem Einparken ist man immer Herr der Lage.

Als Gesamteindruck darf man festhalten, dass Harley noch nie bessere Motorräder gebaut hat als heute. Halt wie schon früher mit viel Chrom, hohem Image und einem immensen Spassfaktor. Dank 24 Monaten Garantie ohne Kilometerbeschränkung, einer hervorragenden Serienausstattung und einem Verkaufspreis ab 28000 Fr. wird die Road King viele Fans zu begeistern wissen. Auch in der Schweiz.