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Luftfahrt
Hebt der strittige Ruag-Flieger endlich ab?

Dornier 228NG: Bislang wurden 14 Stück verkauft, etwa für Küstenwachen.  Ruag

Das Schweizer Flugzeug Do228NG fliegt. Doch die Verkäufe lahmen. Hersteller Ruag wird darum hart kritisiert. Jetzt könnte das Projekt aber vor der Wende stehen.

Von Stefan Eiselin
am 16.07.2014

Lange war es kein Einkommensstrom, sondern ein Rinnsal. Nur sehr sporadisch konnte die Ruag Bestellungen für ihr Flugzeug Dornier Do228NG einsammeln, von dem sie sich so viel erhoffte. Dabei soll das 19-plätzige Passagier- und Einsatzflugzeug «nachweisbar das leistungs­fähigste und modernste auf dem internationalen Markt» sein, wie der Rüstungskonzern des Bundes selbst schreibt.

Nur gerade sechs Order kamen zwischen der Neulancierung des Fliegers Ende 2010 und Ende November 2013 herein. Zwei Maschinen wurden nach Japan verkauft, eine nach Norwegen, eine nach Deutschland und zwei nach Bangladesch. Zwei pro Jahr verkaufte Exemplare waren zuwenig, um von der Do228NG als Erfolg sprechen zu können.

«Man kann damit keinen Rappen verdienen»

Die Nachricht von vergangenem Dezember war deshalb für die Manager des Bundeskonzerns regelrecht eine Erlösung. Die Regierung Venezuelas orderte auf einen Schlag gleich acht Stück der Do228NG. Auch Schulungen, Ersatzteile und Ausrüstung für den Support am Boden kann die Ruag Caracas in Rechnung stellen. «Wir sind sehr stolz, dass wir die venezolanische Regierung dabei unterstützen können, Reisen in abgelegene Gebiete zu fördern», kommentierte damals Ruag-Manager Thomas K. Schilliger.

Bekommt die Ruag also endlich Recht? Viele hatten die Übernahme des bayerischen Werks Oberpfaffenhofen des insolventen Flugzeugkonzerns Fairchild Dornier mitsamt der Do228 im Jahr 2003 heftig kritisiert. Die wenigen Bestellungen werteten sie in der Folge als Beleg für ihre Meinung. Pilatus-Präsident Oskar Schwenk meinte beispielsweise in einem Interview mit der «Handelszeitung»: «Wir prüften eine Übernahme. Schnell stellte ich fest, dass man damit keinen Rappen verdienen kann. Die dort hergestellte Do228 war einmal ein gutes Flugzeug. Doch ihre Zeit ist abgelaufen. Heute kann man davon vielleicht noch fünf, sechs Stück pro Jahr verkaufen. Mehr nicht».

Inzwischen hat die Ruag 14 Flugzeuge verkauft

Bei der Ruag sieht man es freilich völlig anders. «Die Do228NG befindet sich im Aufwind», sagt Sprecher Jiri Paukert. Man liege über dem Businessplan. «Im letzten Jahr haben wir die Zielvorgaben übertroffen und auch dieses Jahr entwickelt sich über den Erwartungen.» Inzwischen hat die Ruag 14 Flugzeuge verkauft. «Für fünf weitere bestehen Reservationen. Dafür wurden bereits Anzahlungen geleistet», so Paukert.

An der Luftfahrtmesse in Farnborough vergangene Woche war die Ruag mit ihrer Do228NG ebenfalls präsent. Das Flugzeug wurde auf dem auf dem britischen Flugfeld bei London prominent zur Schau gestellt, um neue Kunden anzulocken. Der Rüstungskonzern pries die Propellermaschine für zwei Einsatzbereiche an. Zum einen sollen es staatliche Behörden für Spezialmissionen wie die Grenzkontrolle oder die Küstenwache verwenden. Zum anderen hofft man bei der Ruag auf Fluglinien, die mit dem Schweizer Flieger abgelegenere Regionen mit schlechter Infrastruktur bedienen wollen.

ATR und Bombardier schlugen sich besser

Doch in Farnborough war vom Aufwind nicht sehr viel zu spüren. Während  Konkurrenten wie die französische ATR oder die kanadische Bombardier Dutzende ihrer Propellerflieger verkauften, wartete die Ruag vergeblich auf neue Kunden. «Vertragsabschlüsse gab es vor Ort keine», bestätigt Sprecher Paukert.

Die Ruag ist aber dennoch zufrieden. «Infolge der Verkaufserfolge in der letzten Zeit fanden zahlreiche Gespräche mit Interessenten statt», heisst es. So habe man viele direkte Kontakte knüpfen können. Die Do228NG mag im Aufwind sein, auf Reiseflughöhe ist sie noch nicht.

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