In Amerikas Hedge-Fonds-Branche tut sich Seltsames. Da berichtet die Financial Times über Beschwerden von Private-Equity-Gesellschaften, dass Hedge-Fonds deren beste Mitarbeiter abwerben wollten. Gleichzeitig richtet Superfund, der Managed-Futures-Fonds von Quadriga Asset Management, ein Verkaufslokal an der Fifth Avenue ein, flankiert von einem Elektronikgeschäft und einem Café. Für beides gibt es einen guten Grund: Das steigende Anlegerinteresse an Hedge-Fonds.

Neue Pflichten

Die Börsenaufsichtsbehörde SEC setzte im Dezember neue Regeln für Hedge-Fonds in Kraft. Diese zwingen die Fonds bis Februar 2006 zur Registrierung sowie zur Offenlegung geschäftsbezogener Angaben. Ein Grossteil betrifft (leitende) Personen, mögliche Interessenkonflikte sowie Qualifikation. Verlangt werden ausserdem eine Bilanz sowie generelle Angaben zur Anlagetätigkeit und Gebührenstruktur. Die Pflicht erstreckt sich grundsätzlich auf Fonds mit mehr als 25 Mio Dollar Vermögen und mehr als 14 amerikanischen Kunden. George Van, Gründer und Vorsitzender von Van Hedge Fund Advisors International, meint hierzu: «Ich wäre nicht überrascht, wenn einige Offshore-Fonds ihre US-Kunden in andere Fonds verschieben würden, um unterhalb die Zahl von 14 Kunden zu gelangen.»

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In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Hedge-Fonds gemäss Hennessee Group auf 8000 verdoppelt. Gleichzeitig verfünffachte sich das verwaltete Vermögen auf fast 1 Billion Dollar. Weil immer mehr Hedge-Fonds-Manager mit immer mehr Geld in denselben Gefilden nach Gewinnen jagen, versuchen andere, neue Möglichkeiten zu erschliessen. Eine davon liegt im Private Equity. So häufen sich denn auch Klagen von Risikokapitalgesellschaften, die auf der Suche nach lohnenden Investitionsprojekten ­ und gutem Personal ­ Konkurrenz von Hedge-Fonds erhalten. Nur die Spitze des Eisberges dürfte dabei die unfreundliche Offerte von Highfields Capital Management gewesen sein, einem Hedge-Fonds, der den zweitgrössten US-Elektronikdetailhändler, Circuit City, aufkaufen wollte.

Das Interesse an Risikokapitalgeschäften dürfte durch eine Ausnahme im neuen SEC-Regelwerk geschürt werden. Diese erlaubt es Private-Equity- und Venture-Capital-Gesellschaften nämlich, von einer SEC-Registrierung abzusehen, wenn so genannte «Lock-up»-Perioden für Anleger von mindestens zwei Jahren vorgeschrieben sind. George Van sieht dies als die wahrscheinlichste Strategie von Fonds, um die SEC-Registrierung zu umgehen. Doch es gibt noch weitere Möglichkeiten gemäss Van: «Einige Fonds könnten auch mit kleinen strukturellen Änderungen in den Genuss von Ausnahmen gelangen, die für Banken und Versicherungen vorgesehen sind.»

Immer mehr Retail

Alternative Anlagen verlieren aber zusehends an Exklusivität mit einer steigenden Zahl an kleineren Investoren, die direkt oder indirekt an der verlockenden Performance partizipieren. Indirekt erfolgt dies über Funds of Hedge Funds oder Pensionskassen. Wohin die zunehmende «Retailisation» alternativer Anlagen dereinst führen kann, ist am Superfund-Laden ersichtlich. Ab 5000 Dollar ist ein Investor mit dabei, und kann dies im gleichen Gang erledigen, wie er sich einen Kaffee holt. Nach zwei Jahren in den USA verwaltet Superfund 75 Mio Dollar und zählt etwa 3000 Kunden. Und die Verkaufsräume sind eben erst eröffnet worden. Einige in der Branche rümpfen ob solcher Strategien die Nase, doch die Nachfrage besteht. Am Ende könnte eine Zweiteilung resultieren mit Fonds für kleine und Fonds für grosse Investoren.