Trotz den Finanzmarkt-Turbulenzen seit Mitte Juli verzeichnen die Hedge-Fonds seit Jahresanfang immer noch eine Performance von gesamthaft 2,6%.

Laut Daten von Merrill Lynch erwiesen sich insbesondere die «Merger-Arbitrage»-Strategien, welche die Kurssprünge im Umfeld von Fusionen ausnutzen, die Long-Short-Stategien sowie die ereignisgetriebenen Hedge-Fonds (Event Driven) mit durchschnittlichen Gewinnen zwischen 5 und 8% seit letztem Januar als einigermassen erfolgreich.
Hedge-Fonds-Gesellschaften wie BH Macro, Thames River Multi Hedge oder Invesco Perpetual Select Hedge verzeichnen immer noch Kursgewinne zwischen 10 und 15%. Und auch die britische Man Investment mit Niederlassung in Pfäffikon, Schwyz, berichtet weiterhin von hohem Mittelzufluss.

Quant-Fonds im Hintertreffen

Besonders schlecht hingegen haben im August die Quant Fonds abgeschnitten. Goldman Sachs gab Mitte September bekannt, dass der Global Alpha Fund, das Flaggschiff der Investmentbanker, aufgrund von Kapazitätsproblemen verkleinert werden soll. Die meisten dieser Fonds verfolgen eine marktneutrale Strategie, ihre Computersysteme identifizieren kleine Marktanomalien und versuchen dann, diese über die geeigneten «Hebel» (meist mittels Fremdkapital) in vernünftig grosse Erträge umzumünzen.
Laut der Analysefirma Hedge Fund Research, die sich auf diese Anlagevehikel spezialisiert hat, waren Ende Juni rund 41 Mrd Dollar in marktneutrale Strategien investiert. Werden dazu noch die finanztechnischen Hebel hinzugerechnet, dürften ganze 200 Mrd Dollar in diese Strategiefunds geflossen sein. Weil die meisten dieser Fonds ähnlich vorgehen sie arbeiten mit Momentum-Strategien und Bewertungsmodellen für Aktien –, handeln sie auch gleich und verkaufen in turbulenten Zeiten im Gleichschritt dieselben Positionen.
Hinzu kommt, dass die marktneutralen Strategien tendenziell immer schlechter abschneiden. In Marktrankings war diese Strategie in den letzten drei Jahren auf dem 19., dem 28. und dem 25. Rang aller 29 erfassten Strategien. Daraus folgern die Analysten von Merrill Lynch, dass diese Strategie möglicherweise unter Überkapazitäten leidet und von einer Reduktion ihrer Grösse profitieren könnte. Momentan sei einfach zu viel Geld hinter zu wenig Gelegenheiten her, schlussfolgern die Merrill-Lynch-Analysten.

Spekulation auf fallende Märkte

Ein weiterer Hinweis kommt vom Wirtschaftswissenschaftler Ming Huang von der Stanford-Universität. Mit Ausnahme der Fonds, die «Global-Macro»-Strategien verfolgen, spielen Grössenvorteile keine Rolle. Kleine Fonds sind vielmehr besser dazu geeignet, sich auf Nischen zu fokussieren, sie leiden zudem nicht so rasch unter Liquiditätsproblemen wie die grossen Fonds, weil ihre Positionen kleiner sind und leichter verkauft werden können.
Eine der oft unterschätzten Charakteristiken von Hedge-Fonds ist die Fähigkeit, sich verändernden Gegebenheiten anpassen zu können. Möglicherweise fliesst zukünftig mehr Geld in Fonds, die sich auf «Distressed Securities» (Obligationen und Aktien von Firmen mit finanziellen Problemen) oder «Event-Driven»-Strategien (Fusionen, Abspaltungen usw.) konzentrieren.
Hier und heute sind die Fonds aber damit beschäftigt, Gewinne aus den Marktturbulenzen zu schlagen. So wettet die Branche wie schon seit Juni – auf fallende US-Aktienkurse. Zudem sind etliche Fonds als Käufer von Gold, Silber, Platin und Kupfer aufgefallen, spekuliert wird zudem auf steigende Rohölpreise und Carry-Trades in Euro, Dollar und Yen. Überdurchschnittlich sind schliesslich die Positionen bei besonders liquiden, gross kapitalisierten Werten sowie Nischenwerten.

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