Twente Enschede ist Schweizer Fussballfreunden schon länger ein Begriff, spielte doch der ehemalige Nati-Stürmer Blaise Nkufo in Holland und sorgte dort nicht nur in der Meistersaison  2009/2010 mit Toren am Laufmeter für Begeisterungsstürme.

Die goldene Ära von Twente ist definitiv vorbei – man kämpft gegen den Abstieg. Auch an der wirtschaftlichen Front gibt es wenig Erbauliches: Der Club wurde vor wenigen Tagen vom niederländischen Fussballverband bis 2019 für alle europäischen Wettbewerbe gesperrt. Es droht gar der Entzug der Lizenz. Der Club akzeptiert die Strafe und gelobt Besserung. Grund ist ein Wirtschaftsskandal, den die Webseite «Football Leaks» mit bis dahin geheimen Dokumenten losgetreten hatte.

Spekulieren mit Fussballern

Die anonymen Hintermänner von Football Leaks veröffentlichen seit November regelmässig Akten von Transfers und Lizenzdeals. Vorwiegend haben sie dabei portugiesische und spanische Proficlubs wie zum Beispiel Porto, Benfica und Sporting Lissabon, Atletico Madrid oder Real Madrid auf dem Zettel. Doch auch Monaco, Inter Mailand, Olympiakos Piräus, Olympique Marseille oder englische Klubs wie Liverpool sind dabei. Oft werden Dokumente publik, die Dritteigentum an wirtschaftlichen Spielerrechten (Third Party Ownership, TPO) zum Gegenstand haben.

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Dabei kaufen Investmentfonds Transferrechte an jungen Spielern, ermöglichen günstige Vereinswechsel und greifen auch klammen Klubs unter die Arme. Wenn die Spieler Erfolg haben, werden sie für eine Riesensumme weiterverkauft. Dabei sacken die Investoren den Grossteil des Erlöses ein. Das System ist hoch umstritten, «moderne Sklaverei» nannten dies Fifa-Offizielle auch schon. Anfang Januar 2015 hat die Fifa die Teilhabe von Investoren an Transferrechten verboten.

Neymar, Xavi, Falcao, James

In den Dokumenten tauchen Deals wie etwa zu den kolumbianischen Ausnahmefussballern Falcao und James, dem Spanier Xavi oder dem Brasilianer Neymar auf. Nicht nur Schriften von Rechtsanwälten wie der international tätigen Froriep-Gruppe aus Zug wurden veröffentlicht, auch seitenweise Bankauszüge der UBS, Hyposwiss, Credit Suisse, Deutsche Bank, Barclays oder VP Bank in Liechtenstein sind auf der Webseite abrufbar. Ebenfalls zeigen Dokumente, wie die Dienste der diskreten Tessiner Veco-Gruppe und der Zürcher Swisspath Group für Fussballgeschäfte benutzt wurden.

Der geneigte Fussballfreund erfährt, dass Doyen Sports Investment aus Malta die Bildrechte von Neymar im Jahr 2012 für die Summe von 6 Millionen Euro kaufte und dafür ein UBS-Konto in Zürich nutzte. Doyen Sports ist ein Sportrechtevermarkter und mischt seit Jahren in vielen grossen Transfers mit – sein Gebaren ist der Fifa ein Dorn im Auge.

Der Fall Twente Enschede

Die Dokumente sind brisant, wie der Fall Twente Enschede nahelegt. Sie zeigten, dass der Fussballclub mit Doyen Sports offenbar gegen internationale Fussballregeln verstiess.

Twente ging mit Doyen 2014 eine Partnerschaft ein. Der Klub akzeptierte Zusatzklauseln in den Verträgen, die er gegenüber dem niederländischen Verband verheimlichte. Offenbar erhielt Twente Enschede 5,5 Millionen Dollar, im Gegenzug wurde Doyen an fünf Spielern wie Dusan Tadic «beteiligt». Damals war die Investoren-Teilhabe an Spielern noch legal.

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Ein weiteres Dokument zeigte aber, dass Twente Doyen Gelder hätte überweisen müssen, selbst wenn die Spieler nicht weiterverkauft worden wären. Damit kamen die Clubfunktionäre in grosse Versuchung, Schlüsselspieler zu verkaufen und die Interessen der Investoren über die Interessen des Clubs zu stellen.

Doyen Sports nimmt für sich in Anspruch, sich immer im Rahmen der Gesetze zu bewegen, man sei Opfer von Erpressern geworden.