«Vor Beginn der Fussball-WM schnellte die Absatzkurve bei den flachen Breitschirm-Fernsehern steil nach oben», sagt Fust-Sprecherin Bettina Höhener. Interdiscount hat vor dem sportlichen Grossereignis gar drei Mal so viele Fernseher verkauft wie in normalen Monaten. Trotzdem herrscht keine euphorische Stimmung, denn das Wachstum in der Unterhaltungselektronik (definiert als Geräte für den audio- und den visuellen Gebrauch) vermag nur knapp den bisher um 3% rückläufigen Absatz bei den Computern und kleinen Haushaltgeräten wettzumachen. «Wir schätzen deshalb, dass 2006 der Markt insgesamt stagnieren wird», sagt IHA-Marktforscher Luca Giuriato.

Dessen ungeachtet drängen laufend neue Anbieter ins Geschäft. Vor einigen Wochen eröffnete der deutsche Elektronikgigant Conrad in Emmenbrücke LU seine erste Schweizer Filiale, im Herbst soll in Dietlikon eine weitere folgen. Conrad plant auch in Bern, Basel und in der Westschweiz. Dort gibt es seit Herbst 2005 mit der französischen Kette Darty einen neuen Anbieter. Drei Läden sind bereits in Betrieb, und mindestens acht sollen es einmal sein. So weit möchte auch die deutsche Saturn kommen. Das durch seinen Slogan «Geiz ist geil» bekannte Unternehmen sucht nach geeigneten Standorten.

Der zum gleichen Konzern gehörende Mediamarkt hingegen, inzwischen mit 910 Mio Fr. Umsatz an 16 Standorten zur Nummer zwei avanciert, expandiert munter weiter. Im Herbst werden in Oftringen AG und 2007 in der Zürcher Sihlcity zwei weitere Fachmärkte eröffnet. Als reine Schweizer Kette breitet sich auch Steg Computer aus. Das Unternehmen mit sieben Filialen hat in Littau LU auf der grünen Wiese den Hauptsitz neu errichtet und einen Vertrag als Hauptsponsor des FC Luzern unterzeichnet.

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Auch die etablierten Grossen wie Fust, M-Electronics und Marktführer Interdiscount optimieren laufend ihr bereits dichtes Filialnetz. Interdiscount möchte, wie Chef Joos Sutter erklärt, in diesem Jahr erstmals die Milliardengrenze knacken. Dazu wird im Oktober ein weiterer Megastore in Genf eröffnet.

Der Branche verhelfen Innovationen wie Flachbildfernseher oder vorher Digitalkameras, DVD-Recorder/Player und MP3-Spieler immer wieder zu Umsatzsprüngen. Dafür verschwinden aber traditionelle Warengruppen wie Kassetten- und Videorecorder, Walkman und Röhren-TV vom Regal, sodass das Marktvolumen etwa gleich bleibt.

Logische Folge des Verdrängungswettbewerbs ist ein gnadenloser Preis- und Margenzerfall. Das jüngste Opfer dabei war das Discounthaus Eschenmoser, das im letzten Mai von Jelmoli übernommen wurde, um es ins Fust-Filialnetz zu integrieren. Fust hatte bereits 2002 Rediffusion und 2003 Portable Shop einverleibt.

Doch Grösse garantiert noch nicht den Erfolg. Das mussten die M-Electronics-Fachmärkte, mit 655 Mio Fr. Umsatz die Nummer vier, schmerzhaft erfahren. Sie lagen 2005 in den roten Zahlen. Zwar will der neu geholte Frank Mades, der vorher erfolgreich die Elektronikdivision von Wal-Mart Deutschland geführt hatte, bereits im 1. Quartal die Wende geschafft haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass M-Electronics definitiv auf den Erfolgspfad zurückgefunden haben. Ein überdurchschnittlicher Service und eine Mischung aus fremden Premium- und günstigen Eigenmarken sollen weiteres Wachstum zurückbringen.

Wie M-Electronics rühmen sich alle anderen Anbieter ihrer Beratungskompetenz und der umfassenden Serviceleistungen. Und sie versuchen, sich über ihre Sortimente zu differenzieren.

Man kann angesichts des Gerangels unter den Anbietern darauf wetten, dass in den nächsten Jahren grössere Fusionen anstehen. Fust-Sprecherin Höhener: «Die Konsolidierung wird weitergehen, und wir sind für weitere Akquisitionen offen.»

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