Seit rund einem Jahr ist Pierre-Alain Graf CEO der Swissgrid. Der 46-Jährige ist dafür verantwortlich, dass die Schweizer Stromversorgung nicht zusammenbricht, denn Swissgrid betreibt das schweizerische Höchstspannungsnetz. Das Netz ist bildlich gesprochen die Autobahn unter den Versorgungsleitungen und überträgt zum Beispiel die in den Grosskraftwerken erzeugte Energie in der Schweiz.

Unter genauer Beobachtung

Graf ist in einer wenig beneidenswerten Position: Wenn er alles richtig macht und der Strom fliesst, bemerkt es keiner. Geht aber etwas schief und die Lichter erlöschen, fordern alle seinen Kopf. Wie schnell sich der Volkszorn regt, zeigte sich bei den Strompreiserhöhungen, die im Sommer 2008 kurz vor dem Beginn der Marktliberalisierung angekündigt worden waren. Die Swissgrid musste als Bösewicht herhalten, obwohl sie eigentlich gar nichts für die Preissteigerung konnte.

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Doch Graf hat nicht nur die Wirtschaft und die privaten Stromkonsumenten im Nacken, die alle eine sichere Stromversorgung fordern. Spätestens 2013 wird Swissgrid Eigentümerin des Höchstspannungsnetzes, das sie von den bisherigen Besitzern, den grossen Schweizer Stromwerken, übernimmt. Entsprechend beobachten auch die Branchenleader wie Alpiq, Axpo, BKW oder Rätia genau, wie sich die Swissgrid mit ihrem Stromnetz anstellt. Kurt Rohrbach, der CEO des Versorgers BKW, äusserte Ende Oktober Bedenken: Er frage sich, ob nach der Übertragung des Eigentums an die Swissgrid noch sichergestellt sei, dass beim Netz mehr als nur das absolute Minimum ausgebaut werde, sagte er der «Handelszeitung». Viele Exponenten in der Strombranche haben zudem wenig Freude daran, dass sie bereits heute aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keine Verwaltungsratsmehrheit in der Swissgrid mehr haben, obwohl ihnen das Netz noch immer gehört.

Graf hat inzwischen überzeugend dargelegt, dass er das Netz nicht einfach verwalten, sondern weiterentwickeln will. Er will die Rolle der Schweiz als Strom-Transitland stärken. Das Geld für die dazu nötigen Ausbauten könnte aus einer «Swissgrid»-Obligation stammen oder gar, falls die Politik zustimmen würde, aus einem Börsengang. Und sogar im Ausland will Graf in Leitungskapazitäten investieren. Bevor es soweit ist, muss sich aber zuerst klären, wie sich die heutigen Besitzer des Netzes zur Swissgrid stellen. Entweder steigen sie aus und investieren das Geld anderswo oder sie bleiben Mitbesitzer an der nationalen Netzgesellschaft. Die Axpo zumindest verfolgt letztere Strategie: «Wir stehen zu Swissgrid und dem damit verbundenen Auftrag und wollen unseren Anteil nicht verkaufen», sagt Axpo-CEO Heinz Karrer auf Anfrage.

Es soll noch schneller gehen

Die Noch-Eigentümer des Übertragungsnetzes arbeiten laut Karrer derzeit gar daran, die Übergabe an die Swissgrid schneller zu erledigen als geplant. Allerdings ist diese Eigentumsübertragung laut Karrer technisch und organisatorisch überaus anspruchsvoll. Zudem müssen sich die Stromriesen mit der Bewertung ihres Anteils am Netz einverstanden erklären. Insgesamt wird dessen Wert laut Pierre-Alain Graf auf 1,5 bis 2 Mrd Fr. veranschlagt.