Wegen steigender Rohstoffkosten will Heineken die Biertrinker stärker zur Kasse bitten. Vor allem teurere Braugerste macht dem niederländischen Konzern zu schaffen.

Der um Wechselkurseffekte und Zukäufe bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen sei «leicht» zurückgegangen, teilte der Konzern mit. Das Nettoergebnis sei hingegen im ersten Quartal vor allem dank einer positiven Neubewertung einer Beteiligung in Höhe von 20 Millionen Euro auf 175 Millionen Euro gestiegen. Vor einem Jahr waren es unter dem Strich 151 Millionen Euro gewesen.

Auch ein überraschend kräftiges Absatzwachstum und ein Umsatzplus von rund 7 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro hätten dies nicht ausgleichen können. Zudem nagten gestiegene Vertriebskosten und Ausgaben für die Expansion mit Marken wie Desperados und Amstel in Schwellenländern am Gewinn.

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Gefragt in Osteuropa

Heineken will nun mit Preiserhöhungen und einer neuen Sparrunde gegensteuern. Damit sollen die Kosten bis 2014 um zusätzliche 500 Millionen Euro gedrückt werden.

Ausserhalb von Westeuropa profitiert der Konzern derweil weiter von einer steigenden Nachfrage: Vor allem in Osteuropa, Afrika und dem Nahen Osten tranken die Konsumenten mehr Bier.

Insgesamt verkauften die Niederländer im ersten Quartal mit 35,9 Millionen Hektolitern 6,2 Prozent mehr Bier als im Vorjahr, wie der Konzern in Amsterdam mitteilte. Zu- und Verkäufe von Brauereien herausgerechnet lag das Plus bei 4,7 Prozent.

Liebling Desperados

In Westeuropa setzte das Unternehmen hingegen fast 2 Prozent weniger Bier ab. Der Konzern macht den Rückgang an einem Produktrückzug in Finnland fest. Ohne diesen wäre der Absatz wie vor einem Jahr ausgefallen, hiess es.

Am stärksten wuchs weltweit der Absatz der Marke Desperados mit rund 10 Prozent, gleich danach legte auch die Hausmarke Heineken um 8,7 Prozent zu. Insgesamt wuchs der Absatz stärker als von Analysten erwartet. Die Anleger zeigten sich mit der Geschäftsentwicklung zufireden: Die Aktie legte am Vormittag rund 4 Prozent zu auf den höchsten Stand seit vier Jahren.

Heineken ist der erste der grossen Bierbrauer, der über den Jahresstart informiert. Der britische Weltmarktzweite SAB Miller folgt am Donnerstag. Branchenprimus Anheuser-Busch Inbev aus Belgien legt seine Quartalszahlen am 30. April vor, der dänische Rivale Carlsberg am 9. Mai.

(muv/tno/awp)